Travertin: Trendmaterial in der Architektur und im Design
Travertin ist ein Alleskönner: Der sandfarbene Kalkstein ist schon lange in der Architektur beliebt, zunehmend wird er auch für skulpturale Möbel entdeckt. Im Unterschied zu Marmor wirkt das Material organisch, warm und natürlich.
Titelbild: Table-Skulptur: Die französische Designerin Emmanuelle Simon hat einen Tisch entworfen, der japanische Raku-Keramiktechnik und Travertin vereint. kolkhoze.fr
Travertin ist omnipräsent, oft ohne, dass wir den Naturstein bewusst wahrnehmen. Das Kolosseum in Rom ist ebenso aus Travertin wie der berühmte Trevi-Brunnen, die Spanische Treppe oder die Säulen des Petersdoms. Auch der berühmte Barcelona Pavillon von Mies van der Rohe setzt auf den porösen Kalkstein. Auf der heurigen Milano Design Week wurde es dann endlich offiziell: Travertin und Marmor zählen zu den Trends für 2024, was kein Zufall ist. In den letzten Jahren zeichnete sich bereits ab, dass die sandfarbene Kalksteinart, die sich nie in den Vordergrund drängt, perfekt in eine hektische Zeit passt, die sich nach Ruhe und Natürlichkeit sehnt. Doch während Marmor stets eine elegante Kühle ausstrahlt, ist Travertin eine archaische Ruheoase. Das »AD Magazin« schwärmt, dass Travertin ideal sei, um den »überall präsenten architektonischen Zen-Gedanken, in dem visuelle Ruhe oberstes Gebot ist« zu verkörpern.
NATÜRLICHE FARBEN
Gelb-, Braun- und seltener auch Rottöne hat Travertin, der meist in der Nähe von heißen Süßwasserquellen vorkommt. Im Wasser befindet sich Calciumcarbonat, das sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr löst, da eine Sättigung eintritt. Somit entsteht Travertin, der viele Vorteile hat. Er ist tritt- und stoßfest, lässt sich aber trotzdem gut formen. Der Naturstein trocknet schnell, eignet sich für Thermaleinrichtungen oder das eigene Bad – Badewannen aus Travertin sind stylische It-Pieces. Travertin altert schön, ist leicht und stabil. Er eignet sich sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. Frost und Hitze können ihm nichts anhaben, er lässt sich auch sehr dünn schneiden. Mit seiner angenehmen Haptik und warmen Farbgebung wirkt Travertin natürlich und organisch. Er passt gut zu Holz, ist aufgrund seiner neutralen Farbe in Japan beliebt. Er harmonisiert aber auch perfekt mit skandinavischem Design. Lange war Travertin ein beliebtes Baumaterial in der Architektur, mittlerweile haben auch Designer:innen die Schönheit von Travertin entdeckt: von stylischen Couchtischen über Hocker und Vasen bis zu Küchenelementen, die eine schöne Patina entwickeln. Die belgischen Handwerkprofis Van Den Weghe etwa haben sich auf Natursteine spezialisiert, ganze Küchen aus Travertin fertigen sie auf Wunsch an. Der amerikanische Fashiondesigner Rick Owens ist wie in seiner Goth-Mode auch beim Wohnen ein Minimalist: Marmor und Travertin prägen seine brutalistischen Häuser und Apartments in Italien und Paris. Travertin und die roughe Ästhetik von unverputzten Wänden sind eine perfekte Kombination.
Maximale Musterung: Das Designteam GamFratesi hat für Gubi formschöne Beistelltische aus Travertin entworfen. gubi.com
Monolith aus Stein: Der Tisch »Petra« von Designer Joris Poggioli überzeugt durch seine klare Formensprache. jorispoggioli.com
ZEITLOSE SKULPTUREN
Aus Travertin lassen sich Möbelstücke kreieren, die wie Skulpturen aussehen. Die französische Galerie Kolkhoze stellt Werke in limitierter Auflage von aufstrebenden und etablierten Designer:innen vor. So hat die französische Architektin und Designerin Emmanuelle Simon einen Tisch gefertigt, der japanische Raku-Keramiktechnik und Travertin faszinierend vereint: Beide setzen auf den Zufall als Gestalter der Oberfläche, die stets einmalig und individuell ist. Der Franzose Hugo Toro wiederum hat aus bräunlichem und rötlichem Travertin Stühle und Tische entworfen, die wie russischer Konstruktivismus aussehen. Klassisch elegant sind hingegen die Konsolen der jungen französischen Designerin Capucine Gugur. Erschwinglicher als diese Sammlerstücke sind die Travertin-Tische von Gubi, die es in drei unterschiedlichen Farbtönen gibt. Das Designteam GamFratesi hat mit seiner »Epic Collection« und seiner »TS Collection« zeitgemäßen Funktionalismus mit einer rohen Optik verbunden. Spaß machen aber auch Travertin-Möbel, die überraschend moderne Formen haben. Der monolithische »Ossicle Marble Stool« von Francesco Balzano für Giobagnara sieht wie ein riesiger Puzzlestein aus. Tatsächlich spielt er auf ein beliebtes antikes Spiel an, das neu interpretiert wurde. Der Franzose Thierry Lemaire hat einen Stuhl entworfen, der das harte Material famos geschmeidig aussehen lässt. Auch mit Metall lässt sich Travertin bestens kombinieren, wie die Tische des Pariser Design-Labels La Chance beweisen. Sogar ein Bücherregal aus Travertin hat La Chance im Sortiment. Travertin ist eben ein stiller Superstar, der alles kann, aber sich nie aufgeregt in den Vordergrund spielt.
Aus einem Guss: Die französische Galerie Kolkhoze verkauft Werke in limitierter Auflage wie diesen kleinen Schrank aus Travertin. kolkhoze.fr
© Kolkhoze
Erdige Atmosphäre: Warum nicht eine ganze Kücheninsel aus Travertin? Der in Paris lebende Architekt Diego Delgado-Elias macht es möglich. diegodelgadoelias.com
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