Thomas Hell, Richard Wisdom, Allegra Frommer und Alfons Haider
© Franz Neumayr
»Mehr Mut« beim 28. HOGAST-Symposium
Im Fokus des Events in Salzburg standen aktuelle Herausforderungen für Hoteliers und Gastronomen und welche Chancen sich für sie daraus ergeben.
von Alexander Schöpf
01. November 2023
Das HOGAST-Symposium gilt als Fixpunkt im Kalender zahlreicher Hoteliers und Gastronomen. Auch diesmal waren die Sitzplätze im »Salzburg Congress« restlos ausgebucht.
»Tourismus fördert Toleranz«
Xenia zu Hohenlohe eröffnete ihren Vortrag »50 Shades of Green« gleich mit einer klaren Botschaft: »Eine saubere Umwelt ist definitiv attraktiver als eine verschmutzte!« Sie betonte die Notwendigkeit, das Reisen nachhaltiger zu gestalten, den Energieverbrauch in Gebäuden kritisch zu betrachten und sich bewusst zu überlegen, woher unsere Produkte stammen, wobei der Fokus auf Regionalität liegen sollte. Und sie appellierte an die Hoteliers und Gastronomen, über die vorhandenen nachhaltigen Konzepte zu sprechen: »Sollten Sie mit Landwirten kooperieren, berichten Sie darüber. Haben Sie einen familiengeführten Betrieb, dann nehmen Sie sich die Zeit, die Geschichten dahinter zu teilen!«
Seit 2012 unterstützt Xenia zu Hohenlohe mit der von ihr gegründeten »Considerate Group« Hotels, Fonds und Banken bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeits- und Klimaziele. »Tourismus fördert Toleranz«, betonte sie beim Symposium. Das Kennenlernen anderer Kulturen führe zu mehr Verständnis, so die Referentin.
Zukunftsperspektiven angesichts des Klimawandels
Beim Expertenpanel stand die Zukunftsperspektive im Fokus: Wie entwickelt sich der Alpenraum angesichts des Klimawandels? Hotelier Albert Ebner – 90 Prozent seiner Gäste sind Skifahrer – gab einen Einblick in seine Strategien: Er hat sein Winterangebot um Nischenprodukte wie ein Tourenskizentrum, ein E-Bike-Testzentrum und das spezielle Winter-Programm »Legend of Sports« erweitert. Eine weitere Idee: Eisbaden am See.
Skitourismusforscher Günther Aigner zeigte sich zuversichtlich, dass 80 Prozent der Skigebiete auch im Jahr 2050 noch bestehen werden: »Auch im Worst-Case-Szenario«. Ähnlich optimistisch äußerte sich Skipool-Tirol-Präsident Roderich Urschler. Er sieht auch großes Potential im Sommertourismus: Erlebniswelten für Kinder, Berg-Yoga und die Möglichkeit für Landwirte, das gastronomische Angebot weiter auszubauen, bieten seiner Ansicht nach zusätzliche Perspektiven.

Wolfram Putz beleuchtete die Zukunftsthematik aus architektonischer Sicht und betonte die Notwendigkeit, ein Gleichgewicht zwischen moderner Architektur und traditionellen Bauten im Alpenraum zu schaffen.
Positiver Ausblick für das Gastgewerbe
Wohin steuert Europa? Diese Frage wurde in wirtschaftlicher Hinsicht von Jens Südekum beantwortet. In seinem Einblick in die aktuelle Situation erläuterte der renommierte deutsche Ökonom, dass die Inflation in der EU hauptsächlich von der Angebotsseite (Energie, Lebensmittel) angetrieben werde, während Löhne und Einkommen kaum gewachsen seien. Dies führe zu einem Rückgang des Konsums.
Angesichts der bevorstehenden Herausforderungen in der Bauwirtschaft aufgrund steigender Zinsen, rät Südekum: »Sollten Sie in Erwägung ziehen, Ihr Hotel zu renovieren, könnten die nächsten zwei Jahre eine günstige Gelegenheit dafür sein.«
Positive Aussichten hingegen gibt es für das Gastgewerbe: Hier werde das Wachstum jenes der Gesamtwirtschaft übertreffen, so der Uni-Professor. Angesichts des Fachkräftemangels ermunterte er dazu, Roboter als Hilfe zu sehen. Bei jedem Arbeitsplatz, wo es möglich sei, könne man froh sein, wenn etwas automatisiert werde: »Ohne Roboter werden wir nicht auskommen.«
»KI kann die menschliche Gastfreundschaft nicht ersetzen«
Um Roboter, aber auch um Künstliche Intelligenz (KI) und ChatGPT ging es im Vortrag von Kenza Ait Si Abbou Lyadini. Sie berichtete von der aktuell noch geringen Nutzung von KI in der Hotellerie. Die Frage nach dem Warum gab die Expertin für KI und Robotik an die Symposium-Besucher weiter. Diese hatten mittels der Slido-App die Möglichkeit, zu antworten. Unwissenheit, Angst vor Veränderung, Unsicherheit – das waren die meistgenannten Antworten.
