Was macht eigentlich Arik Levy?
Zwischen Kunst und Design, Intellekt und Intuition lotet Arik Levy die Grenzen des Möglichen aus. Der »Industrial Artist« erschafft Formen voller Spannung und ist ein Grenzgänger aus Überzeugung.
An Witz und Selbstironie mangelt es Arik Levy wahrlich nicht. Der gebürtige Israeli zelebriert die zwei Seelen, die in seiner Brust schlagen. »Wenn Sie ein klassisches Bücherregal leer stehen lassen, werden alle sagen: Warum sind da keine Bücher drin? Lassen Sie meinen Entwurf leer, sagen die Leute bestenfalls: schöne Skulptur!«, sagte er einmal in einem Interview und stellte damit unmissverständlich klar: Hier kommt ein Grenzgänger zwischen den Disziplinen. Bereits mit 14 Jahren malte Levy erste großformatige Bilder und schuf Skulpturen, Design kam erst später schrittweise hinzu. »Es war ein Mittel zum Zweck«, erklärt er gerne. »Design hat mir geholfen, Geld zu verdienen, mit dem ich dann meine Kunst finanzieren kann.«
Erhellend
»Chair Lamp« ist eine frühe studentische Arbeit. Ein desolates Sesselfundstück wurde kurzerhand zur Lampe umfunktioniert. Man spürt, dass hier ein junger Kreativer die Grenzen zwischen Design und Kunst auslotet.
Blockparty
Die Couch »Convertible« ist ein formal sehr strenges Ausziehsofa und heute ein oft gesuchtes Liebhaberstück.
cinna.fr
Gestaltet hat Levy, in jungen Jahren ein begeisterter Surfer, zunächst vor allem Boards und Wetsuits. In seinem eigenen Grafikstudio mit angeschlossenem Surfshop, versteht sich. Objekte für den Moment, funktional, pragmatisch, nichts für die Ewigkeit. Vom Strand führte ihn sein Weg 1988 in die Schweiz, genauer gesagt an den Genfer See, an das ArtCenter College of Design in La Tour-de-Peilz. Das Studium schloss er 1991 mit Auszeichnung ab. Erste Meriten verdiente sich der junge Designer anschließend in Japan, wo er sich intensiv mit der radikal reduzierten Alltagsästhetik und der minimalistischen Designkultur auseinandersetzte. Ein Einfluss, der seine spätere Arbeit nachhaltig prägen sollte.
Schräglage
Der Lounge Chair »A1« bringt mit seiner Farb-, Form- und Material-sprache die Nullerjahre auf den Punkt. Fröhlicher Minimalismus mit Hang zum Experiment.
desalto.it
Ab Ende der 1990er-Jahre operierte Levy dann von Frankreich aus. Zunächst gemeinsam mit dem New Yorker Künstler und Designer Pippo Lionni und einem mehrköpfigen internationalen Team aus Designer:innen und Grafiker:innen. Im Studio L Design entstanden Möbel, Leuchten und Accessoires, aber auch Markenauftritte sowie Ausstellungs- und Set-Designs. Seit 2004 führt Levy sein eigenes Studio. Und hier hat er den Spagat zwischen Kunst und Design konsequent perfektioniert. Regelmäßig liefert er gefeierte Arbeiten für Unternehmen wie Vibia und Vitra ab, aber auch andere renommierte Marken wie Baccarat, Emu, Desalto, Molteni, Zanotta oder Danese zählen zu Levys erlauchtem Kundenkreis.
Werkzeugkiste
Mit der »Storage Toolbox« ist Levy ein Bestseller gelungen. Eine Designikone, die nicht nur Ordnungsliebhaber:innen überzeugt.
vitra.com
Gute Masche
Ein charmantes Glanzstück in Mesh-Optik ist die Lampe »Sphere«, die eine Anspielung auf Astro-Ästhetik ist und dabei einen kleinen Trabanten mitführt.
forestier.fr
Kunst, darunter seine ebenso gefeierten wie monumentalen Rock-Skulpturen, aber Levy fotografiert auch, macht Filme und malt. »Kreativität ist ein unkontrollierbarer Muskel«, lautet eines seiner bekanntesten Zitate und mit diesem prägnanten Satz erklärt er mühelos, warum sein Werk von Skulpturen über Hi-Tech-Fashion bis hin zu Badkeramik reicht. Und es gibt noch einiges zu entdecken. »Alles, was ich bisher noch nicht getan habe, interessiert mich«, gab er einmal zu Protokoll und meint damit dezidiert auch das Entstehungsumfeld. Denn als Designer sucht Levy die Herausforderung, die neue Produktionsprozesse, innovative Materialien, oder neue Unternehmen und ihre Philosophien so mitbringen.
Inspektor Colombo
Für die italienische Taschenmanufaktur Colombo interpretierte Levy das Kultmodell »Dione« neu und ließ sich dabei von seinen eigenen Kunstserien »Rock«, »Rock Growth« und »Fixing Nature« inspirieren.
colombo1937.it
Wurzelwerk
»Roots« nennt sich Levys Tischserie, die Aluminium-gestelle und Glasplatten elegant vereint.
baleri-italia.com
Dass er sich selbst als »Industrial Artist« bezeichnet, überrascht daher kaum. Stilistisch entzieht er sich dabei aber klaren Zuschreibungen. Formal bewegt sich Levy nämlich gerne zwischen geometrischer Strenge und organischer Sinnlichkeit. Minimalistische Objekte wechseln sich mit komplexen, facettenreichen Strukturen ab. Fülle trifft auf Leere, Technik auf Poesie. Es ist eine Gestaltungs-Dialektik, die nie gefällig, sondern stets spannungsvoll bleibt. Frei nach einem anderen Motto von ihm: »Das Leben ist ein System aus Zeichen und Symbolen, wo nichts so ist, wie es scheint.«