Yvonne Meindl-Cavar © Studio Való

Yvonne Meindl-Cavar © Studio Való

»Gut gestaltete Mitarbeiterbereiche tragen entscheidend zur Motivation und Zufriedenheit bei«

Die Gestaltung von Mitarbeiterbereichen in der Hotellerie und Gastronomie wandelt sich: Flexibilität, Wohlbefinden und Nachhaltigkeit prägen moderne Konzepte. Erfahren Sie, wie innovative Designansätze, ergonomische Lösungen und nachhaltige Materialien die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern. Expertin Yvonne Meindl-Cavar erklärt die Trends und Herausforderungen der »Wohlfühlarchitektur« in diesem spannenden Interview.

von Alexandra Gorsche
04. November 2024

PROFI: Wie verändert sich Ihrer Meinung nach die Gestaltung von Mitarbeiterbereichen in der Hotellerie und Gastronomie? Welche Trends sehen Sie hier?

Yvonne Meindl-Cavar: Die Gestaltung von Mitarbeiterbereichen in der Hotellerie und Gastronomie hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Es wird zunehmend erkannt, dass das Arbeitsumfeld einen erheblichen Einfluss auf die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter hat. Mitarbeiter, die sich mit ihrer Arbeit und dem Unternehmen identifizieren, sind nicht nur motivierter, sondern auch engagierter. In einer Zeit, in der der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte immer intensiver wird, ist die Gestaltung von Arbeitsumgebungen entscheidend, um talentierte Mitarbeiter anzuziehen und langfristig zu binden.
Ein deutlicher Trend ist die Fokussierung auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Räume, die früher oft vernachlässigt wurden, erhalten heute mehr Aufmerksamkeit und werden gezielt gestaltet, um ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen. Ich sehe drei wesentliche mögliche Trends:

  • Modularität und Flexibilität: Es wird zunehmend Wert darauf gelegt, Mitarbeiterbereiche so zu gestalten, dass sie sich schnell an unterschiedliche Anforderungen anpassen lassen. Das bedeutet multifunktionale Möbel, flexible Raumkonzepte und Zonen, die sowohl für Pausen als auch für Besprechungen genutzt werden können.
  • Besserer Zugang zu Tageslicht und frischer Luft: Da viele Mitarbeiterbereiche bisher in fensterlosen oder unattraktiven Bereichen untergebracht waren, wird zunehmend Wert auf natürliches Licht und Belüftung gelegt, um das Wohlbefinden zu steigern.
  • Wellness-orientierte Gestaltung: Pausenräume entwickeln sich zu Entspannungszonen, in denen Mitarbeiter regenerieren können. Fitnessräume oder Rückzugsorte zum Abschalten finden vermehrt Einzug in moderne Hotel- und Gastronomiebetriebe. Unternehmen verstehen, dass dies die langfristige Zufriedenheit und Produktivität steigert.

Diese Trends zeigen, dass der Mitarbeiterbereich heute mehr ist als nur ein Ort für Pausen – er wird zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenskultur und trägt entscheidend dazu bei, Fachkräfte langfristig zu halten.

Wie integrieren Sie Ihr Konzept der »Wohlfühlarchitektur« in Bereiche, die ausschließlich für Mitarbeiter gedacht sind?

Die »Wohlfühlarchitektur« steht für mich im Zentrum jeder Gestaltung, und das gilt genauso für Mitarbeiterbereiche. Ich lege großen Wert darauf, Räume zu schaffen, die Entspannung und Regeneration ermöglichen. Das beginnt bei der Auswahl natürlicher Materialien, die eine beruhigende Wirkung haben, und reicht bis zur Gestaltung von Rückzugsorten, in denen sich die Mitarbeiter wirklich erholen können. Ein angenehmes Raumklima und optimale Beleuchtung sind dabei entscheidende Faktoren. Durch den Einsatz von Pflanzen und natürlichen Elementen versuche ich zudem, die Verbindung zur Natur zu fördern, was nachweislich das Wohlbefinden steigert. Der Raum sollte nicht nur als funktionaler Ort wahrgenommen werden, sondern als Rückzugsort, der den Arbeitsalltag positiv beeinflusst. Essenziell ist es, dass sich die Mitarbeiter in den Räumen wertgeschätzt fühlen. Das erreicht man durch ansprechendes Design, das weder zu steril noch überladen wirkt und die Gestaltung des restlichen Betriebes mitaufgreift.

Welche spezifischen Anforderungen sollten bei der Gestaltung von Räumen für Mitarbeiterinnen in der Hotellerie und Gastronomie berücksichtigt werden, damit sie sowohl funktional als auch ästhetisch ansprechend sind?

