Winzer Philipp Grassl © Philipp Horak
Entdecke Carnuntum: Österreichs Bio-Wein-Vorreiter
Mit beeindruckenden 64 Prozent biologisch bewirtschafteten Rebflächen zeigt das Weinbaugebiet im Osten Niederösterreichs, wie nachhaltiger Weinbau die Branche revolutioniert und den Weg in eine umweltfreundlichere Zukunft weist.
von Alexandra Gorsche
25. Juni 2024
Das Weinbaugebiet Carnuntum im Osten Niederösterreichs nimmt eine Vorreiterrolle im biologischen Weinbau ein. Dieses kleine, aber dynamische Weinbaugebiet ist ein Pionier in nachhaltigen Anbaupraktiken. Mit dem Jahrgang 2024 bewirtschaften die Winzer:innen der »Rubin Carnuntum«-Weingüter bereits 64 Prozent ihrer Rebflächen biologisch. Zum Vergleich: Der Anteil der Bio-Weingartenfläche in Österreich betrug 2022 nur 22 Prozent, was Carnuntum an die Spitze der umweltbewussten Weinproduktion stellt.
Beeindruckende Zahlen
Von den 830 Hektar Gesamtrebfläche des Weinbaugebietes Carnuntum entfallen 504 Hektar auf die 34 »Rubin Carnuntum«-Weingüter. Mit dem Jahrgang 2024 werden 324 Hektar davon biologisch bewirtschaftet. Weitere 16 Hektar befinden sich in der Umstellung, davon werden zehn Hektar bis 2025 und sechs Hektar bis 2026 biologisch zertifiziert. Diese rasche Umstellung auf biologische Bewirtschaftung unterstreicht das Engagement der Region für Nachhaltigkeit.

Der Weg zum Bio-Weinbau
Der Erfolg Carnuntums im biologischen Weinbau geht auf eine umfassende geologische Studie zurück, die von 2006 bis 2010 durchgeführt wurde. Diese Studie lieferte wertvolle Erkenntnisse über die Bodenbeschaffenheit, Wasserhaltefähigkeit und andere wichtige Parameter, die es den Winzer:innen ermöglichten, praktische Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu kombinieren. Diese Grundlagenarbeit führte zu einem Fokus auf Lagenweine, der Klassifizierung der Weinbergsrieden und der Definition des Carnuntum DAC im Jahr 2019. Der Schritt zur biologischen Bewirtschaftung war daraufhin nur noch eine logische Konsequenz.
Einzigartige Klimavorteile
Carnuntum zeichnet sich durch geringe Niederschläge aus, mit einem jährlichen Durchschnitt von weniger als 400 Millimetern, und ist stark windexponiert. Diese Bedingungen sind zwar für den traditionellen Weinbau herausfordernd, bieten jedoch Vorteile für die biologische Bewirtschaftung. Der starke Gemeinschaftssinn der Winzer:innen spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle, da sie eng zusammenarbeiten, um die Herausforderungen der biologischen Anbaumethoden zu meistern.
Natürliche Entwicklung
Der Übergang zur biologischen Bewirtschaftung hat erhebliche positive Veränderungen mit sich gebracht. Der Fokus auf Bodengesundheit durch intensive Kompostarbeit hat die Feuchtigkeitsspeicherung verbessert, was in dieser trockenen Region entscheidend ist. Die Weinberge sind widerstandsfähiger geworden, die Rebstöcke gesünder und selbstregulierender, was zu kleineren, lockerbeerigen Trauben und einer erhöhten Bodenvielfalt führt.

Auch im Keller zeigt sich das ganzheitliche Denken: Die Trauben reifen harmonischer und benötigen weniger Eingriffe. Spontane Vergärung mit wilden Hefen und ein reduzierter Schwefeleinsatz sind nun gängige Praxis, was zu stabileren und terroirbetonteren Weinen führt. »Für uns ist bio eine Lebenseinstellung. Wir sind achtsam vorgegangen und haben Schritt um Schritt den gesamten Betrieb auf bio umgestellt. Seither sind unsere Reben vitaler und robuster«, erklärt Peter Artner vom »Weingut Artner«.