Kenza Ait Si Abbou Lyadini betonte, dass diese Skepsis ein Phänomen im deutschsprachigen Raum sei. Länder wie Japan stünden der Technologie offener gegenüber, was sie am Beispiel des Henn- Na Hotels verdeutlichte – das erste Hotel, welches hauptsächlich von Robotern geführt wird.
Durch den Einsatz von KI könnten Unternehmen ihre Einnahmen steigern, die Kundenzufriedenheit erhöhen und betriebliche Abläufe optimieren, so die KI-Expertin. Sie rät dazu, sich von der Komplexität der Technologie nicht überfordern zu lassen, sondern zunächst den Anwendungsbereich zu definieren und anschließend die Umsetzung anzugehen. Die KI-Expertin sagte aber auch: »KI kann die menschliche Gastfreundschaft nicht ersetzen.«
Die Magie des Alltäglichen
Magisch wurde es beim Vortrag des bekannten Mentalisten, Menschenlesers und Entertainers Alex Ray, der zeigte, wie mit einfachen Mitteln beinahe jede Standardhandlung im Betrieb zu einem Erlebnis umgewandelt werden kann. Ziel müsse es sein, im Ansehen des Gegenübers zu wachsen und ihm das Gefühl zu geben, besonders gut beraten, bedient oder behandelt worden zu sein.
Als Beispiel nannte er die Möglichkeit, dem Gast bei der Anreise drei verschiedene Karten anzubieten – jede enthält einen Gutschein für ein Begrüßungsgetränk, aber der Text auf der Rückseite ist auf die jeweilige Anreise abgestimmt. Bei einem Gast mit einer stressigen Anreise könnte beispielsweise folgender Satz stehen: »Lassen Sie uns Ihre Stimmung mit einem Gratis-Willkommensdrink an unserer Bar aufhellen.«
Exquisites Menü und spektakuläre Show
Traditionell fand im Rahmen des Symposiums auch wieder die Gala im »Terminal 2« des Salzburg Airport statt. Haubenkoch Benjamin Parth verzauberte die Gäste mit einem exquisiten Menü. Moderator Alfons Haider konnte überragende Showacts präsentieren, zu den Highlights zählten unter anderem der Bossa Club, die atemberaubende LED-Dance-Show von Chris Cross und der Show Company Street Motion, das charmante Starbugs Comedy Trio und die mitreißenden Klänge von DJ George Dee.

Emotionaler Abschied
Vorstandsvorsitzende Allegra Frommer zeigt sich begeistert, dass auch in diesem Jahr 900 Besucher:innen zum Branchentreffen gekommen sind, um Austausch mit Kollegen und Lieferpartnern zu pflegen und sich durch spannende Vorträge inspirieren zu lassen. Frommer ist überzeugt: »Gemeinsam bewältigen wir Herausforderungen und schaffen eine erfolgreiche Zukunft für alle Beteiligten.«
Einer der emotionalsten Momente bei der Gala war die Verabschiedung von Aufsichtsrat Peter Ochensberger, dessen Amtszeit planmäßig endete. Während der Generalversammlung wurde Alfred Pierer als neues Mitglied in den Aufsichtsrat gewählt.
Lesenswert
Vegetarische Gäste freuen sich: Die Ravioli bieten eine hochwertige Alternative zur aufwendigen Eigenproduktion.
© Hilcona
Schweizer Manufakturpasta gibt es jetzt auch für die Österreichische Profiküche
Die Gran Ravioli der Schweizer Manufaktur »LA PASTERIA« kommen mit einem Füllungsanteil von 60 Prozent und sind tiefgekühlt lieferbar. Die Premium-Pastalinie von Hilcona Foodservice ist jetzt erstmals auch in Österreich erhältlich.
Einer von fünf neuen Mitgliedsbetrieben: Die »Weinstube im Nikolaihof Wachau« ist jetzt Teil der »Wirtshauskultur Niederösterreich«.
© Nicolaihof
Die »Wirtshauskultur Niederösterreich« wächst weiter: 5 neue Mitgliedsbetriebe stellen sich vor
Rund 200 Betriebe aus ganz Niederösterreich verbindet ein gemeinsames Bekenntnis zu regionalen Produkten, handwerklicher Qualität und gelebter Gastlichkeit. Die »Wirtshauskultur Niederösterreich« wächst weiter und begrüßt kürzlich fünf neue Häuser.
Genuss funktioniert: 16.593 Euro Reinerlös für Krebspatienten in finanzieller Not.
© Rene Strasser
Beim »Fest der Sinne« wird klar: Genuss und der gute Zweck passen zusammen
Auf Schloss Kornberg versammelten sich rund 200 Gäste, 18 Spitzenköche und 18 Winzer, um gemeinsam eine kulinarische Bühne für die Österreichische Krebshilfe zu schaffen – mit Erfolg.
