Warum am Immobilienmarkt Weitblick gefragt ist
Der Immobilienmarkt erholt sich. Die Wohnungspreise ziehen wieder an und es gibt neue Projekte. Dennoch ist noch lange nicht alles eitle Wonne, warnen Expert:innen. Genau der richtige Moment für clevere Investor:innen, die Chancen sehen, wo andere nur Unsicherheit wittern.
Noch sieht man nichts von der Hoheit, die der Turm ausstrahlen wird. Erst Anfang des Jahres wurde im Wiener Viertel Zwei neben der Trabrennbahn mit dem Bau des Turms namens »Weitblick« begonnen, und schon jetzt konnte die Eigentümerin und Developerin, die STRABAG Real Estate (SRE), freudig bekannt geben, dass sie einen feinen Hotelmieter (Dorint) für gleich 30 Jahre für den 120-Meter-Turm verpflichten konnte. Erfolgsnachrichten wie diese waren in den letzten schwierigen Jahren selten. Jene, die dennoch strebsam »Weitblick« bewiesen haben und mit kaufmännischer Vorsicht auch durch die Boomjahre gingen, haben erstens überlebt und können zweitens nun wieder Erfolge feiern.
Das Zuhause wird zum Statussymbol
Nach Jahren des Stillstands, steigender Baukosten, schwerer Finanzierbarkeit und Bauträgerinsolvenzen bekommt nun auch der heimische Wohnungsmarkt wieder eine Perspektive. Wie wichtig das eigene Zuhause ist, zeigt eine aktuelle Umfrage, die vor allem eine Neuerung ans Tageslicht bringt: Dass nämlich 96 Prozent der Österreicher:innen ihre Wohnung als Ort der Geborgenheit und Erholung empfinden, ist jetzt noch nicht so überraschend, dass das Zuhause zunehmend als Statussymbol wahrgenommen wird, hingegen schon. 2025 sehen zwei Drittel darin ein Symbol persönlichen Erfolgs (2016 waren es nur 50 Prozent). Eigentümer:innen (71 Prozent) und Hausbewohner:innen (69 Prozent) identifizieren sich besonders stark damit, so die Umfrage von ImmoScout24.
Durchatmen ist also angesagt, Jubelschreie sind verfrüht. »Der einstige Leitsatz ›survive till 2025‹ hat erwartungsgemäß zeitlich nicht gehalten. Wir sehen ›safe haven 2027‹ nach wie vor als realistisch an«, sagt ÖRAG-Vorstand Stefan Brezovich. Nach Einschätzung der ÖRAG zeigt sich nun eine Phase der Konsolidierung. »Wer heute handelt, muss bereit sein, Risiken zu tragen – ob als Investor:in, Bank oder Eigentümer:in«, resümiert der Vorstand. Was sagen die Fakten? Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Österreich wieder Immobilien im Wert von 1,6 Milliarden Euro gekauft, das ist durchaus in Ordnung und der höchste Wert seit Beginn der Zinswende. Wien hält mit über einer Milliarde den größten Anteil. Besonders gefragt: Wohnimmobilien mit stabilem Cashflow.
Dorf in der Stadt
Im Stadtentwicklungsgebiet VILLAGE IM DRITTEN hat die dritte Bauphase begonnen, nun werden die Park Flats (138 frei finanzierte Wohneinheiten) errichtet.
are.at
Weitblick und Grünblick
Zwei Türme beim Prater ergänzen Wiens Skyline. Der österreichische Immobilienmarkt gesundet und stabilisiert sich wieder.
strabag-real-estate.com
value-one.com
Wohnraum: knapp und wertvoll
Im Mietwohnungsmarkt herrscht weiterhin Engpass. Warum? Weil kaum neue Wohnungen fertiggestellt oder geplant werden, im ersten heurigen Halbjahr waren es gar nur rund 10.000 Wohnungen – deutlich weniger als im Vorjahr und weit entfernt von den 70.000 pro Jahr der Boomphase 2021 bis 2023. Besonders in Wien spitzt sich die Lage zu. Logische Folge: höhere Mietpreise. Das Beispiel »DC Flats« in der Donau City zeige laut ÖRAG, wie stark die Nachfrage in diesem Umfeld ist. Binnen acht Wochen nach Vermarktungsstart war die Hälfte der 302 Wohnungen vergeben.
Besser sieht es am Eigentumsmarkt aus: Die Lockerungen der Kreditvergaberichtlinien zeigen erste Wirkung. Die Nachfrage zieht wieder leicht an, die Käufer:innen prüfen aber sehr genau. Beliebt sind kompakte Drei-Zimmer-Wohnungen zwischen 65 und 70 Quadratmetern, ausgestattet mit Wärmepumpen, Photovoltaik und energieeffizienter Haustechnik. Im Premiumsegment bleibt der Markt stabil. »Luxusimmobilien mit klarer Alleinstellung sind wertbeständig. Preisrückgänge sehen wir nicht«, so Karin Bosch, die den Bereich Wohnen Exklusiv verantwortet – ebenso bei der ÖRAG.
