Anna-Sophie Schweiger © Zellner
Anna-Sophie Schweiger: »Wettbewerbe erfordern viel Mut und bringen uns dazu, Herausragendes zu leisten«
In dieser Serie blickt PROFI auf die Karrierewege der »Falstaff Young Talents Cup«-Champions. Dieses Mal verrät Anna-Sophie Schweiger – die erste Gewinnerin des YTC in der Kategorie »Gastgeber« 2015 – wie sie neue Wege im HR beschreitet.
von Alexandra Gorsche
23. Mai 2024
2015 siegte Anna-Sophie Schweiger als erste in der Kategorie »Gastgeber«. Seither hat sie viel erlebt. Über außergewöhnliche Stationen, ihren Plan B während Covid, ihren Traum eines eigenen Restaurants und der dazu passenden selbst getöpferten Keramik, sprechen wir mit ihr.
PROFI: Welche Gedanken kommen Ihnen, wenn Sie an den »Falstaff Young Talents Cup« (YTC) zurückdenken?
Anna-Sophie Schweiger: Es kommen so viele wunderbare Erinnerungen und Momente hoch, die mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Während meiner Teilnahme konnte ich zahlreiche inspirierende Menschen kennenlernen und viele wertvolle Kontakte in der Gastronomie knüpfen.
Auch heute spreche ich noch gerne über den Wettbewerb und die großartige Möglichkeit, Teil dieser Reise zu sein.
Wie hat sich die Teilnahme auf Ihre weitere Laufbahn ausgewirkt?
Meiner Meinung nach sehr positiv. Ganz egal, ob ich mich für meine Studien beworben habe oder für einen Job, die Teilnahme war immer ein Gesprächsthema. Mein Gegenüber wollte immer mehr über den Wettbewerb erfahren und ich freue mich bis heute, wenn ich vom »Falstaff Young Talents Cup« erzählen und in Erinnerungen schwelgen kann. Ich habe wirklich spannende Angebote erhalten, die möglicherweise ohne die Teilnahme nicht zustande gekommen wären.
Sie haben auch an der IKA teilgenommen?
Ja, knapp ein Jahr später nahm ich mit einem kleinen Team von fünf Personen bei der »IKA/Olympiade der Köche« in Erfurt teil. Auch damals war ich für den Service zuständig, erzählte interessierten Gästen mehr über unser Team und präsentierte unser Menü. Es war eine sehr spannende und beeindruckende Erfahrung, da bei der Kocholympiade so viele unterschiedliche Nationen und Bereiche aus der Gastronomie aufeinandertreffen. Darüber hinaus ist ein Wettbewerb in so einer Größenordnung auch eine Art »Ausnahmezustand«, in dem jede und jeder das Wissen sowie die Freude und Leidenschaft, welche alle Teilnehmenden für die Kulinarik teilen, unter Beweis stellen kann.
Welche Bedeutung haben Wettbewerbe für den Nachwuchs bzw. die Branche?
Wettbewerbe erfordern viel Mut und bringen uns dazu, Herausragendes zu leisten. Sie fordern uns auf, viel Herzblut in ein Projekt oder eine Sache zu stecken und stärken unser Selbstbewusstsein, wenn man als Sieger:in hervorgeht. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, kann es natürlich enttäuschend sein. Hierbei ist es jedoch wichtig, zu reflektieren, warum es nicht geklappt hat, aus den Fehlern lernen und beim nächsten Mal einen draufzusetzen – ohne die Leidenschaft, die Freude und den Spaß daran zu verlieren. Und eines sollte nie vergessen werden: Nur weil man nicht gewonnen hat, bedeutet das nicht, dass wir in dem, was wir tun, nicht gut sind. Es zeigt lediglich, dass es noch Raum für Entwicklung gibt.

Welche Stationen haben Sie nach Ihrem Abschluss an der HLF Krems absolviert?
