Betriebsübergabe OeHT und Habachklause - Falstaff PROFI

Investitionen: Während Hotel-Berater zur Größe tendieren, empfiehlt OeHT-Geschäftsführer Matthias Matzer »verdaubare Portionen«.

© David Sailer IMAGES 2025

Hotel-Übergabe in der Praxis: Eine Erfolgsgeschichte aus Salzburg

Die Übergabe von Hotels ist diffizil. Doch ohne sie stirbt die Branche. Wie es wirklich abläuft, erzählen Hotelier Thomas Maier von der »Habachklause« und die Österreichische Hotel- und Tourismusbank.

von Roland Graf
27. November 2025

Thomas Maier braucht nur in seine Hotel-Bar zu laden, schon ist der spezielle Fokus der »Habachklause« klar: Denn statt Hochprozentigem finden die Gäste im Pinzgauer Familienhotel Baby-Nahrung in Bio-Qualität. Die »Hipp Bar« richtet sich an eine Klientel, die der 36-Jährige ganz bewusst in den Mittelpunkt gestellt hat: »Wir setzen auf Kleinkinder, das Durchschnittsalter ist 3,9 Jahre.« 145 Betten bei »nur« 42 Zimmern unterstreichen diese Positionierung. Damit sind etliche strategische Vorteile verbunden, die heuer zu einer sagenhaften Auslastung von 100 % führen. Den Grundstein legte ein fünf Millionen teurer Umbau, der mit Hilfe der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (OeHT) im Vorjahr gestemmt wurde.

Hotel Halfbachklause Winter - Falstaff PROFI
Idyll für Familien: Die »Habachklause« setzt auf die Jüngsten. | © beigestellt

Schneller Start möglich!

Deren Angebot an die Branche beschreibt Matthias Matzer als OeHT-Geschäftsführer ganz einfach: »Die Verbesserung des Angebots ist neben der Investition in Nachhaltigkeit unser Kerngeschäft.« Thomas Maiers Projekt liegt dabei auch im Trend, denn erfolgreiche Unternehmer, die Hotels übernehmen, »beginnen meist auch ziemlich zeitgleich mit den Investitionen«. Fördertechnisch wäre Unterstützung für alle in den ersten drei Jahren nach der Übergabe anfallenden Investitionen möglich.

Der »Nachhaltigkeitsbonus« als Produkt der Förderbank umfasst eben nicht nur »grüne« Investitionen, sondern auch Investitionen im Rahmen der Unternehmensnachfolge. Diese Förderung sei auch für übernehmende Jungunternehmer – erstversichert und noch nicht in der Branche tätig – zugänglich. Denn wie die 2022 erfolgte Studie der KMU-Forschung zeigt, fehlen auch in der Hotellerie mitunter Übernahmekandidaten aus der eigenen Familie, so Matzer.

OeHT Zinsenzuschuss hilft

»In einer Hochzins-Phase war es entscheidend, die OeHT im Hintergrund zu haben«, lässt Hotelier Maier durchblicken, wo der Vorteil aus seiner Sicht lag. Ansonsten hätte auch sein Ausbau des in fünfter Generation bestehenden Hauses nicht so umgesetzt werden können. Denn neben Fassaden-Neugestaltung, Renovierung einiger Zimmer und Energie-Investitionen wie der Photovoltaik-Anlage stand auch die Errichtung eines »Adults only«-Spa an. Vor allem aber ging es um das Kernstück der neuen »Habachklause«: ein spektakulärer Spielplatz, in den allein rund eine Million Euro flossen. »Der ging sofort viral und hat uns 300.000 Follower mehr gebracht – da merkt man die Macht von Social Media!«

Die »Habachklause« stellt mit diesem Erfolg für Fördergeber OeHT »ein Paradebeispiel« dar, wie Matthias Matzer sagt. Für Matzer ist dabei auch die psychologische Seite wichtig: »Man übernimmt Schulden, viel Verantwortung und hat jahrelang mitbekommen, wie die Eltern gestöhnt haben, was für eine Belastung das auch sein kann.« Daher sei auch der Zeitraum der Übergabe nicht zu unterschätzen.

