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© Steffen Jänicke

Was macht eigentlich Werner Aisslinger?

Design
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Werner Aisslinger gehört zu den einflussreichsten deutschen Designern. Seine Möbel, Räume und Konzepte zeigen, wie aus Technologie, Nachhaltigkeit und Haltung Objekte und Räume entstehen, die mehr können als nur funktionieren.   

r den deutschen Designstar Werner Aisslinger ist die Sache ziemlich klar: »Es gibt immer mehr Design. Alles ist designt. Aber ich glaube, dass es nach wie vor wenig Dinge gibt, die Qualitäten haben.« Sein eigener Werkkatalog ist davon natürlich ausgenommen. Der heute 61-Jährige, der Studios in Berlin und Singapur führt, hat sich über Jahrzehnte einen Namen damit gemacht, Dinge zu entwerfen, die nicht nur gut aussehen, sondern Sinn ergeben.

Aisslinger versteht sich dabei weniger als klassischer Gestalter denn als Erzähler. »Ich bin vor allem DJ und Storyteller. Ein Modell soll eine Geschichte erzählen.« Das klingt zunächst nach Designerklischee, doch Aisslinger zieht diese Haltung konsequent durch. Sein Ego stellt er dabei gern hinten an. Für ihn gehe es nicht darum, »Design zu machen«, sondern – Achtung! Der Unterschied macht’s aus –  »gutes Design zu machen.«

Logisch, dass »gut« in diesem Kontext mehr als Ästhetik bedeutet. Nachhaltigkeit, Material und Produktionsweise gehören für ihn untrennbar dazu. »Man will als Designer nichts in die Welt setzen, das man energetisch überhaupt nicht verantworten kann«, sagt Aisslinger. Diese Einstellung entwickelte sich übrigens früh. Nach seinem Studium an der Berliner Hochschule der Künste arbeitete er Anfang der 1990er-Jahre bei Ron Arad und Jasper Morrison in London sowie bei Michele De Lucchi in Mailand. Dort lernte er, dass Form ohne Haltung wenig zählt. Auf Innovation hingegen kommt es umso mehr an.

1998. Gele Angelegenheit. Mit Industrie-Gel für Fahrradsättel kreierte Werner Aisslinger Ende der 1990er-Jahre die »Soft Cell«-Kollektion. Ziemlich bequem, aber kein kommerzieller Erfolg.

© Studio Aisslinger / Wright

2007: Buchhaltung. Im Projekt »Books Shelf and Lamp« wurden alte Bücher zu Regalen. Eine Installation, die Nachhaltigkeit und Modularität kurzschließt.

© Studio Aisslinger

2008: Unter Strom. Mit der Steckdosen- und Lichtschalter-Kollektion »R1« wird gezeigt, welch Zauber scheinbar Banalem innewohnt, wenn man sich dazu Gedanken macht.

hager.com

© Studio Aisslinger / Christian Beck

2010: Auf Draht. Der »A Chair« ist eine Verneigung vor der großen Kunst, Draht- und Metallmöbel filigran wirken zu lassen, und war eine Arbeit für L’Abbate.

© Studio Aisslinger

Museumsreifer Durchbruch

So richtig tauchte Aisslinger dann aber Mitte der 1990er-Jahre auf dem Radar der Designerbranche auf. Sein »Juli Chair« für Cappellini gilt dabei als Pionierstück: ein industriell gedachter Stuhl aus Polyurethan-Integralschaum. Wenig später zeigte er mit der »Soft Cell«-Kollektion für Zanotta, wie sich ein Techno-Gel, das ursprünglich für Fahrradsättel entwickelt worden war, in überraschend komfortable Möbel übersetzen lässt.

Die Experimentierfreude blieb nicht folgenlos. Aisslingers Entwürfe fanden ihren Weg in bedeutende Museumssammlungen, etwa ins Museum of Modern Art in New York oder ins Victoria and Albert Museum. Gleichzeitig entwickelte sich sein Studio zu einer gefragten Adresse für größere räumliche Konzepte, weil der Kreative immer auch das Big Picture im Blick hat.

Aisslinger gestaltet heute nicht nur Möbel, sondern ganze Umgebungen: Co-Working-Spaces, Hotels, Markenwelten. Für die Hotelgruppe 25hours Hotels entwarf er ebenso Räume wie für Unternehmen oder Handelsflächen in Europa und Asien. Wer viel reist, könnte seinem Output also häufiger über den Weg laufen, als er denkt.

Wobei, nachfragen ist hilfreich, denn ein klarer Signature-Look ist in Aisslingers Werk nicht wirklich auszumachen. Ihn interessiert weniger der wiedererkennbare Stil als die Frage, welches Material, welche Technologie und welche Produktionsweise die beste Lösung hervorbringen. Die Ergebnisse wirken oft kontrolliert und präzise: klare Linien, wenig gestischer Überschwang, dafür viel konstruktive Intelligenz.

Vielleicht liegt genau darin seine besondere Stärke. Aisslinger weiß, dass große Wirkung selten aus großen Gesten entsteht, sondern aus klugen Details. Für ihn ist Ästhetik deshalb kein Selbstzweck. »Das Wort kommt vom griechischen ›Aisthesis‹ – Wahrnehmung«, sagt er. »Ästhetik heißt für mich: Öffnung unserer Sinne durch Irritation und Reibung. Wenn etwas nur gefällt, ist es gefällig.«

2013: Reif für die Insel. Die Sitzgruppe »Bikini Island« treibt das Prinzip Modularität auf die Spitze. Jedes Teil wirkt alleine und gruppiert genauso gut.

moroso.it

© Studio Aisslinger

2016: Tonangebend. Das Waschbecken »Water Dreams« bringt Brunnen-feeling ins Badezimmer und ist aus Ton und Lehm gefertigt.

axor-design.com

© Studio Aisslinger

2018: Radarfalle. Die Armbanduhr »Autobahn« bringt im Highspeed-Modus frischen Bauhauswind ins 21. Jahrhundert.

nomos-glashuette.com

© Nomos Glashütte / Holger Wens

2025: Comeback. Aisslinger hat das »Endless Shelf« bereits 1996 entworfen. Etwas überarbeitet, ist es wieder da und steht jetzt massiv, dunkelbraun und in Nussholz auf Füßen.

porro.com

© Studio Aisslinger

Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 2/2026

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Manfred Gram
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