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Top 10: Die kuriosesten Bauwerke in Wien

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Wien wird oft über Ringstraßenpracht, Jugendstil und imperiale Kulissen gelesen. Doch gerade dort, wo Architektur aneckt oder ihrer Zeit voraus war, zeigt die Stadt eine eigenwillige, mutige Seite voller Charakter.

1. Hundertwasserhaus

Das Hundertwasserhaus im 3. Bezirk ist bis heute ein gebauter Gegenentwurf zur Norm: ungerade Linien, leuchtende Farben, begrünte Fassaden und ein fast märchenhafter Zugriff auf Wohnen und Stadt. Errichtet wurde es von 1983 bis 1985 nach Ideen von Friedensreich Hundertwasser, architektonisch realisiert mit Josef Krawina und Peter Pelikan. Gerade weil es sich jeder klassischen Ordnung entzieht, ist es weit mehr als ein Touristenmotiv – es ist ein Manifest für Individualität im Stadtraum.
✨Das Besondere: Wohnarchitektur muss nicht vernünftig wirken, um unvergesslich zu sein.
📍Adresse: Kegelgasse 34–38 / Löwengasse 41–43, 1030 Wien.

2. Looshaus am Michaelerplatz

Das Looshaus am Michaelerplatz zählt zu den berühmtesten Brüchen der Wiener Architekturgeschichte. Adolf Loos stellte hier Material, Proportion und Funktion über jede dekorative Geste – und traf damit eine Stadt, die noch tief im Historismus verankert war. Das Haus gilt als Meilenstein der Wiener Moderne; zugleich war es für viele Zeitgenossen ein Affront. Kaiser Franz Joseph habe dem Bau ablehnend gegenüberstanden, und bis heute hält sich die Erzählung, er habe angeordnet, die Fenster der Hofburg geschlossen zu halten, damit er das Looshaus nicht sehen musste. Gerade diese Reibung mit der Hofburg gegenüber macht seine Wirkung bis heute so stark.
✨Das Besondere: Reduktion kann provokanter sein als jeder Prunk.
📍Adresse: Michaelerplatz 3, 1010 Wien.

3. Wotrubakirche

Die Wotrubakirche in Wien-Mauer gehört zu den radikalsten Sakralbauten des Landes. Ihre 152 unregelmäßig gesetzten Betonblöcke lassen sie eher wie eine begehbare Skulptur wirken als wie eine klassische Kirche. Die rohe Formensprache verleiht ihr eine fast archaische Kraft und macht sie zu einem der markantesten Architekturorte Wiens.
✨Das Besondere: Kaum ein Bau in Wien wirkt so roh, still und kompromisslos.
📍Adresse: Ottillingerplatz 1, 1230 Wien.

4. Zacherlhaus

Das von Josef Plečnik entworfene Zacherlhaus ist einer jener Wiener Bauten, die sich dem schnellen Blick entziehen und gerade dadurch faszinieren. Errichtet von 1903 bis 1905, wirkt das Wohn- und Geschäftshaus mit seiner dunklen, strengen Eleganz wie ein Solitär innerhalb des Wiener Jugendstils. Es ist weniger verspielt als viele seiner Zeitgenossen – und gerade deshalb von überraschender Modernität.
✨Das Besondere: Exzentrik kann auch leise und kultiviert auftreten.
📍Adresse: Brandstätte 6, 1010 Wien.

5. Domenig-Haus

Mit dem Domenig-Haus in der Favoritenstraße schuf Günther Domenig in den 1970er-Jahren eines der radikalsten Gebäude der Stadt. Die biomorphe Gestik und die markante Metallhaut lassen den Bau bis heute wie einen expressiven Fremdkörper im Straßenraum erscheinen.
✨Das Besondere: Dieses Haus will nicht gefallen und bleibt vermutlich deshalb im Gedächtnis.
📍Adresse: Favoritenstraße 118, 1100 Wien.