Ich war für eine Saison im »Seerestaurant Bad Saag« bei Hubert Wallner. Anschließend führte mich meine Reise nach Amerika ins »Admiral’s Cove« und danach zurück nach Österreich in ein Restaurant inkl. Cocktailbar, in dem ich für das Restaurant sowie alle Veranstaltungen, Hochzeiten usw. zuständig war. Danach entschied ich mich für das Bachelorstudium Tourismus-Management an der »FH Wien der WKW«. Während des Studiums verfolgte ich weiterhin meine Leidenschaft und arbeitete im Service bei »Schreiner’s Gastwirtschaft«. Ich wusste immer, dass ich nach meinem Studium wieder Vollzeit in die Gastronomie bzw. den Tourismus zurückkehren werde und plötzlich hat die Pandemie angeklopft. Das bedeutete, dass ich einen Plan B brauchte.
Und so kamen Sie ins Personalwesen. Was reizt Sie an Human Resources (HR)?
Mein Job im Bereich Human Resources erfüllt mich mit viel Freude, da er mir den direkten Kund:innenkontakt ermöglicht und ich täglich neue und spannende Persönlichkeiten kennenlernen sowie Menschen auf ihrem Weg unterstützen kann. Die stetige Abwechslung dieses Berufsfelds hält mich stets auf Trab und kein Tag gleicht dem anderen – ähnlich wie in der Gastronomie, wo man nie weiß, was der nächste Tag bringen wird.
Es ist diese Vielfalt in meinem Job, die mich so begeistert und antreibt. Aber selbst im HR-Bereich habe ich meine Wurzeln in der Gastronomie nie ganz losgelassen und konnte während der ersten anderthalb Jahre Mitarbeiter:innen in den Bereichen Gastronomie und Hotellerie vermitteln. Diese Verbindung zu meiner Vergangenheit erfüllt mich nach wie vor noch mit großer Zufriedenheit.
Welche Ziele haben Sie für Ihre berufliche Zukunft?
Lebenslanges Lernen steht bei mir ganz weit oben auf der Liste! Auch wenn ich derzeit im HR-Bereich arbeite, ist meine Leidenschaft für die Gastronomie und den Tourismus nie erloschen. Schon seit ein paar Jahren spiele ich mit dem Gedanken, mein eigenes kleines Restaurant zu eröffnen. Ich probiere viele Rezepte aus, frage in Restaurants, wo mir ein Gericht besonders gut schmeckt, nach der Zubereitung und habe bereits ein komplettes Buch voller Gerichte sowie einen Foto-Ordner, der mit potenziellen Speisen für mein Restaurant mehr als gefüllt ist und da das Auge ja bekanntlich mitisst, habe ich vor knapp drei Jahren begonnen, meine eigene Keramik zu töpfern.

Ihr Rat an junge Gastgeber:innen?
Bleibt eurer Leidenschaft treu, lasst euch nicht von eurem Weg abbringen und bewegt euch auch einmal aus eurer Komfortzone – dabei können wunderbare Erfahrungen entstehen. Die Gastronomie bietet zahlreiche Chancen, die ihr nutzen könnt, besonders wenn ihr mit viel Leidenschaft dabei seid. Erkundet die Welt und sammelt wertvolle sowie wunderbare Erfahrungen und Erinnerungen während eurer Auslandsaufenthalte. Seid wissbegierig und verschließt euch nicht vor Neuem – die Gastronomie hält viele Überraschungen und Möglichkeiten bereit. Egal, ob ihr gute oder schlechte Erfahrungen macht, jede Erfahrung bringt euch voran und macht euch stärker. Auch wenn ich selbst zwei Studiengänge abgeschlossen habe, sind diese nicht zwingend erforderlich, um eine erfolgreiche Laufbahn als Gastgeber:in hinzulegen. Dennoch würde ich euch zu Weiterbildungen wie beispielswiese zum/zur Sommelier/Sommelière oder Barista raten.
Welche Eigenschaften oder Fähigkeiten sind Ihrer Meinung nach entscheidend für den Erfolg als Gastgeber:in?