Flexibel und anpassbar
Das Projekt »HOHM« setzt auch auf die Holz-Hybrid-Bauweise. Wohnungen lassen sich an Lebensphasen anpassen – etwa durch teilbare Räume oder modulare Nutzung.
oesw.at
»LeopoldQuartier«
253 nachhaltige Wohnungen in Holz-Hybrid-Bauweise sind im »LeopoldQuartier« kurz vor der Fertigstellung.
ubm-development.com
Bauherrenmodelle: Win-Win
Andere Nachrichten der letzten Wochen weisen ebenso auf eine wieder erstarkende Immobilienlandschaft hin. Die IFA kündigte nämlich ihr 500. Bauherrenmodell an – und zwar erstmals mit Wohnungszuordnung in Wien! Was das heißt? Investor:innen beteiligen sich an einer konkret zugeordneten Wohnung, deren Anteil individuell im Grundbuch verankert wird. Nach der Fertigstellung erfolgt die Wohnungseigentumsbegründung. Die gemeinsame Vermietung garantiert stabile Mieteinnahmen für mindestens 20 Jahre, anschließend ist auch eine Eigenvermietung möglich. Die Planrendite liegt nach Ende der Förderphase bei rund 6,2 Prozent pro Jahr. Solche Modelle sind doppelt sinnvoll, denn einerseits sind sie eine Chance für Anleger:innen, andererseits entsteht durch diese Art der Finanzierung geförderter und somit leistbarer (und eben stark nachgefragter) Mietwohnraum.
Beim Arik-Brauer-Park
Zeitgemäße Stadtarchitektur mit funktionaler Raffinesse – das Projekt »Arik« von Winegg steht für smarte Wohnflächen in Ottakring.
the-arik.at
»Eden & Ivy«
In guter Lage – einen Steinwurf vom Währinger Park entfernt – verbindet dieses sanierte Zinshaus klassische Architektur mit internationalem Designverständnis. 14 Wohnungen sind verfügbar.
sangreal.at
Ohne Wohnraum, kein Wachstum
Genau dieser bzw. der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, könnte zum Problem werden – für die Wirtschaft und für die Gesellschaft, wie eine Studie des Pestel Instituts aus Hannover zeigt. Sie wurde von der Branchenmesse EXPO REAL in Auftrag gegeben. Deren Direktorin, Claudia Boymanns, erklärt: »Unsere Studie zeigt, dass ausreichend verfügbarer Wohnraum und funktionierende Wohnungsmärkte als Wachstumsfaktoren für die Wirtschaft stark unterschätzt werden. Den Wohnungsmarkt aktiver zu gestalten, ist nicht nur eine soziale Frage, sondern auch ein dringendes wirtschaftspolitisches Gebot. Die Lösung der Wohnungsfrage ist eine zwingende Voraus-setzung dafür, dass die Konjunktur in Deutschland wieder Fahrt aufnimmt – ohne Wohnraum wird es auch kein Wachstum geben.« Ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum versperre den Zugang zum Arbeitsmarkt, ergänzte Matthias Günther, Geschäftsführer des Pestel Instituts und Autor der Studie. Für Österreich stellt sich die Situation gleich dar.
Apropos rot-weiß-rot: Ein spezielles Marktsegment, das zuletzt nur komatös mit wenig Herzschlag dahinvegetierte, ist wieder aufgewacht. Otto Immobilien berichtet, dass der Wiener Zinshausmarkt im ersten Halbjahr 2025 ein kräftiges Comeback mit rund 400 Transaktionen verzeichnete – ein Plus von etwa 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtwert der Verkäufe stieg auf rund 1,5 Milliarden Euro, getragen von wachsendem Interesse institutioneller Investoren und Family Offices, aber auch Private treten vermehrt auf. Philipp Maisel, Leiter des Zinshaus-Teams bei OTTO Immobilien: »Wir beobachten ein wachsendes Interesse privater Käuferinnen und Käufer, die den stabilen Markt wieder für sich entdecken. Ein Grund dafür ist das Preisniveau, das in den vergangenen 18 Monaten robust auf einem Level geblieben ist.« Besonders gefragt seien Objekte in den Bezirken zwei, sieben und 15, wo sich auch die Preisentwicklung dynamisch zeigt. Ausschlaggebend für die Belebung waren die regulatorische Klarstellungen (Stichwort Mietvertragsklauseln), die für mehr
Planungssicherheit sorgten.
Chancen für Weitblickende
Punktum: Die Talsohle im österreichischen Immobilienmarkt ist offenbar erreicht, und das kann – wie viele Expert:innen auf der EXPO Real prognostizierten – der Beginn eines neuen Immobilienzyklus sein. Für manche mit Weitblick ist das der richtige Moment, Chancen zu sehen, wo andere nur Unsicherheit wittern.
Neu und familienfreundlich
Familienfreundliche Ausstattung mit Gemeinschaftsflächen und Spielbereichen – diese Eigentumswohnungen werden in einer Seitengasse nahe Althanstraße und Liechtensteinstraße neu gebaut.
raiffeisen-immobilien.at
500. Bauherrenmodell
Mit dem 500. Bauherrenmodell startet die IFA erstmals ein Projekt mit direkter Wohnungs-zuordnung in Wien.
ifa.at
Stark nachgefragt
Eines der wenigen großen Mietobjekte, deren Wohnungen derzeit enorm gefragt sind: das »SEVEN« in 1020 Wien.
oerag.at
Landstraße
Auch im dritten Wiener Gemeindebezirk gibt es Mietwohnungen. Die Ausstattung ist, wie in Österreich üblich, standardmäßig sehr gehoben.
teamneunzehn.at