Wohnmobile reloaded: Bye-bye, Wohnadresse!
Wer sagt, dass Wohnen immobil sein muss? Eine ganz neue Generation an Wohnmobilen und schicken, kompakten, geländetauglichen Trailern sagt der Ortsansässigkeit den Kampf an und entschwindet in der Wildnis unserer schönsten Wohnträume. Auf geht’s!
Header Bild: »Romotow T8« Die Inspiration für den klapp- und drehbaren Campingwagen lieferte ein klassischer USB-Stick. Mithilfe einer Hydraulik kann die Wohnfläche vergrößert und eine gedeckte Terrasse mitsamt Elektrogrill geschaffen werden. Produziert wird der »Romotow T8« in Neuseeland, Einstiegspreis 300.000 Euro. w2limited.nz, romotow.com, acmmotorhomes.co.nz
Ein Knopfdruck genügt, nach ein paar Sekunden ist die morphologische Transformation beendet. Möglich ist dies dank einer hydraulischen Mechanik, an der die Architekt:innen und Ingenieur:innen von W2 Limited lange herumgetüftelt haben. Durch die Verdrehung des Innenraums um 90 Grad entsteht eine gedeckte Terrasse, die sogar bei Schlechtwetter verwendbar ist. Zudem kann in der abgerundeten -Rückwand des Trailers – zwischen den Rückscheinwerfern positioniert – auf der Innenseite ein kleiner Elektrogrill ausgeklappt werden. »Unsere Inspiration kommt von einem klassischen, aufklappbaren USB-Stick«, sagen Matt Wilkie und Stuart Winterbourn, die beiden Gründer und Geschäftsführer von W2 Limited mit Sitz im neuseeländischen Christchurch. »Wir dachten uns: Was im Kleinen geht, das muss doch auch im größeren Maßstab möglich sein. Aus einer kompakten und geschützten Form für unterwegs entfaltet sich bei Bedarf, sobald man den Trailer abgestellt hat, ein schönes Objekt mit 70 Prozent mehr Fläche.« Die erste Idee dazu entstand 2012, von 2018 bis zuletzt wurde das Konzept ausgereift und weiterentwickelt, seit wenigen Wochen wird der sogenannte »Romotow T8«, der sogar mit dem A’ Design Award ausgezeichnet wurde, von ACM Motorhomes nun in Kleinserie produziert. 9,3 Meter in der Länge, 2,5 Meter in der Breite, 29 Quadratmeter Wohnfläche, und für die nötige Power zum Klappen und Drehen sorgt eine 400-Watt-Photovoltaikanlage am Dach mit angeschlossener Lithiumbatterie. Der Einstiegspreis liegt bei rund 300.000 Euro.
»Porsche Airstream« Neuinterpretation einer Ikone: In Zusammenarbeit zwischen Airstream und dem Salzburger Designstudio F. A. Porsche entstand ein kompakter Caravan aus Aluminium mit zahlreichen klappbaren Features. Das Produkt soll vor allem urbane Kundschaft ansprechen. airstream.com, studiofaporsche.com
© Airstream
»Volterra« von Bowlus Das Flaggschiff von Bowlus hört auf den Namen »Volterra« und erinnert an den klassischen Airstream aus den Sechzigerjahren. Außen hochglanzpoliertes Alu-Chassis, innen jede Menge innovative Baustoffe. Ab 290.000 Euro. bowlus.com
© Bowlus
»Base Cabin« Das in Melbourne ansässige Designstudio Edwards hat die Form eines klassischen Campingzelts auf Räder gesetzt. Konstruktiv handelt es sich um ein mobiles Tiny House in Holzbauweise. Innen gibt es eine Wohnküche mit Schlafbereich und vollwertigem Bad. basecabin.com, studio-edwards.com
© Studio Edwards
Living Vehicle Ebenfalls in Kalifornien ist der Wohnwagenhersteller Living Vehicle beheimatet. Die Hightech-Caravans sind Meister in Sachen Nachhaltigkeit, Energiesparsamkeit und möglichst langer Autarkie für lange Fahrten. Das jüngste Model 2023 beginnt bei 320.000 Euro. livingvehicle.com
© Living VehicleDer schicke »Romotow« ist kein Einzelfall, sondern Teil einer aktuellen Renaissance von Wohnmobilität und längst vergessenem Nomadentum, das sich nun wie ein luxuriöses Roadmovie über den gesamten Erdball spannt. Das Wohnen auf Rädern passt perfekt in unsere Zeit, ist es doch eine von Freiheit und Unabhängigkeit gezeichnete Antwort auf Flugscham, Corona-Eingesperrtheit und unaufhaltsam steigende Wohn-, Energie- und Ressourcenkosten. Kein Wunder also, dass die meisten Produkte, die heute auf den Markt hinausrollen, in den großen, unbegrenzten Abenteuerländern entwickelt und produziert werden – neben Neuseeland etwa in Australien, Kanada und den USA. Mit den hässlichen Plastikkübeln und scheppernden Konservenbüchsen, mit denen wir in unserer Kindheit auf den Campingplatz in Italien oder Kroatien gefahren sind, haben die neuen Trailer nichts gemein. Viel eher knüpfen sie an die Kultur des US-amerikanischen Freiheitstraums Airstream an, als das mobile Wohnen erstmals in eine ästhetische Form geschweißt und genietet wurde. Einem genau solchen futuristischen Traum entspringt auch die Neuinterpretation des Airstream-Klassikers »Silver Bullet«. Gemeinsam mit dem Salzburger Designstudio F. A. Porsche entwickelte das in Ohio ansässige Unternehmen einen kompakten Nachfolger, der die damalige Innovation in eine heute zukunftsfähige Version übersetzt. Die Schalenform aus Aluminium wurde in aerodynamischen Computersimulationen optimiert, das Heck kann zu einer überdachten Sitzbank aufgeklappt werden, auf Knopfdruck entfaltet sich das Dach nach oben und erlaubt auf diese Weise ein bequemes Stehen und Gehen im Innenraum. »Unser Ziel war ein ultraleichtes, garagentaugliches Wohnwagenkonzept, das sich auch für Stadtbewohner:innen eignet«, sagt Roland Heiler, Leiter des Studios F. A. Porsche und zugleich CEO der Porsche Lifestyle Group. »Wohnmobile erfreuen sich in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit, da Menschen auf der Suche nach selbstbestimmten Reiseerlebnissen ohne Risiko und Einschränkungen sind. Der kleine Airstream richtet sich an eine neue, junge Generation und soll diese zur Erforschung von Outdoorabenteuern anspornen.« Die Marktreife des Porsche-Airstreams steht noch in den Sternen – doch bis dahin gibt es viele wohnmobile Alternativen, die über diesen Designschmerz wunderbar hinwegtrösten.
»EXP« von Bruder Der kompakte »EXP-4« ist der Offroad-Gelände-wagen unter den Trailern. Der australische Caravan ist für die harte Natur konzipiert und übersteht Wasserfahrten und steiles Geröll. Die größeren Modelle 6, 7 und 8 sind sogar zweiachsig ausgestattet. bruderx.com
© Bruderx