Herzblut und die Liebe zu dem, was man tut, sind zwei sehr wichtige Bestandteile jeder erfolgreichen Gastgeberin und jedes erfolgreichen Gastgebers. Eine Gastgeberin zu sein, war für mich nie nur ein Job, sondern eine große Leidenschaft, an der ich nach wie vor festhalte. Die Leidenschaft für das Gastgeben ist enorm wichtig. Es geht darum, den Gästen einen unvergesslichen Abend zu bieten, sodass sie das Restaurant mit dem Gedanken verlassen: »Wow! Das war wirklich ein wunderbares Erlebnis! Von der Atmosphäre über den herausragenden und freundlichen Service bis hin zu den ausgezeichneten Speisen« – das Ziel ist es, den Gästen ein Erlebnis zu bieten, das sie dazu bewegt, unbedingt wiederkommen zu wollen.
Haben Sie Vorbilder oder andere Menschen, die Sie besonders geprägt haben?
Beruflich geprägt und meine Leidenschaft für die Gastronomie gefördert, hat auf jeden Fall Martin Sieberer, den ich während meines Praktikums im Hotel »Trofana Royal« in Ischgl kennengelernt habe. Dort durfte ich ihn unter anderem bei seinen Kochkursen unterstützen und war für den gesamten Serviceablauf zuständig. Mich beeindruckte besonders seine Ruhe und Freundlichkeit, egal wie stressig es wurde. Ebenso haben Eveline Wild, Sophia Jehle und Josef Zotter mit ihrer Liebe zum Detail und dem Mut, spannende Kreationen auszuprobieren, mich immer beeindruckt. Genauso inspirierend ist für mich die Familie Reitbauer, die aus dem »Steirereck am Pogusch« ein einzigartiges Erlebnis geschaffen hat, das Gäste aus aller Welt anzieht.
Last but not least Julia Fandler, bei der ich mein Praktikum während meines Studiums absolvierte. Eigentlich war geplant, ein halbes Jahr in Vancouver zu verbringen, aber aufgrund der Pandemie musste auch hier ein Plan B her. Obwohl es zu Beginn sehr frustrierend war, das Praktikum in Vancouver abbrechen zu müssen, habe ich ein wunderbares halbes Jahr im wunderschönen Pöllau und in der Ölmühle Fandler verbracht. Julia hat mir gezeigt, dass Leidenschaft für den Beruf, Kommunikation auf Augenhöhe mit den Mitarbeitenden sowie Ehrlichkeit und Beständigkeit der Schlüssel zum Erfolg sind. In meinen jungen Jahren hat mich meine Mama sehr geprägt. Sie hat mich schon früh fürs Kochen begeistert, obwohl ich noch zu klein war, um überhaupt auf den Herd zu sehen. Das Problem wurde schnell mit einem Stockerl gelöst, und meine Leidenschaft war entfacht.
Über Anna-Sophie Schweiger
Anna-Sophie Schweiger besuchte von 2012 bis 2017 die Tourismusschule »HLF Krems«, die sie mit der Matura abschloss. 2015 war sie die erste YTC-Siegerin in der Kategorie »Gastgeber« und nahm 2015 als Teil eines fünfköpfigen Teams an der »IKA/Olympiade der Köche« in Erfurt teil. Von 2018 bis 2021 absolvierte Schweiger den Bachelorstudiengang »Tourismus-Management« – mit Spezialisierung auf Kongress- und Tagungsmanagement – an der »FH Wien der WKW«.
Im Anschluss folgte der berufsbegleitende Masterstudiengang »Unternehmensführung und Wirtschaftsberatung« an der »FH Wiener Neustadt«. Nachdem es sie immer in die Ferne gezogen hat und diese Reiselust auch nach zwei Auslandssemestern in Lissabon und Valencia noch nicht gestillt war, lebt Anna-Sophie Schweiger seit Februar 2024 in Lissabon und ist bei »HR_4.0 Beratung Zellner« als HR-Consultant tätig.

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