»Wenn man sich so intensiv wie wir mit den Böden beschäftigt, ist die biologische Bewirtschaftung nicht mehr fern«, ist Karoline Taferner überzeugt, die seit ihrer Betriebsübernahme 2022 kompromisslos auf bio setzt und vor wenigen Tagen beim Falstaff Heurigen Guide mit ihrem temporären Heurigen »Taferner« in Göttlesbrunn den Sieg in der Kategorie »Pop-up« holte. »Wir haben die biologische Bewirtschaftung langsam eingeführt und genau beobachtet, was sie mit den Weinen macht, aber auch mit uns und unseren Mitarbeiter. Der positive Effekt auf vielen Ebenen war überzeugend«, schwärmt Philipp Grassl, der auf seinem Weingut in Göttlesbrunn lieber »pragmatisch als dogmatisch« arbeitet und auch gerne biodynamische Präparate einsetzt.
»Viele Jahre lang haben wir die biologische Arbeitsweise nicht auf der Flasche vermerkt, der bürokratische Aufwand hat uns abgeschreckt. Schlussendlich sind wir dann den Wünschen unserer Kunden nach mehr Sichtbarkeit unserer biologischen Arbeitsweise gefolgt und haben dahingehend auch die offiziellen Weichen gestellt«, erzählt Christina Netzl schmunzelnd.

»2016 haben wir uns als einer der ersten Betriebe in Carnuntum für die Umstellung auf bio entschieden, denn für uns ist der biologische Weinbau mehr als eine Anbaumethode – es ist eine Lebensweise. Die nachhaltige Art der Bewirtschaftung ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für unsere Zukunft und die unserer Kinder«, sagt der erfahrene Winzer Walter Glatzer überzeugt. »Rubin Carnuntum«-Präsident Robert Payr fasst zusammen: »Bio war nie das eigentliche Ziel – sondern es war vielmehr die logische Konsequenz, um die Qualität des Gebietes immer weiter zu steigern und die Herkunftstypizität noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen.«

Fit für die Zukunft
Wichtigstes Ziel aller Weingüter ist die langfristige Sicherung eines vitalen Bodens mit möglichst resilienten Pflanzen, um den Herausforderungen des Klimawandels mit seinen immer extremeren Wetterbedingungen gewachsen zu sein.
»Rubin Carnuntum«-Weingüter mit biologischer oder nachhaltiger Bewirtschaftung:
- Weingut Artner, Höflein (Bio zertifiziert)
- Weingut Auer, Höflein (Bio zertifiziert ab Herbst 2024)
- Weingut Böheim, Arbesthal (Nachhaltig Austria zertifiziert)
- Weingut Manfred Edelmann, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert ab Jahrgang 2025)
- Weingut Glatzer, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
- Weingut Gottschuly-Grassl, Höflein (Bio zertifiziert)
- Weingut Philipp Grassl, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
- Weingut Grassl Nepomukhof, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
- Weinbau Gratzer-Sandriester, Prellenkirchen (Bio zertifiziert)
- Weingut Lager, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
- Weingut Lukas Markowitsch, Göttlesbrunn (Nachhaltig Austria zertifiziert)
- Weingut Gerhard Markowitsch, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
- Weingut Dorli Muhr, Prellenkirchen (Bio zertifiziert)
- Weingut Franz & Christine Netzl, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
- Weingut Martin Netzl, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert ab Herbst 2024)
- Weingut Oppelmayer, Göttlesbrunn (Nachhaltig Austria zertifiziert)
- Weingut Robert Payr, Höflein (Bio zertifiziert)
- Weingut Gerhard Pimpel, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert ab Herbst 2024)
- Weingut Pitnauer, Göttlesbrunn (Nachhaltig Austria zertifiziert)
- Weingut Michaela Riedmüller, Hainburg (Bio zertifiziert ab 2026)
- Weingut Taferner, Göttlesbrunn (Bio zertifiziert)
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