Iljana Tokouzbalidis: »Je mehr ein Land nach Abenteuer riecht, desto größer ist meine Neugier«
Halb Deutsche, halb Griechin – und ein Leben zwischen München und dem Big Apple: Iljana Tokouzbalidis, CEO und Gründerin des Taschenlabels »Seyer«, bewegt sich mühelos zwischen Welten, Sprachen und Stilen. Ihre größte Inspirationsquelle? Die New Yorker U-Bahn.
Falstaff: Haben Sie einen Sehnsuchtsort?
Iljana Tokouzbalidis: Einen? Es gibt so viele Orte, die mich faszinieren. Besonders stark zieht es mich nach Asien – vor allem nach Myanmar. Das Land wirkt in vielem noch unerschlossen, ursprünglicher als andere Teile Südostasiens. Genau das macht für mich seinen Reiz aus.
Wählen Sie Reiseziele nach dem Abenteuerfaktor aus?
Absolut. Mich zieht es weniger an klassische Erholungsorte als in Länder, die mir etwas abverlangen – im besten Sinne. Orte, die Geschichten erzählen, Ecken haben, Reibung erzeugen: Je mehr ein Land nach Abenteuer riecht, desto größer ist meine Neugier.
Was macht eine Reise für Sie zum Erlebnis?
Die Qualität eines Urlaubs liegt für mich nicht im Perfekten, sondern in den unerwarteten Momenten: ein kleines Restaurant, in das man zufällig hineinstolpert – und das sich als kulinarischer Glücksgriff mit authentischer Landesküche entpuppt. Und vor allem: der Austausch mit Fremden. Es gibt Leute, die im Urlaub ihre Ruhe wollen – bei mir ist es genau umgekehrt. Ich sammle Begegnungen.
Ihr Lieblingsgericht – und in welchem Restaurant?
Als Halbgriechin bin ich natürlich voreingenommen: Ich liebe traditionelle Mezze – diese kleinen Gerichte zum Teilen. In New York ist eines meiner Lieblingslokal das »Kiki’s« in Chinatown – ein echtes Hidden Gem unter den griechischen Restaurants. Man wartet im Schnitt anderthalb Stunden auf einen Tisch, weil sie keine Reservierungen nehmen, aber das Essen ist einfach großartig. In meinem Zweitwohnsitz München liebe ich die »Taverna Kalypso« in Schwabing. Ganz ehrlich: Ich ziehe eine echte griechische Taverne jedem Drei-Sterne-Restaurant der Welt vor.
Hotel oder Airbnb?
Boutiquehotel. Ich mag Häuser mit Charakter, individueller Handschrift und einem Sinn für Details. Aber es gibt auch tolle Airbnbs – das hängt ganz von der Art der Reise ab.
Haben Sie ein Lieblingshotel?
Das »Crosby Street Hotel« in New York, im Herzen des Szeneviertels SoHo – ich liebe die Mischung aus britischer Exzentrik und urbaner Eleganz; jedes Detail ist mit Stil und Persönlichkeit gestaltet. Und dann diese Lage, mitten in SoHo – besser geht’s kaum. Ein besonderes Highlight ist der hoteleigene Garten – in New York quasi ein Wunder.
Lang- oder Kurzstrecke?
Da, wo ich hinwill, ist es fast immer Langstrecke. Europa habe ich ziemlich abgegrast. Aber für ein kurzes Getaway darf’s zwischendurch auch mal Kurzstrecke sein – Hauptsache Tapetenwechsel!
Rolly oder Reisetasche?
Ganz klar: ein solider Vierroller. Ich hab nur einen Rücken – und den brauch ich noch! Und dazu eine hochwertige Handtasche. Ich reise am liebsten nur mit Handgepäck.
Welcher war Ihr unvergesslichster Reisemoment?
Autofahren in Indien – zwischen hupenden Mopeds, völlig überfüllten Bussen und Tieren, die mitten auf der Straße stehen. Von A nach B zu kommen ist in Indien ein echtes Abenteuer.
Was ist Ihre Inspirationsquelle als Designerin?
Die New Yorker Subway, da kommen mir die meisten Ideen. So viele unterschiedliche Menschen und Stile – diese U-Bahn ist für mich eine rollende Inspirationsquelle. Deshalb sieht man mich nur in Ausnahmefällen im Taxi.