Michaela Foißner-Riegler, Chief People Officer bei karriere.at © karriere.at / Katharina Berger

Michaela Foißner-Riegler, Chief People Officer bei karriere.at

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Mit 50 zu alt fürs Gastgewerbe?

Altersdiskriminierung in der Gastronomie und Hotellerie: Eine Herausforderung, der man begegnen muss.

von Alexandra Gorsche
10. Oktober 2023

In der dynamischen Welt der Gastronomie und Hotellerie spielen Faktoren wie Qualität, Innovation und Gastfreundschaft eine entscheidende Rolle. Doch eine weniger offensichtliche, aber dennoch bedeutende Herausforderung, die die Branche durchdringt, ist die Altersdiskriminierung.

Altersdiskriminierung tritt in verschiedenen Formen auf, angefangen bei der Anstellung bis hin zur Arbeit im laufenden Betrieb. Die Diskriminierung beginnt oft bereits im Bewerbungsprozess, wenn ältere Arbeitssuchende aufgrund ihres Alters weniger Chancen haben, eingestellt zu werden. Dies ist ein verheerender Verlust für die Branche, da erfahrene Mitarbeiter:innen wertvolle Ressourcen und Fähigkeiten mitbringen, die sie aufgrund ihres langen beruflichen Werdegangs erworben haben. Mehr als ein Drittel der Jobsuchenden hat bereits Erfahrungen mit Diskriminierung im Bewerbungsprozess gemacht, wie aus Umfragen von karriere.at und hokify unter ihren Nutzer:innen hervorgeht. Die häufigsten Formen der Diskriminierung waren Altersdiskriminierung (18% auf karriere.at, 22% auf hokify), gefolgt von Sexismus (11% auf karriere.at, 7% auf hokify) und Rassismus (4% auf karriere.at, 10% auf hokify).

»Wovon warst du schon einmal im Bewerbungsprozess betroffen?« (Mehrfachauswahl möglich)© karriere.at
»Wovon warst du schon einmal im Bewerbungsprozess betroffen?« (Mehrfachauswahl möglich)
© karriere.at

Schritt halten

Die Gastronomie und Hotellerie sind branchenübergreifend bekannt für ihre hohe Arbeitsbelastung und den stressigen Arbeitsalltag. Einige Arbeitgeber:innen könnten glauben, dass ältere Mitarbeiter:innen nicht in der Lage sind, mit dem Tempo und den Anforderungen Schritt zu halten. Dieses Vorurteil führt dazu, dass ältere Angestellte in Positionen gedrängt werden, die weniger anspruchsvoll sind, obwohl sie in der Lage sind, komplexere Aufgaben zu bewältigen. Obwohl das Gleichbehandlungsgesetz Diskriminierung aufgrund verschiedener Faktoren verbietet, bevorzugte die Mehrheit der Befragten dennoch Bewerbungen mit Fotos und persönlichen Daten. Die Befürwortung einer anonymisierten Bewerbung ohne Foto war geringer, obwohl dies in einigen Ländern bereits üblich ist.

Karl Edlbauer, Co-Founder und Geschäftsführer von hokify© hokify GmbH
Karl Edlbauer, Co-Founder und Geschäftsführer von hokify
© hokify GmbH

Erfahrene Mitarbeiter verfügen oft über eine Vielzahl von Fähigkeiten, die für den Erfolg in der Gastronomie und Hotellerie von unschätzbarem Wert sind. Karl Edlbauer, Co-Founder und Geschäftsführer von hokify, betont die weitreichende Auswirkung von Diskriminierung im Bewerbungsprozess auf den Arbeitsmarkt. Diskriminierung kann dazu führen, dass qualifizierte Kandidat:innen nicht in Betracht gezogen werden, was den bestehenden Fachkräftemangel verschärft.

Wege zur Überwindung der Altersdiskriminierung

Um die Altersdiskriminierung in der Gastronomie und Hotellerie zu überwinden, müssen wir uns aktiv dafür einsetzen, die Arbeitskultur zu verändern und Chancengleichheit zu fördern. Hier sind einige Schritte, die dazu beitragen können:

  • Sensibilisierung
    Arbeitgeber:innen sollten geschult werden, um Vorurteile abzubauen und die Vielfalt der Altersgruppen in ihrer Belegschaft zu schätzen.
  • Chancengleichheit fördern
    Stellenangebote sollten so formuliert sein, dass sie für Menschen jeden Alters attraktiv sind. Die Auswahl der Mitarbeiter:innen sollte auf Grundlage von Fähigkeiten und Erfahrungen erfolgen, nicht des Alters.
  • Mentoring-Programme
    Die Schaffung von Mentoring-Programmen, bei denen ältere Mitarbeiter:innen ihr Wissen an jüngere Generationen weitergeben, kann dazu beitragen, den Wert erfahrener Mitarbeiter:innen hervorzuheben.
  • Bewusstseinsbildung
    Die Branche sollte sich bewusst machen, wie wichtig die Integration älterer Mitarbeiter:innen ist, und dies in ihrer Unternehmenskultur reflektieren.
»Würdest du eine Bewerbung ohne Foto und/oder persönliche Daten(Name, Geburtstag etc.) bevorzugen?« © karriere.at
»Würdest du eine Bewerbung ohne Foto und/oder persönliche Daten
(Name, Geburtstag etc.) bevorzugen?«
© karriere.at

Rolle der Arbeitgeber:innen

Die Gastronomie und Hotellerie sind auf eine vielfältige und talentierte Belegschaft angewiesen, um erfolgreich zu sein. Die Überwindung der Altersdiskriminierung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer inklusiven und florierenden Branche, die von der Weisheit und Erfahrung aller Mitarbeiter:innen profitiert. Michaela Foißner-Riegler, Chief People Officer bei karriere.at, betont die Rolle der Arbeitgeber:innen bei der Schaffung einer inklusiven Arbeitswelt und schlug Maßnahmen wie Bewusstseinsbildung und anonymisierte Bewerbungsverfahren vor.

Andere Länder sind einen Schritt voraus, auch wenn es um anonymisierte Bewerbungen ohne Foto geht: »Im englischsprachigen Raum und Skandinavien sind diese schon üblich, um Diskriminierung möglichst im Keim zu ersticken. Hierzulande gehört das Foto aktuell standardmäßig in den Lebenslauf. Laut unserer Befragung präferieren auch die Jobsuchenden diese Variante. Arbeitgeber:innen sind jedoch gefordert, Vorurteilen und Stereotypen aktiv entgegenzuwirken, um die Arbeitswelt so inklusiv wie möglich zu gestalten. Beispiele hierfür sind Maßnahmen im Bereich Bewusstseinsbildung genauso wie anonymisierte und standardisierte Bewerbungsverfahren oder das Vier-Augen-Prinzip beim Durchsehen von Bewerbungen«, erklärt Michaela Foißner-Riegler.

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