Was machen eigentlich Ludovica Serafini und Roberto Palomba?
Das italienische Ehepaar Ludovica Serafini und Roberto Palomba hat in den letzten 30 Jahren eine ganz eigene Form von Minimalismus kreiert. Ein guter Grund, wieder einmal zu schauen, was denn da genau gemacht wird.
Der schönste Kitsch ist immer jener, der einem selbst passiert. Ludovica Serafini und Roberto Palomba können wohl ein Liedchen darüber anstimmen. Das italienische Design-Ehepaar, immer wieder gerne als Italiens »Golden Couple« tituliert, lernte sich nämlich während des Architekturstudiums in Rom kennen. Und zwar auf einem Ball – einer Julius-Cäsar-Party, um genau zu sein. »Ich flirtete mit Kleopatra und war ihr sofort verfallen«, fasste Roberto Palomba die schicksalhafte Begegnung einmal zusammen. Zum Glück beruhte das emotionale Verfallen auf Gegenseitigkeit und das Paar erkannte rasch, dass man vieles gemeinsam hatte und sich perfekt ergänzte. »Ist man jung und hat die gleichen Vorlieben, auch wenn man unterschiedliche Erfahrungen gemacht hat, ist es auch ganz natürlich, dass man die gleichen Träume hat«, so Ludovica Serafini. Ergo wurde ein eigenes Studio gegründet.
Raus aus der Komfortzone
Obwohl die gebürtige Römerin Serafini und der Sarde Palomba Mailand eigentlich meiden wollten, zog man, aus vernetzungs- und businesstechnischen Gründen genau dorthin. Alle Wege führen nach Rom? Geht’s um Design, dann genau eben nicht, und man landet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der norditalienischen Möbel- und Designmetropole. Für Serafini und Palomba war dieser Zeitpunkt vor mittlerweile 30 Jahren gekommen. Und ihr Laden läuft, wovon unzählige Designpreise und Auszeichnungen Zeugnis ablegen. Ludovica Serafini erklärt auch, warum die berufliche und private Partnerschaft so gut funktioniert. »Nach so vielen Jahren haben wir immer noch die gleiche Vision. Wir wollen innovativ sein, nicht um etwas zu verändern oder die Leute zu schockieren, sondern einfach nur um der Innovation willen. Wir wollen nicht in der Komfortzone leben.«
Minimalistisch gut
Verlässt das Kreativduo die Komfortzone, steht der Mensch im Mittelpunkt, wenn es ans Gestalten geht. Das haben auch renommierte Unternehmen wie Foscarini, Poltrona Frau, Kartell, Boffi oder Agape erkannt, die das Ehepaar gerne beauftragen, Dinge zu entwerfen. Parallel dazu werden aber auch (innen)architektonische Projekte verwirklicht. Hotels ebenso wie Privathäuser oder Jachten. Dabei pflegen Serafini und Palomba die hohe Kunst des Minimalismus. Sie schaffen es, bei allem Weglassen von Firlefanz und Reduktion aufs Wesentliche hohen Wiedererkennungswert zu kreieren. Aber noch wichtiger: Sie generieren dabei eine Ästhetik, die niemals unterkühlt wirkt. Minimalismus mit Herz, der ein wenig anders ist und dem es gelingt, die Balance unterschiedlichster Einflüsse zu halten. Nordischer Stil trifft auf italienisches, aber auch orientalisches Erbe. Da kann dann schon einmal eine wassersparende Badewanne rauskommen, die nur dort mit Wasser gefüllt wird, wo der Körper liegt, oder eine Chaiselongue, deren Silhouette an eine rastende Person erinnert. Hier wird auch ein weiterer Baustein für den anhaltenden Erfolg des Duos deutlich: Man entwirft originelle Stücke, die ihren Witz nicht in die Räume hineinbrüllen und so zu ständigen Begleitern und beständigen Klassikern werden. »Wir entwerfen Produkte für Menschen, die diese Produkte auch im Alltag verwenden«, erzählt Palomba und wird konkreter. »Wenn wir einen Tisch machen, denken wir zunächst nach, wie er hergestellt wird, was er kostet und wie er benutzt werden soll.« So einfach ist das.