Man muss mit den Gegebenheiten vertraut sein, um sich nicht vor der falschen Lokalität zu wähnen. Wo »Ährlich« steht, ist »dasDrittl« drin. Ersteres ist die hier domizilierte Bäckerei, die bis 14.30 Uhr Frühstück und Snacks serviert. Dann übernimmt die Örtlichkeit ein junges vierköpfiges Untermieterteam, das sich für sein kulinarisches Abendprogramm den Namen »dasDrittl« gab – eine Andeutung, dass noch mehr geplant ist. Zuvor bespielten die Herren das »Loup-Garou« im Siebenten. Potenzielle Gäste müssen sich für einen Time-Slot entscheiden, der erste geht bis 20 Uhr – ohne Verlängerungspotenzial. Denn da steht schon eine Horde für die zweite Sitzung auf der Gasse. Die Beliebtheit des Lokals erklärt sich aus der witzigen und großteils gelungenen Mischung der Karte aus »österreichisch, zeitgemäß und voller Überraschungen«. Schon mal grandios: das Kittseer Holzofenbrot der Ströck-»Feierabend«-Kollektion. Darauf passt gleich einmal die Hühnerleber-Crème brûlée, eher eine Art Terrine und ebenso gut abgeschmeckt wie das Wiener Onsenei in konzentrierter Rinder-Shoyu-Brühe mit Grammeln und Kräutern – könnte man auch zweimal essen. Beim »Bio-Pfeffer Tartare« lässt die Küche aus, das auf eine dicke Brotscheibe gespachtelte, grob geschnittene Fleisch stammt aus einem nicht abgehangenen, zähen Teil vom Rind und macht den Zähnen wenig Freude. Rauchig pikant der »Federkohl Thoum« mit traditioneller arabischer Knoblauchsauce. Und herrlich altmodisch: Stefaniebraten – ja, dieser kleine faschierte Braten mit wachsweichem Ei gefüllt auf Zwiebelsenf. Die naturweinorientierte Bouteillen-Liste (Tschida, Kolfok
und Co.) passt zu dieser Art von Essen punktgenau.