Ein geprüfter Brot-Sommelier im Team stärkt den Betrieb als Experte für Brotkarte, Gästeberatung und Qualitätskommunikation.
© LMAk
Brot-Expertise als Wettbewerbsvorteil: Jetzt zum »Brot-Sommelier« ausbilden lassen
Bereits zum dritten Mal bietet die Lebensmittelakademie des österreichischen Gewerbes in Kooperation mit der Bundesakademie Weinheim die Ausbildung zum »Geprüften Brot-Sommelier« an – Anmeldeschluss ist der 10. August 2026.
Sechs Finalisten, eine Blackbox-Challenge und eine fünfköpfige Jury: So läuft das Finale von »Next Generation« bei der Messe »Alles für den GAST« ab.
© Falstaff PROFI
Der große PROFI-Wettbewerb ist zurück: Bühne frei für die »Next Generation«!
Bereits in der Vergangenheit sorgte der Wettbewerb für Gastro-Karrieren. Komplett überarbeitet sucht nun die »Next Generation« gemeinsam mit »Lohberger« die Besten unter den jungen Talenten!
Hohe Ansprüche: Sauerteig, lange Teigführungen, handwerkliche Optik. Auch bei Großbäckern zählen wichtige Qualitätsmerkmale.
© Sonja Priller
Die Kraft der Kruste: Brot wird in der Gastronomie zum Qualitätsversprechen
Der Brot-Gang macht Image! Vom Frühstückskorb bis zum Signature-Burger ist gutes Gebäck wichtiger denn je. Wie Bäcker und Gastronomen gemeinsam an Qualität und Geschmack arbeiten.
Meist gelesen
In der »Freundschaft« Berlin hält man die besten Plätze für Stammgäste frei.
© Ingo Pertramer
Katzentisch oder »the perfect table«: Welche Gäste bekommen im Lokal welchen Platz?
Wer sitzt in der »Auslage«? Wer bekommt den Platz bei der Klotür? Das Gastro-Credo »Alle Gäste sind gleich« scheitert schlicht an begrenzten Plätzen: PROFI fragte nach, wie gefragte Lokale es mit der Tischvergabe halten.
Allein in Deutschland hat sich die Zahl der Sternerestaurants von 201 im Jahr 2000 auf 328 im Jahr 2025 erhöht – doch bringen mehr Auszeichnungen zwingend mehr Erfolg?
© Malte Mueller/Getty Images
Sternchen oder Superstar? PROFI macht den Check: Das nutzen Auszeichnungen wirklich
Bewertungen gehören zur Gastronomie wie die Hitze zur Küche. Entsprechend viel Arbeits- und Lebenskraft verschlingen der Kampf um Auszeichnungen. Doch zahlt er sich auch in barer Münze aus? Sind am Ende die Bewertungen selbst überbewertet?
Der Bau des »Elfercoaster« wurde überwiegend mit regionalen Partnern aus dem Stubaital und der näheren Umgebung realisiert.
© Elferbahnen / Oss
Stubaital setzt auf Erlebnistourismus: Der »Elfercoaster« ist eröffnet
An der Bergstation Elfer in Neustift im Stubaital wurde eine der modernsten Schienenrodelbahnen Tirols eröffnet. Der »Elfercoaster« soll die Aufenthaltsdauer erhöhen und neue Gäste ins Tal bringen.
Laut »EcoAustria« könnte der Prozentpunkt langfristig bis zu 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen.
© shutterstock.com/groviapoto
Beschlossene Sache: Die Lohnnebenkosten sinken ab 2028 um einen Prozentpunkt – reicht das?
Österreich zählt bei den Lohnnebenkosten zu den teuersten Standorten Europas. Der Nationalrat hat nun eine Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 festgesetzt. Das ist ein Signal, das die Wirtschaft lange gefordert hat.
Ein Hotel, bei dem die Servicearbeiten ausschließlich von Robotern gemacht werden? Auf der »West Artificial Island« in China wird das bald Realität (Symbolbild).
© shutterstock.com/Jihun Sim
Roboter statt Rezeption: In China entsteht erstes vollautomatisiertes Hotel
»Pudu Robotics« und »Shenzhen CTID« planen das weltweit erste vollständig robotergestützte Hotel, ein Testbetrieb ist noch für Ende 2026 geplant. Die Frage, in welchem Maß Roboter auch in europäischen Betrieben Einzug halten, wird immer relevanter.
Glaziologin Andrea Fischer und Universitätsprofessor Ralf Roth sind Teil vom Advisory Board des »AlpenKlimaGipfels«.
© Tiroler Zugspitz Arena/Jan Hetfleisch
Der Alpenraum im Wandel: Vier Erkenntnisse für die Tourismus-Branche
Rund 40 Experten diskutierten beim 3. »AlpenKlimaGipfel« an der Zugspitze zwei Tage lang über die Zukunft des Alpenraums. PROFI hat die wichtigsten Erkenntnisse für die Tourismus- und Hotelleriebranche.
Der Newsletter für echte Profis
Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!

