»Hätte ich ein zweites Leben, würde es Wien gehören«: Marteria im Interview mit Falstaff TRAVEL
Reisen ist für den deutschen Rapper Marteria essenziell. Kurz vor dem Release seines neuen Albums »Zum Glück in die Zukunft III« verrät er Falstaff TRAVEL im Interview, welche Orte auf der Welt ihn inspirieren, was er von Hotelurlauben hält und wo er am liebsten seine Liedtexte schreibt.
Tiefenentspannt nach einer Ayurveda-Kur in Sri Lanka und kurz vor dem Release des neuen Albums »Zum Glück in die Zukunft III« am 17. April spricht Rapper Marteria, bürgerlich Marten Laciny, von seinem Wohnort auf Rügen aus mit Falstaff TRAVEL. Er verrät, wie er am liebsten reist und welche Länder und Städte ihn am meisten, nicht zuletzt zum Schreiben, inspirieren.
Falstaff TRAVEL: Marteria, man hört über Sie, Sie sind nicht nur Musiker, sondern auch Weltenbummler. Stimmt das?
Marteria: Das kann man so sagen! Ich bin schon in 110 Länder gereist und mein Ziel ist es, einmal alle Länder der Welt zu sehen.
Können Sie sich erklären, woher Ihre Reiselust kommt?
Reisen liegt einfach in meiner DNA. Ich bin Sternzeichen Schütze: Wir sind rastlos. Ich bin in Rostock, in der ehemaligen DDR, geboren. Das Reisen war lange eingeschränkt möglich und daher genieße ich heute die Freiheit mich auf der Welt zu bewegen. Mein Vater war Seemann, das hat mich bestimmt auch geprägt.
Wohin ging Ihre letzte Reise?
Tatsächlich hat mein Jahr 2026 mit einer zweiwöchigen Ayurveda-Kur in Sri Lanka begonnen. Nach den Weihnachtsfeiertagen und dem vielen Essen hat man oft das Gefühl, dass statt Blut braune Bratensoße durch den Körper fließt (lacht). Die Kur war, als würde jemand einen Reset-Knopf drücken – man wird richtig entgiftet, körperlich und mental. Massagen, Ölanwendungen, Yoga, und dann bekommt man den sagenumwobenen Einlauf. Denn: alles muss raus. Aber Details hierzu will ich ersparen (lacht erneut).
Wie hat die Ayurveda-Kur Sie verändert?
Es ist verrückt, wie fokussiert man plötzlich ist: Wenn man das Resort verlässt, ist draußen alles viel und laut. Man sieht Stände mit Essen, nimmt Gerüche viel intensiver wahr. Ich hatte den Duft von Kaffee, Eis-Matcha-Latte oder Hühnchenspießen stark in der Nase. Dabei will man das gar nicht riechen, geschweige denn zu sich nehmen, denn man will ja bei der cleanen Ernährung bleiben und die Sünden, die man begangen hat, vergessen.
Thema unseres aktuellen Hefts sind Kraftorte auf der Welt, die Reisende berühren, erden und inspirieren. War Sri Lanka ein solcher Kraftort für Sie, an dem Sie kreativ werden?
Für mich liegen Kraftorte immer in der Natur. Ich brauche die Connection zum ursprünglichen Leben und zu unserem Planeten, um Musik zu schreiben. Ich suche mir einen Ort in der Natur, an dem ich – das ist ganz wichtig für mich – Angeln kann. Da bauen wir dann Zelte auf, fischen, sammeln Pilze und machen selbst Feuer. Zuletzt hat mich Kanada sehr fasziniert: mit diesen Weiten, dem Wildlife, Flüssen, Seen und unfassbar netten Menschen. Wo sich die Bären die Lachse aus dem Fluss holen – das ist schon spektakulär.
Und welches nahe Reiseziel hat Sie zuletzt besonders beeindruckt?
Eine der schönsten Urlaube hatte ich tatsächlich nicht am anderen Ende der Welt, sondern in Irland! Ein Traumwetter, die Leute sind unfassbar herzlich und dann das kulturelle Gut. In den Pubs kann gefühlt jeder wie Ed Sheeran singen oder Gitarre spielen.
Sie schreiben Ihre Songs meist auf Reisen?
Meine aktuellen Songs habe ich größtenteils in Thailand auf Koh Phangan geschrieben. Die Orte, an denen wir arbeiten, und die Menschen dort inspirieren mich. Ich gehe gerne in eine Bar, trinke etwas mit Locals und fange den Spirit ein. Der Bezug zur Kultur und zum Land ist sehr wichtig fürs Schreiben. Dafür war ich schon in Jamaika, Spanien, Irland und jetzt in Thailand. Das Lied »Sad Holiday (Schwarzer Sand)« hat als Thema den letzten gemeinsamen Urlaub in einer zerbrochenen Liebe – das Video dazu haben wir in Hong Kong, Thailand, China und Indonesien gedreht.
Welche Art des Reisens mögen Sie gar nicht?
Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen einzigen klassischen Hotelurlaub gemacht. Ein Cluburlaub, wo immer etwas geboten ist und man ständig am Essen ist, ist für mich der absolute Albtraum.
Sie leben auf Rügen, in Köln und Berlin – wo würden Sie gerne leben wollen?
Hätte ich ein zweites Leben, dann würde es wahrscheinlich Wien gehören. Ich bin riesiger Wien-Fan – ich liebe die Stadt. Der Mix der Leute, die Kultur, das Essen und diese ganzen geilen Bands wie »Bilderbuch«! Wien hat eine dunkle und eine helle Seite – das inspiriert mich sehr. Ich war früher viel dort, privat und auch für Auftritte. Dort zu leben und dann daraus ein Album zu machen, das ist etwas, was ich mir sehr gut vorstellen könnte.
Was darf auf Reisen nicht fehlen?
Ganz wichtig sind für mich ein internationaler Adapter und ein Heizkissen, um den Bauch zu wärmen, wenn man im Kalten ist. Ein Pilzmesser darf auch nicht fehlen und natürlich meine Angelausrüstung. Korallenschuhe sind auch essenziell sowie Schnorchel und Taucherbrille. Sehr wichtig auch die Zahnbürste mit ayurvedischer Zahnpasta und, ganz old school: Ein Stück Seife muss immer mit.