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Top 5 moderne Reetdachhäuser – zwischen Tradition und Gegenwart

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Diese fünf Projekte zeigen, wie Reetdächer heute zwischen regionaler Bautradition, zeitgenössischer Architektur und besonderer Nähe zur Landschaft neu gedacht werden.

1. »Skagen Klitgård House«, Skagen

Am nördlichsten Punkt Dänemarks gelegen, nimmt das Skagen Klitgård House die lokale Bautradition auf und übersetzt sie in eine klare, gegenwärtige Form. PAX Architects arbeiten mit einem Reetdach und schwarz gestrichenen Holzfassaden, die an die Bauweise der sogenannten Black Period in Skagen anknüpfen. Damals wurde verkohltes Holz von Schiffswracks für Häuser verwendet, deren Dächer häufig mit Stroh gedeckt waren. Im Inneren ist das Haus über verschiedene Wohnzonen organisiert, die Offenheit schaffen und zugleich Rückzug ermöglichen. Die Küche liegt nahe am Zentrum des Hauses und bildet den funktionalen Mittelpunkt. Besonders stark wirkt die Verbindung von Innen und Außen. Das Haus reagiert auf seine Küstenlage, ohne sich ihr aufzudrängen.

2. »Nieby Crofters Cottage«, Norddeutschland

Das Nieby Crofters Cottage zeigt, wie viel architektonisches Potenzial in einer sensiblen Restaurierung steckt. Das reetgedeckte Backsteinhaus wurde ursprünglich im späten 19. Jahrhundert von Landarbeitern errichtet und steht auf einem kleinen Grundstück nahe der Geltinger Birk. Als die heutigen Eigentümer das Gebäude übernahmen, war es nach jahrelangem Leerstand stark beschädigt und das Dach war teilweise eingestürzt.

Gemeinsam mit Jan Henrik Jansen arkitekter entwickelte Studio Marshall Blecher daraus einen zeitgenössischen Rückzugsort, der den historischen Charakter des Hauses wahrt und im Inneren neue Großzügigkeit eröffnet. Die frühere kleinteilige Struktur wurde aufgelöst. Heute bildet ein hoher Küchen- und Essbereich das Zentrum des Hauses, ergänzt durch einen zurückhaltenden Anbau unter dem wiederhergestellten Reetdach.

3. »Beach House von Arkitema«, Dänemark

Beim Beach House von Arkitema wird Reet Teil einer reduzierten Küstenarchitektur. Reetdach, vertikale Holzverschalung und Sichtbeton bilden keine dekorative Materialcollage, sondern verankern den Baukörper in seiner dänischen Landschaft. Der Entwurf wirkt zurückhaltend, robust und präzise auf seine Umgebung abgestimmt. Statt die Witterung auszublenden, nimmt das Haus Wind, Licht und Küstenklima in seinen architektonischen Ansatz auf. So entsteht kein klassisches Strandhaus, sondern ein Bau, in dem Reet nicht als Bild, sondern als tragendes Material weitergedacht wird. Die Verbindung aus natürlicher Dachhaut, Holz und Beton gibt dem Haus eine Wirkung, die sich aus der Umgebung entwickelt.

4. »Bisate Lodge«, Ruanda

Mit der Bisate Lodge wird das Thema Reet in einen Hospitality-Kontext geführt. Das Projekt von Nicholas Plewman Architects liegt nahe des Volcanoes National Park in Ruanda und nimmt formal Bezug auf die hügelige Landschaft sowie auf das reetgedeckte Königspalast-Ensemble von Nyanza. Die runden Einheiten und Gemeinschaftsbereiche verbinden eine handwerklich geprägte Anmutung mit einer hochwertigen Raumwirkung. Dabei wird Reet nicht nur zum Dachmaterial, sondern zum Träger kultureller Referenz und atmosphärischer Identität. Die Lodge zeigt, wie stark ein traditionelles Material wirken kann, wenn es nicht kopiert, sondern architektonisch weitergeführt wird.

5. »Under the Reed Roof Guesthouses«, Ukraine

Einen aktuellen Beitrag liefert YOD Group mit den »Under the Reed Roof Guesthouses« in der Ukraine. Das 2026 veröffentlichte Projekt greift ukrainische Bautraditionen mit weiß gekalkten Wänden und Reetdächern auf, übersetzt diese Elemente aber in kleine, klar komponierte Gästehäuser. Hier wird Reet nicht zum Bild vergangener Bauweisen, sondern zum zentralen Element des Entwurfs. Das übergroße Dach bestimmt die Wirkung des Ensembles und gibt den kompakten Volumen ihre Form. Die Gästehäuser zeigen, wie sich regionale Bauformen in eine reduzierte, zeitgemäße Sprache übertragen lassen, ohne ihre Herkunft zu verlieren.

Reet mit neuer Perspektive

Diese Projekte zeigen, dass Reet heute nicht für eine feste Typologie steht, sondern für eine bestimmte Art, Architektur mit Landschaft, Materialität und Herkunft zu verbinden. Es stärkt den Ortsbezug, hält historische Linien offen und gibt neuen Häusern eine ruhigere, handwerklichere Anmutung. Es entstehen Bauten, die weder historisierend wirken noch beliebig modern, sondern klar aus ihrem Ort heraus gedacht sind.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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