Funktionalität und Ästhetik schließen sich keineswegs aus. Besonders in der Hotellerie und Gastronomie, wo Mitarbeitende oft lange und körperlich anstrengende Schichten arbeiten, müssen Pausenräume ein Ort der Erholung sein. Funktionale Aspekte wie ausreichende Stauraummöglichkeiten für persönliche Gegenstände, leicht zugängliche Hygieneeinrichtungen, eine gute Akustik, angenehme Lichtstimmung und ergonomisch gestaltete Sitz- und Liegebereiche sind essenziell. Ästhetisch gesehen ist es wichtig, eine Umgebung zu schaffen, die beruhigt und nicht überwältigt. Die Räume sollten einfach zu reinigen sein, aber dennoch wohnlich wirken. Warme Farben, natürliche Texturen und langlebige Materialien können hier gut kombiniert werden, um sowohl praktisch als auch optisch ansprechend zu sein.

Wie wichtig ist Ihnen der Aspekt des Wohlbefindens und der Ergonomie bei der Gestaltung von Pausen- und Aufenthaltsbereichen für Mitarbeiterinnen?

Das Wohlbefinden und die Ergonomie sind zentrale Bestandteile der Gestaltung, gerade in einer Branche, die körperlich anstrengend und stressig sein kann. Eine gute ergonomische Gestaltung bedeutet, dass sich Mitarbeiter in den Pausen optimal und effektiv regenerieren können. Bequeme Sitzmöglichkeiten, verstellbare Tische und Stühle sowie entspannende Rückzugsorte helfen dabei, die Energie wieder aufzuladen. Oft wird Ergonomie nur in Bezug auf Arbeitsplätze diskutiert, aber gerade in der Hotellerie und Gastronomie, wo die körperliche Belastung hoch ist, sollte auch der Pausenbereich ergonomisch gestaltet sein.

Sie sprechen von zeitloser Eleganz und Gemütlichkeit in Ihrer Arbeit. Wie übertragen Sie diese Eigenschaften auf die Gestaltung von Mitarbeiterbereichen, die oft pragmatischer und weniger sichtbar sind als Gästebereiche?

Auch in Mitarbeiterbereichen strebe ich nach zeitloser Eleganz und Gemütlichkeit, da ich der Meinung bin, dass diese Räume genauso viel Aufmerksamkeit verdienen wie die sichtbaren Gästebereiche. Ich finde es wichtig, dass auch Mitarbeiter von einer hochwertigen und ästhetischen Gestaltung profitieren. Eleganz bedeutet hier nicht Überfluss, sondern Klarheit und Ruhe in der Gestaltung. Das Konzept der Gemütlichkeit spiegelt sich in der Wahl von warmen Materialien, bequemen Möbeln und durchdachter Beleuchtung wider. Ein Mitarbeiterbereich, der Eleganz und Funktionalität kombiniert, vermittelt den Mitarbeitern das Gefühl, wertgeschätzt zu werden und fördert so die Zufriedenheit.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Gestaltung von Mitarbeiterbereichen? Denken Sie, dass nachhaltige Materialien und Konzepte hier genauso wichtig sind wie in den Gästebereichen?

Nachhaltigkeit ist für mich ein unverzichtbarer Bestandteil jedes Projekts, egal ob es sich um Gästebereiche oder Mitarbeiterbereiche handelt. Ich setze auf langlebige, umweltfreundliche Materialien und Produkte, die nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch funktional sind. Wer hier auf Qualität setzt, hat langfristig mehr von den Produkten; dieser Faktor zahlt immer auf die Nachhaltigkeit ein. Grundsätzlich bevorzuge ich es, dieselben Materialien im gesamten Gebäude zu verwenden, da dies aufgrund der Mengenbestellung kosteneffizienter ist.

Inwiefern hat sich Ihre Herangehensweise an Mitarbeiterbereiche im Laufe der Zeit verändert, insbesondere angesichts neuer Arbeitsbedingungen wie flexiblen Arbeitszeiten oder Remote-Arbeit?

Ich gestalte neben Hotellerie und Gastronomie auch Arbeitsbereiche von großen Firmen und habe daher den Wandel zu New Work hautnah miterlebt. Große Firmen haben schnell gemerkt, dass es zu wenig ist, den Mitarbeitern einen Schreibtisch und einen Stuhl zur Verfügung stellen, damit sie wieder vermehrt in die Arbeit kommen und nicht im Homeoffice bleiben. Natürlich ist das Gastgewerbe eine gänzlich andere Branche, in der Remote-Arbeit und Homeoffice nicht möglich ist, aber die Message bleibt die gleiche: Man muss etwas für die Mitarbeiter tun, damit diese gerne in die Arbeit kommen, sich wohl und wertgeschätzt fühlen. In der Hotellerie und Gastronomie liegt der Fokus verstärkt auf der Schaffung von Räumen, die die Teamdynamik fördern, erholende Pausen ermöglichen und vor allem effiziente Arbeitsabläufe unterstützen. Gut durchdachte Arbeitsplatzgestaltung richtet sich vor allem auch nach den spezifischen Anforderungen verschiedener Berufsgruppen wie Küchenpersonal, Servicekräfte, Facilitymanagement und Lieferanten.

Wie können gut gestaltete Mitarbeiterbereiche dazu beitragen, die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen zu steigern?