6. Gasometer

Die Wiener Gasometer gehören zu den eindrucksvollsten Beispielen dafür, wie alte Industriearchitektur in ein neues Stadtleben überführt werden kann. Die historischen Hüllen blieben erhalten, im Inneren entstanden Wohnungen, Veranstaltungsflächen, ein Studentenheim, ein Kino und weitere Nutzungen; an der Umgestaltung waren unter anderem Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer beteiligt. Die Spannung zwischen technischer Vergangenheit und urbaner Gegenwart macht das Ensemble bis heute besonders.
✨Das Besondere: Hier wird Geschichte nicht versteckt, sondern weitergebaut.
📍Adresse: Guglgasse 8, 1110 Wien.

7. Haus des Meeres

Das Haus des Meeres ist schon wegen seines baulichen Ursprungs ein Außenseiter: Es befindet sich in einem ehemaligen Flakturm im Esterházypark. Heute ist der massive Turm Aquarium, Zoo und Aussichtspunkt, ohne dass seine schwere historische Präsenz verschwunden wäre. Gerade dieser Kontrast zwischen Kriegsarchitektur und lebendigem Ausflugsort verleiht dem Gebäude seine ungewöhnliche Spannung.
✨Das Besondere: Kaum ein Ort in Wien ist so widersprüchlich und so prägnant zugleich.
📍Adresse: Fritz-Grünbaum-Platz 1, 1060 Wien.

8. DC Tower 1

Der DC Tower 1 setzt in der Donau City ein bewusst internationales Zeichen. Mit seiner dunklen, scharf konturierten Erscheinung und seiner vertikalen Präsenz steht er im klaren Kontrast zur historischen Wiener Stadtsilhouette. Entworfen wurde der Turm vom französischen Architekten Dominique Perrault, dessen Handschrift dem Gebäude seine markante, fast kristalline Wirkung verleiht. Das Gebäude misst 250 Meter, umfasst 60 Obergeschosse und ist laut Betreiber Österreichs höchstes Bürogebäude.
✨Das Besondere: Dieser Turm zeigt ein Wien, das metropolitan nach vorne denkt.
📍Adresse: Donau-City-Straße 7, 1220 Wien. ([dctower.at][1])

9. Narrenturm

Der Narrenturm im Alten AKH gehört zu den verstörendsten und faszinierendsten Solitären der Stadt. Er wurde 1784 unter Kaiser Joseph II. eröffnet und entstand als frühe spezialisierte Einrichtung für psychisch erkranke Menschen – ein Rundbau, der auch heute noch durch seine strenge Geometrie und seine ungewöhnliche Typologie irritiert. Später wurde der Narrenturm unter anderem als pathologisch-anatomisches Museum genutzt; heute ist er Teil des Naturhistorischen Museums Wien und trägt damit seine außergewöhnliche Geschichte bis in die Gegenwart weiter. Seine kreisrunde Form und seine historische Aufladung verleihen ihm eine Präsenz, die man in Wien kaum ein zweites Mal findet.
✨Das Besondere: Hier treffen Irritation, Geschichte und Form mit voller Wucht aufeinander.
📍Adresse: Spitalgasse 2, 1090 Wien.

10. Belvedere 21

Das Belvedere 21 bringt eine ganz eigene Form von Fremdheit ins Wiener Stadtbild: leicht, gläsern, fast schwebend. Der Bau wurde von Karl Schwanzer als Österreich-Pavillon für die Weltausstellung 1958 in Brüssel entworfen, später zerlegt und in Wien wieder aufgebaut; heute gilt er als Architekturikone der Nachkriegsmoderne. Gerade diese ungewöhnliche Biografie macht das Gebäude zu einem besonders eleganten Außenseiter.
✨Das Besondere: Hier wirken Klarheit und Leichtigkeit erstaunlich radikal.
📍Adresse: Arsenalstraße 1, 1030 Wien.

Warum gerade diese Bauten nachwirken

Es sind genau diese Solitäre, die Wiens Stadtbild über das Offensichtliche hinaus prägen. Weil sie anecken und überraschen, bleiben sie oft länger in Erinnerung als so mancher klassische Sehnsuchtsbau.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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