Starkes Investment: Der Spielplatz brachte Gäste en masse. | © beigestellt

Vorbereitung ist wichtig

Denn bei der eigentlichen Finanzierung kann es schnell gehen; Angst vor ausufernder Bürokratie sollte niemand haben: »Wir sind im Grunde völlig digital«, so Matzer, lediglich die verpflichtende Revision erfolge natürlich vor Ort, um die Betriebe zu kennen. Möglich sind bei der OeHT Kredite bis zu fünf Millionen Euro. Kredite bis zu einer Million Euro können sogar monatlich bewilligt werden. Damit können Hoteliers in spe ihre Träume verwirklichen.

Im Falle von Thomas Maier war nämlich schon in der Volksschule klar, dass der Pinzgauer in die Hotellerie wollte. Das fachliche Rüstzeug gab ihm die fünfjährige Ausbildung samt Tourismus-Aufbaulehrgang im heimatlichen Bramberg/Wildkogel mit. Insofern teilt er die angeblich so aufwendigen Einreichungen für OeHT-Finanzierungen nicht: »Das sind Zahlen und Auswertungen, die Usus sind und jeder parat haben sollte.« Maier ist damit vertraut, seit er mit 18 Jahren als Co-Geschäftsführer seinen Vater entlastet hat.

Thomas Maier, Hotelier Habachklause - Falstaff PROFI
»Die Zahlen sollte jedes Hotel parat haben«, sagt Hotelier Thomas Maier. | © Roland Graf

Am Wildkogel erfolgte die formelle Übergabe 2017, wobei man den weiteren Weg des jungen Hoteliers als immer »spitzeres« Angebot beschreiben könnte. Gebucht kann ein Aufenthalt in der »Habachklause« nur mit Kindern werden, dazu wurden Saison und die Mindestaufenthalte verlängert. Aktuell lässt man auch die Hunde-Buchungen auslaufen. »Das ist nur dank des neuen Angebots möglich«, zeigt sich Maier überzeugt.

Konservative Planrechnung

Die Bewerbung des Familien-Hotels, das sein kulinarisches Angebot aus drei Bauernhöfen der Familie speist, erfolgt dabei online. Die Hausaufgaben, die Hardware dahinter, hat man dank des Finanzierungspartners OeHT geschafft. Mit den unterschiedlichen Finanzinstrumenten löst die Bank jährlich ein touristisches Investitionsvolumen von 500 Mio. Euro aus! Dabei stehen in der Regel Tirol und Salzburg an der Spitze, so Matzer. Ebenso beobachtet der Kenner der Infrastruktur der heimischen Hotellerie immer kürzere Investitionszyklen. Die Anforderungen an Zimmergrößen haben sich geändert und auch »das Badezimmer, das wirklich zehn Jahre überzeugt, ist eine Seltenheit«.

Auf Basis diverser Kennzahlen prüft die OeHT eingereichte Vorhaben genau, denn im Gegensatz zu Beratern – »die tendieren gerne zu immer mehr Größe« – rät man zu kleineren Investitionsschritten. Wichtig dabei ist eine Fünf-Jahres-Prognose, die bewusst vorsichtig berechnet wird. »Wir haben die Expertise und die Zahlen, sind aber eher ein neutraler Sparringspartner.«

Spielplatz Habachklause - Falstaff PROFI
Starkes Investment: Der Spielplatz brachte neue Gäste en masse. | © beigestellt

Basis neuer Investitionen

Auf lange Sicht sollen auch in der »Habachklause« Erweiterungen folgen, 15 weitere Millionen will Maier in den kommenden Jahren einsetzen. Denn die Planrechnung wurde längst übertroffen. Dank der Gäste, deren Kinder zu alt für »Hipp Bar« und Hotel werden, stellt auch das »Pricing« keine Probleme dar. »Seit 2015 mussten wir laufend erhöhen«, so der auch als Sommelier und Küchenmeister geprüfte Salzburger, »mit einem hohen Anteil langjähriger Stammgäste wäre das nicht so leicht durchsetzbar gewesen.« Dank des neuen Angebots schaffte es das Hotel aus dem alpinen Habachtal sogar europaweit unter die Top 50 des Tech-Giganten »Meta«, als er die Hotels mit den meisten Fan-Zuwächsen kürte. Darauf darf dann gerne an der »echten« Bar angestoßen werden. Wie es sich für das nachhaltige Haus gehört, mit einem eigenen Likör oder Gin.

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