Brunello di Montalcino 2021: Ab in den Keller damit!
Der neue Jahrgang der toskanischen Rotweinikone bietet Spannung, Struktur und hat die Anlagen einer großen Annata.
Die Master of Wine beschreiben den 2021er als »duftig, präzise und vertikal«. Was Falstaff Italia während Benvenuto Brunello verkostete, bestätigt das Bild: Der jüngste Jahrgang zeigt enormes Potenzial. Die Tannine wirken noch energisch, und Geduld wird nötig sein. Doch auch wenn sich die Weine heute noch verhalten präsentieren – die Perspektive ist ausgesprochen vielversprechend.
In Montalcino bot die Veranstaltung des Consorzio zudem Anlass, eine Bilanz der eben abgeschlossenen Saison 2025 zu ziehen und das Bewertungsmodell Brunello Forma weiter zu schärfen. Dieses System wurde vor einigen Jahren eingeführt, um das frühere recht grobe System mit bis zu fünf Sternen zu ersetzen. In Zeiten großer klimatischer Veränderungen braucht es ein verfeinertes System, um die Jahrgangscharakteristik adäquat abzubilden.
Die traditionelle Gedenkkachel, die jedes Jahr am alten Rathaus enthüllt wird, war heuer den Frauen gewidmet, die Opfer von Gewalt wurden. Die Stiftung Una Nessuna Centomila zeichnete verantwortlich, Schauspielerin Paola Minaccioni präsentierte das Werk vor Ort. Auch der Weintourismus spielte bei Benvenuto Brunello mit einem eigenen Round-Table-Gespräch eine wichtige Rolle.
Jahrgang 2021: Ein Witterungsverlauf, der die Weine formte
Bevor Falstaff die Trophy der neuen Jahrgänge der Montalcino-Weine im Februar veröffentlicht, hier ein erster Überblick.
Der Jahrgang 2021 profitierte von der Abwesenheit extremer Hitzeperioden und somit von geringeren Stressfaktoren – abgesehen von zwei Ausnahmen: einem kühlen Frühjahr mit einem Frost am 8. April sowie einem trockenen, warmen September nach einem ebenso trockenen, aber nicht übermäßig heißen Sommer. Da diese Ereignisse nicht gleichzeitig auftraten, blieb der vegetative Zyklus von größeren Einbrüchen weitgehend unbeschadet. Die Erträge fielen mancherorts geringer aus, doch die moderaten Temperaturen und deutlichen Tag-Nacht-Schwankungen förderten die Aromatik.
»Wir sehen einen harmonischen, eleganten Jahrgang mit großem Reifepotenzial«, erklärt Giacomo Bartolommei, Präsident des Konsortiums. »Jetzt warten wir auf die Marktreaktion – die ersten Signale für den ab Januar verfügbaren Jahrgang sind sehr positiv.«
Auch zum Jahrgang 2025 gab es erste Einschätzungen: Sie verlief regelmäßiger als die beiden Vorjahre und könnte einen ausgewogenen Jahrgang hervorbringen. Für endgültige Aussagen ist es jedoch noch zu früh.
So präsentieren sich Brunello 2021 und Riserva 2020
Die ersten Verkostungen zeigen: 2021 betont die stilistische Vielfalt in Montalcino stärker als andere Jahre. Insgesamt handelt es sich um einen sehr guten bis großen Jahrgang – mit frischer Säurestruktur, entschlossenem, meist gut eingebundenem Tannin und wenigen negativen Ausreißern.
Herausragende Basis-Brunello 2021
Argiano, Canalicchio di Sopra, Capanna, Caparzo, Caprili, Casanova di Neri (Etichetta Bianca), Ciacci Piccolomini, Fuligni, Gianni Brunelli – Le Chiuse di Sotto, Lisini, Matè, Pietroso, Poggio Antico, Poggio di Sotto, Salicutti, Sanlorenzo, Sesta di Sopra, Talenti, Tenuta Buontempo, Villa Le Prata.
Überzeugende Lagen- und Selektionsweine 2021
AD 1441 (Castello Tricerchi), A Diletta (Col di Lamo), Capriolo (Terre Nere), Filo di Seta (Romitorio), Giovanni Neri (Casanova di Neri), IX Cielo (Paradiso di Cacuci), Giodo, La Pieve (La Gerla), Nicco (Capanna), Paesaggio Inatteso (Camigliano), Vigna La Casaccia und Vigna Montosoli (Canalicchio di Sopra), Vigna Pianrosso (Ciacci Piccolomini), Vignavecchia (San Polo).
Viele Weine zeigten sich vergleichsweise verschlossen – deutlich stärker als der Jahrgang 2020, der früh zugänglich war. Der 2021er benötigt Zeit, was typisch für große Jahrgänge ist.
Fazit: Jetzt 2020 oder 2018 genießen – die 2021er sollten bis mindestens Herbst 2026 reifen. Dann werden sie ihr volles Potenzial entfalten.
Brunello Riserva 2020
Die Riserva-Weine zeigen dann Präzision, wenn die Winzer die zartere Struktur des Jahrgangs nicht überladen haben. Positiv aufgefallen sind: Gualto (Camigliano), Fattoria dei Barbi, Pian di Conte (Talenti), Salicutti, Sassodisole.
Ausblick
Falstaff wird die Verkostungen vertiefen und in einer umfassenden Trophy – inklusive Bewertungen und detaillierten Verkostungsnotizen – im ersten Heft des Jahres 2026 präsentieren.