Lehrlingstausch Gilbert & Hochschober - Falstaff PROFI

Feriengäste und so viele Mitarbeiter: Ungewohnt für Alessa und Tina aus dem City-Hotel »Gilbert«.

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Lehrlingstausch als Best-Practice: Wie zwei Hotels ihre Talente fördern

Job-Rotation einmal anders: Das Wiener Hotel »Gilbert« und das Hotel »Hochschober« auf der Turracher Höhe haben ihre Auszubildenden getauscht. Der Aufwand ist beträchtlich, doch er macht sich bezahlt.

von Brigitte Radl
07. Januar 2026

Alessa und Tina sind für drei Wochen verreist. Doch sie kamen nicht als Gäste ins Hotel »Hochschober« auf der Turracher Höhe. Die Hotel- und Gastgewerbeassistentinnen im dritten Lehrjahr wechselten ihren Ausbildungsplatz: das schicke Boutique-Hotel »Gilbert« in Wien gegen den Familienbetrieb auf 1.800 Metern Seehöhe in Kärnten. Die Unterschiede sind augenfällig: »Im ›Hochschober‹ ist man viel näher am Gast«, erzählt Tina. »Alle Gäste werden an der Rezeption mit Namen angesprochen, bekommen eine Hausführung und werden zum Essen begleitet.« Dafür müsse man in Wien an der Rezeption mehr wissen, meint Alessa – über aktuelle Veranstaltungen und Ausstellungen in Wien, über die öffentlichen Verkehrsverbindungen und Sehenswürdigkeiten. »Aber der größte Unterschied ist die Größe des Hauses. Im ›Gilbert‹ sind wir für alles verantwortlich, was anfällt. Im Hochschober gibt es so viele Mitarbeiter, dass jeder sich auf eine Aufgabe konzentrieren kann. Das macht weniger Druck.«

Selbst für Änderung sorgen!

Tatsächlich machten die unterschiedlichen Häuser den Tausch so interessant: Das »Hochschober« ist seit 96 Jahren in Familienhand, beschäftigt 130 Mitarbeiter und bildet seit 60 Jahren Lehrlinge aus. Das »Gilbert« feierte erst vor vier Jahren Eröffnung und hat 65 Mitarbeiter. »Trotzdem verbinden uns gemeinsame Werte«, sagt Karin Leeb, geschäftsführende Eigentümerin des Hotels »Hochschober«. Als Mitglied der »Change Maker Hotels« (=Gruppe nachhaltig denkender Gastgeber) kannte sie die Wiener Kollegen bereits: »Mir hat das nachhaltige Konzept und die locker-moderne Positionierung des ›Gilbert‹ von Anfang an gefallen. Daher habe ich Astrid Kahl-Schabans Initiative sofort zugestimmt.« Leeb hat zwei ihrer besten Lehrlinge, Emma und Paul, ins Wiener Gilbert entsandt.

Lehrlingstausch Gilbert & Hochschober - Falstaff PROFI
Kamen von der Turracher Höhe nach Wien: Emma und Paul mussten sich in der Stadt erst zurechtfinden. | © beigestellt

Kahl-Schaban, Chefin im Wiener City-Hotel, findet ihre Idee eigentlich »ganz simpel«: Die Lehrlinge aus dem City-Hotel sollen den Betrieb in einem Landhotel kennenlernen – und umgekehrt. Es gehe dabei um Horizonterweiterung, Weiterbildung und vor allem Wertschätzung. »Jeder Betrieb sollte sich fragen, was er tun kann, um die junge Generation zu begeistern«, so die Hoteldirektorin. Und sie ergänzt: »Der Fachkräftemangel liegt auch an den Arbeitsbedingungen, die jahrzehntelang in der Branche geherrscht haben. Als Managerin ist es meine Aufgabe, umsetzbare Lösungen zu finden und nicht zu jammern.«

»Management bedeutet, Lösungen zu finden, statt zu jammern.«  –Astrid Kahl-Schaban

 

Lehrlingstausch Gilbert & Hochschober - Falstaff PROFI
Die Direktorin des Wiener Boutique-Hotel »Gilbert«. | © Christof Wagner

Benefit für die ganze Branche

Im »Gilbert« profitieren Mitarbeiter daher von Weiterbildungen und kreativen Benefits (z. B. ein freier Tag am Geburtstag) – und nun auch dem Lehrlingstausch. »Die jungen Leute freuen sich über die Möglichkeit und sind stolz, ausgewählt zu werden. Das kommt direkt zurück, weil sie gerne hier arbeiten. Trotzdem gehen sie irgendwann weg, aber das macht nichts«, so Kahl-Schaban realistisch. Das bestätigt Karin Leeb: »Wir bilden nicht für uns, sondern für die Branche aus. Die Jungen müssen rausgehen, um zu wissen, was sie am Hochschober‹ haben«. Dort dürfen die Mitarbeiter seit 40 Jahren die Hotelinfrastruktur nutzen, Aus- und Weiterbildungen sind über eine hausinterne Academy organisiert. »Wir machen das alles im Bewusstsein, auf 1.800 Metern in einer schwierigen Branche viel anbieten zu müssen, um junge Fachkräfte zu begeistern. Der Lehrlingstausch ist ein zusätzliches Add-on für Young Talents.«

Lehrlingstausch Gilbert & Hochschober - Falstaff PROFI
Weiß, dass sie auf 1.800 Metern etwas bieten muss: Karin Leeb, gf. Gesellschafterin im »Hochschober«. | © WKM Sobian

Gut investierte Kosten

Dadurch entstehen natürlich auch Kosten. Die Hotels müssen im täglichen Betrieb auf voll eingearbeitete Mitarbeiter verzichten. Beim ersten Tausch konnten die zwei »Landlehrlinge« Paul und Emma außerdem wegen hoher Belegung nicht direkt im Hotel »Gilbert« untergebracht werden. Die Kosten für die angemietete »Airbnb«-Wohnung in Wien teilten die beiden Hotels – und sehen das als Lernpunkt für den nächsten Lehrlingstausch. Denn, dass die Initiative fortgesetzt werden soll, darüber ist man sich einig. Astrid Kahl-Schaban: »Man muss willens sein, Geld zu investieren – aber das ist es tausendmal wert!«

Das sehen auch Alessa und Tina so. Sie sind dankbar für die Erfahrung und schließen bald ihre Lehre ab. Tina möchte dann zunächst die Welt bereisen. Alessa denkt an Saisonarbeit oder will eventuell auf einem Kreuzfahrtschiff anheuern. Außerdem hat sie heuer bereits zwei Jobangebote bekommen – ohne sich zu bewerben, wohlgemerkt!

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