Gut gestaltete Mitarbeiterbereiche tragen entscheidend zur Motivation und Zufriedenheit bei, indem sie den Angestellten ein Umfeld bieten, in dem sie sich wohlfühlen und entspannen können, aber auch miteinander ins Gespräch kommen. Dies fördert nicht nur ihre Produktivität, sondern auch eine positive Arbeitskultur. Zudem unterstützt eine durchdachte Raumplanung effiziente Arbeitsprozesse, da kurze Wege und eine kluge Anordnung der Arbeitsbereiche unnötigen Stress und Frustration vermeiden. So entsteht ein Gefühl der Gemeinschaft, in dem das Wohlbefinden aller im Mittelpunkt steht.

Wie gehen Sie bei der Planung von Mitarbeiterbereichen auf unterschiedliche Bedürfnisse und Präferenzen der Mitarbeiterinnen ein? Gibt es bestimmte Designprinzipien, die Sie anwenden?

Bei der Planung von Mitarbeiterbereichen in der Hotellerie und Gastronomie wird gehen wir folgendermaßen vor: Zunächst werden die Räumlichkeiten – falls möglich – vor Ort begutachtet. Im Anschluss erfolgt die Evaluierung der bestehenden Arbeitswege, um die Layouts effizient zu gestalten und den täglichen Arbeitsfluss zu verbessern, indem unnötige Wege minimiert werden. Wir holen uns oft auch direkt Feedback bzw. beziehen die Mitarbeiter bei Planungsworkshops mit ein, um sicherzustellen, dass die Gestaltung den tatsächlichen Bedürfnissen entspricht. Die Vielfalt der Arbeitsaufgaben wird berücksichtigt, indem unterschiedliche Bereiche für spezifische Zwecke wie Ruhezonen, aktive Bereiche und flexible Arbeitsräume geschaffen werden. Durch diese Maßnahmen wird gewährleistet, dass die Mitarbeiterbereiche funktional, komfortabel und anpassungsfähig sind.

Können Sie uns ein Beispiel aus einem Ihrer Projekte nennen, bei dem die Gestaltung von Mitarbeiterbereichen besonders herausfordernd oder inspirierend war?

Ein Projekt, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war die Gestaltung der Mitarbeiterbereiche für ein Boutique-Hotel in Wien. Hier lag die Herausforderung darin, den begrenzten Platz so zu gestalten, dass er sowohl funktional ist als auch einladend wirkt. Durch den Einsatz flexibler Möbel und einer durchdachten Farbgestaltung gelang es uns, Räume zu schaffen, die von den Mitarbeitern als echte Wohlfühlorte wahrgenommen wurden, von der Teeküche bis zum Meetingraum und dies konsistent mit der restlichen Gestaltung des Hotels.

Welche Rolle spielen Farben, Materialien und Beleuchtung in der Gestaltung von Mitarbeiterinnenbereichen?

Farben, Materialien und Beleuchtung spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung von Mitarbeiterinnenbereichen in der Hotellerie und Gastronomie, da sie direkt das Wohlbefinden, die Stimmung und die Produktivität beeinflussen. Die Wahl der Farben sollte sich harmonisch in das Gesamtkonzept des Hotels oder Restaurants einfügen. Die Farben beeinflussen die Atmosphäre und können die Stimmung der Mitarbeiterinnen positiv oder negativ beeinflussen. Ein konsistentes Farbschema sorgt für einen einheitlichen Eindruck und unterstützt eine angenehme Arbeitsumgebung. Die Beleuchtung sollte zwischen funktionalem Arbeitslicht und entspannendem Licht für Pausenbereiche unterschieden werden. In Arbeitsbereichen sorgt helles, neutrales Licht für bessere Konzentration und Effizienz, während in Pausenräumen warmes, dekoratives Licht eine entspannende Atmosphäre schafft.

Wie berücksichtigen Sie den kulturellen und sozialen Hintergrund der Mitarbeiterinnen bei der Gestaltung von Räumen in internationalen Hotels?

Wir versuchen bei der Gestaltung die Mitarbeiter im Zuge eines Workshops miteinzubeziehen. Einerseits funktional als auch atmosphärisch. Dies gilt für die Gestaltung des gesamten Hauses. Wie bereits erwähnt, soll sich ein „roter Faden“ durch den Betrieb ziehen. Bis dato haben kulturelle oder soziale Hintergründe keine Rolle gespielt bzw. wurden von den Mitarbeitern nicht explizit gefordert.


Über »Meindl Cavar Concepts«:

»Meindl Cavar Concepts« ist ein prämiertes Ingenieurbüro für Innenarchitektur, welches unter der Leitung von Gründerin Yvonne Meindl-Cavar Projekte in den Bereichen Hotellerie, Gastronomie & Arbeitswelten realisiert. Das Leistungsspektrum umfasst Gestaltungskonzepte, Grundriss- und Detailplanung, Möbelauswahl sowie die künstlerische Oberleitung.

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