Wer KI ablehnt, wird Probleme kriegen: KI-Experte Malcolm Werchota weiß, was für Gastronomen und Hoteliers zu tun ist.
© Werchota.ai
Online und unsichtbar? »KI empfiehlt Hotels nach anderen Maßstäben!«
Der Gold-Standard in Sachen Restaurant- und Hotelsuche hat an Glanz verloren. Statt Google – und entsprechenden Budgets für diese Suchmaschine – zählen für die KI-basierte Buchung andere Kriterien. Welche, weiß Malcolm Werchota.
von redaktion
31. Oktober 2025
Ganze Webseiten wurden nach den Kriterien der Suchmaschinen-Optimierung (SEO) aufgebaut. Wer vorne gereiht wurde, hat bessere Chancen auf Gäste. Diese Logik von Google bekommt es nun mit einem anderen Empfehlungssystem für Gäste zu tun. Damit ändert sich aber nicht nur die Plattform, sondern auch die Spielregeln, ist Malcolm Werchota überzeugt. Der Vorarlberger entwickelt KI-Systeme für namhafte Unternehmen wie Microsoft und Nestlé. Sein Unternehmen »werchota.ai« liefert aber auch KI-basierte Lösungen für die Hospitality-Branche. Und die muss radikal umdenken, erklärt der Experte im Gespräch mit Falstaff PROFI-Autor Andreas Juva.
Falstaff Profi: Hotel-Auftritte wurden über Jahrzehnte vor allem für Google optimiert. Wie grundlegend ändert KI das für Hotels und Gastronomiebetriebe?
Malcolm Werchota: Die Veränderungen sind tiefgreifend. KI-Systeme bewerten und empfehlen Hotels und Restaurants heute nach ganz neuen Maßstäben. Klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO) reicht nicht mehr aus – entscheidend sind aktuelle, öffentlich sichtbare und vor allem strukturierte Inhalte. In meinen Audits sehe ich: Rund 50 % der KI-Referenzen stammen von Plattformen wie Wikipedia und Reddit, nicht mehr unbedingt von den alten Bewertungsportalen.
Was können Hoteliers konkret tun?
Suchen Sie Ihren Hotelnamen unbedingt auf Reddit und Wikipedia. Wer dort fehlt oder veraltete Informationen stehen lässt, ist für KI-Systeme praktisch unsichtbar! Und: Reagieren Sie offen und persönlich auf Online-Kommentare und Beschwerden. Gerade bei TripAdvisor ist es wichtig, jeden Beitrag zu managen – nicht mehr nur für SEO, sondern weil KI diese Quellen systematisch ausliest und direkt daraus Empfehlungen generiert.
Ist eine KI-Strategie mit großen Investitionen verbunden?
Nein, das ist ein verbreiteter Irrtum. Schon mit monatlichen Ausgaben von 20 bis 35 Euro lassen sich Abläufe und die Sichtbarkeit substantiell verbessern. Wer die Grundlagen richtig umsetzt – zum Beispiel durch optimierte Prompts [Anm.: Anweisung/Eingabe an eine KI] und stets aktuelle Profile –, kann mit wenig Aufwand einen großen Unterschied machen.
Wie sieht ein praktikabler Fahrplan für den Einstieg aus?
In den ersten 30 Tagen sollte man Schritt für Schritt vorgehen: Woche eins, die Grundlagen des Promptings lernen. In der zweiten Woche einfache KI-Tools, etwa für die E-Mail-Automatisierung, ins Team integrieren. Dann mit Hyperpersonalisierung starten – zum Beispiel mit Tools, die frei verfügbare Daten über Gäste analysieren. Abschließend die Online-Präsenz aktiv erweitern und Bewertungsplattformen gezielt betreuen. Wie aktiv und präsent Sie auf öffentlich zugänglichen Plattformen sind, entscheidet heute maßgeblich über die Sichtbarkeit in KI-Systemen.
Soll man nicht abwarten – oder werden die frühen Anwender belohnt?
Absolut. Das Zeitfenster ist sehr eng – vermutlich haben Hoteliers und Gastronomen nur wenige Monate, um sich einen nachhaltigen Vorteil zu sichern. Wer sofort mit der professionellen Aufbereitung und Strukturierung seiner Online-Daten beginnt, wird deutlich davon profitieren.
Interview von Andreas Juva

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