Bernhard Rieder © Weinrieder
20 Jahre »Weinrieder Extrem«: Wie das »Weingut Weinrieder« Tradition, Innovation und internationale Anerkennung verbindet
Das »Weingut Weinrieder« feiert das 20-jährige Jubiläum von »Weinrieder Extrem« – einer Veranstaltung, die das Weingut an die Spitze der internationalen Weinszene geführt hat. Im Interview reflektiert Bernhard Rieder über die Entwicklung dieses einzigartigen Events, die Bedeutung naturnaher Anbaumethoden und die langfristigen Ziele im Premium-Segment.
von Alexandra Gorsche
11. September 2024
PROFI: Was bedeutet Ihnen das 20-jährige Jubiläum von »Weinrieder Extrem« persönlich und für das Weingut?
Bernhard Rieder: Persönlich: Eine ganz große Freude, aber auch Genugtuung. »Weinrieder Extrem« ist in seiner Art wohl einzigartig. Für das Weingut: Mit dieser Veranstaltung hat das »Weinrieder« nachhaltig geschafft, sich im absoluten Premium-Segment zu positionieren.
Wie hat sich »Weinrieder Extrem« über die Jahre entwickelt, und welche Meilensteine gab es in dieser Zeit?
Die Basis waren komplexe, charaktervolle Weine, oft jahrelang gereift, die nicht dem Zeitgeist entsprachen. Größtenteils waren die Konsumenten damit überfordert. So reifte die Idee, eine Plattform zu schaffen, um den Weinfreaks diese Weinwelt näherzubringen. Weinrieder Extrem war geboren. Das Kernstück waren jeweils große Vertikalverkostungen, um das Potenzial der Weine aufzuzeigen. Komponiert wie eine Oper, beginnend mit der Overtüre, das Hauptwerk folgend, bis hin zum großen Finale. Der Beginn war sehr überschaubar, aber mit der Zeit wuchs die Veranstaltung und das Interesse der Konsumenten stetig.
Einen zusätzlichen Schub gab es mit charismatischen Gastwinzern, wie zum Beispiel Krutzler, E.T., Hans Schwarz, John Nittnaus, bis hin zu Clemens Busch. »Weinrieder Extrem« entwickelte sich zu einer großen, vinophilen Inszenierung. Das Feedback der »Weinfreaks« und Sommeliers, die von überall her pilgerten: »… Ich habe so etwas noch nicht erlebt.«
Ihre Weine zeichnen sich durch Kraft, Charakter und Langlebigkeit aus. Was inspiriert Sie zu diesem untypischen Stil für das Weinviertel?
- Die persönliche Vorliebe für große, gereifte, grüne Veltliner und Rieslinge.
- Dass es abseits der erwarteten Stilistik des Weinviertels, von jung, fruchtig etc., noch ein enormes Potential schlummert.
- Die Besessenheit, der Natur große Weine abzuringen, die heute in den besten internationalen Restaurants zu finden sind
- Dass unsere Lagenreserven auf sehr hohen Level reifen und die besten Sommeliers auf internationalen Bühnen entzücken.
Sie legen großen Wert auf naturnahen Anbau und minimalistische Kellertechnik. Wie setzen Sie diese Prinzipien konkret um, und welche Herausforderungen bringt das mit sich?
Begrünung im Weingarten, Walzen statt Mähen, eigene Kompostierung. Eine Balance zu schaffen zwischen Rebstöcken, Lagen und Boden. Von Kellertechnologie im Weingut Weinrieder zu sprechen, wäre wohl eine maßlose Übertreibung. Das Wichtigste im Keller: physiologische Reife Trauben, möglichst spät geerntet und auch die kühlen Nächte zu nützen. Maischestandzeit, Mostoxidation, nur sehr grobe Vorklärung. Auch unsere Lagenreserven bleiben sehr lange auf der Hefe. Immer mit dem Ziel einen großen Wein zu schaffen, ohne das Schielen auf diverse Parameter.

Trotz Ihrer Außenseiterrolle im Weinviertel genießen Ihre Weine internationale Anerkennung. Wie schaffen Sie es, sich in so renommierten Restaurants wie »The Fat Duck« oder »Spago« zu etablieren?
Bleiben wir beim »Fat Duck«, einer wohl einzigartigen Story: Vor Jahren wurden wir in London von Isa Bal, Master Sommelier, des »Fat Duck« entdeckt. Die Weine haben daraufhin immer wieder bis zum heutigen Tag das große Gourmet-Menü begleitet. Starkoch Heston Blumenthal ließ sich sogar einmal Trauben vom Schneiderberg einfliegen und kreierte damit ein Dessert. Erst vor ein paar Tagen durften wir wieder unsere aktuelle Kollektion vor Ort präsentieren. Die Listung erfolgt ausschließlich nach den persönlichen Verkosten der Sommelierbrigade des »Fat Duck«. Großer Charakter, enorme Lagerentwicklung – die meisten gelisteten Weine sind gereift – und spannende Speisenbegleiter sind wohl entscheidend und das schon über 20 Jahre.
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit der internationalen Spitzengastronomie für Ihr Weingut?
Für uns ist diese Zusammenarbeit immer etwas Besonderes, da sich mit solchen Listungen oftmals sehr viele weitere Türen öffnen.
Welche Entwicklungen und Trends sehen Sie für die Zukunft der Weinproduktion, sowohl auf Ihrem Weingut als auch global?
Wir achten nicht zu sehr auf Trends und Moden, die in dem aktuellen Zeitgeist entsprechen. Beim Weinrieder liegt der Fokus auf dem puristischen Ausbau der Weine. So wie in der Vergangenheit ist das auch das Bestreben in der Zukunft. Wichtig ist das man sich selbst treu bleibt.
Wo sehen Sie das Weingut Weinrieder in den nächsten zehn Jahren? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Das »Weingut Weinrieder« hat einen Exportanteil von über 90 Prozent. Das Ziel wird es sein, sich im Premium-Bereich noch weiter zu entwickeln. Das Ziel der Produktion: authentische, charaktervolle Weine, die sich hoffentlich dem modischen Zeitgeist widersetzen.
Wie balancieren Sie Innovation und Tradition in Ihrer Arbeit? Gibt es bestimmte Traditionen, an denen Sie trotz Ihres innovativen Ansatzes festhalten?
Tradition – im Weingarten und Keller, Innovation – im Kopf, Intuition – des Menschen und das auch im Zeichen des Klimawandels. Nix ist fix, alles ist im Fluss …
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