Long Weekend Zypern: Insel mit zwei Welten

Obwohl das mehrheitlich griechisch geprägte Zypern zu den kleinsten Staaten der EU zählt, hat kaum ein anderer eine so bewegte Geschichte wie die Insel. Mit ihrer Lage ist sie Schnittstelle zwischen Afrika, Asien und Europa. Bis heute lebt Zypern von und mit diesen unterschiedlichen kulturellen Einflüssen.

Freitag

Unser Wochenende startet an der Südküste Zyperns, in der geschichtsträchtigen Hafenstadt Limassol. Mit 180.000 Einwohnern ist sie zwar nur die zweitgrößte Stadt der Insel, aufgrund ihrer Betriebsamkeit jedoch die Einzige, die sich nach Metropole anfühlt. Der einstmals wichtige römische Handelsposten ist heute eine stark frequentierte Anlaufstelle für Kreuzfahrtschiffe – und mit mehr als 60 dort ansässigen Reedereien das größte Schifffahrtmanagementzentrum Europas. Unter dem Namen »Limassol-Marina« entstand hier 2012 innerhalb von Rekordzeit ein komplett neuer Stadtteil in allerbester Meerlage – mit exklusiven Luxusapartments, zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und eigenem Yachthafen mit über 650 Liegeplätzen.

Nach Osten geht dieses Luxusquartier in die malerisch-schöne Molos-Uferpromenade über, die sich wie eine Schneise durch eine sechs Hektar große Grünanlage zieht, die zu Recht zu den schönsten des Mittelmeerraums zählt. Von dort sind es nur wenige Gehminuten ins Herz der Altstadt mit dem Wahrzeichen Limassols: der Burg. Laut Überlieferung fand dort im Mittelalter eine regelrechte Promi-Hochzeit statt. Kein Geringerer als der sagenumwobene Richard Löwenherz soll am 12. Mai 1191 in diesem Steinbau Berengaria von Navarra geheiratet haben, nachdem er sie zuvor aus den Fängen des zyprischen Kaisers befreit und im Anschluss die gesamte Insel besetzt hatte.

MIt dem 350 Millionen Euro teuren Projekt »Limassol Marina« reagiert die Stadt auf die steigende Zahl 
von Luxustouristen.
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MIt dem 350 Millionen Euro teuren Projekt »Limassol Marina« reagiert die Stadt auf die steigende Zahl von Luxustouristen.

Geschichte & Gerichte

Einen Katzensprung entfernt thront die Kebir-Moschee, ein Bauwerk, das wie kein zweites von der bewegten Vergangenheit Zyperns zeugt: Während der venezianischen Herrschaft über die Insel wurde das Gebetshaus zur katholischen Kirche umgebaut, kehrte aber während der osmanischen Okkupation wieder zu seiner ursprünglichen Nutzung zurück und behielt diesen Zustand über Zyperns Zeit als britische Kolonie hinweg bis heute.

Den Tag ausklingen lassen wir mit Meze, eine Art zypriotischer Tapas, die es auch in der Türkei unter gleichem Namen gibt. Neben der Architektur ist es vor allen Dingen die Kulinarik, an der man am besten die vielen unterschiedlichen kulturellen Einflüssen auf Zypern ablesen kann. Griechen, Römer, Araber, Franzosen, Venezianer, Türken – und wegen ihrer räumlichen Nähe auch Libanesen und Ägypter – haben in der zyprischen Landesküche ihre Spuren hinterlassen – lediglich den Engländer ist dies nicht gelungen. Und es ist nicht schwer zu erahnen, warum.

In der schnuckligen »Meze Taverne« bekommt man schier endlos eine Portion des zyprischen Nationalgericht nach der anderen auf kleinen Tellern serviert: gebratene Auberginen, Korianderartischoken in Rotwein, Lamm-Köfte, frittierte Sardinen, Püree aus Fischrogen, überbackenes Olivenbrot, gegrillter Tintenfisch, Talatouri, eine zypriotische Variante von Tzatziki, die Minze und Zitronensaft anstelle von Essig enthält, geschmortes Zicklein, gebratener Challúmi mit Balsamicosauce und viele, viele mehr. Denn wenn eines die Zypern auszeichnet, dann ihe Großzügigkeit, die sie stets auch gegenüber Fremden zeigen, was wahrlich erstaunlich ist für ein Volk, das über Jahrtausende immer neuen Eroberern und Besatzern ausgeliefert war.

Samstag

Zwar haben wir gestern gelernt, dass Zyprioten eigentlich keine Gelegenheit auslassen, mächtig aufzutischen. Nur leider trifft das nicht aufs Frühstück zu. Wie andere Mittelmeeranrainer genehmigt sich auch der gewöhnliche Zyprer morgens in der Regel nicht mehr als eine Tasse Kaffee. Aber Obacht, es droht schon der nächste Kulturclash: Die zyprische Variante des Koffeingetränks ist so stark wie fünf italienische Espressi gleichzeitig und hat die Eigenheit, dass sein Kaffeepulver direkt in der Tasse aufgebrüht wird – man muss also ganz schön aufpassen, will man die schwarzen Stückchen nicht zwischen den Zähnen haben. Die Herausforderung gemeistert, machen wir uns mit dem Auto auf ins Inland, vorbei an uralten Olivenhainen, entlang der malerischen Weinstraße Limassols, die von der über 5500 Jahre alten Weinbaukultur der Insel zeugt.

Nach knapp 90 Minuten erreichen wir die Hauptstadt Nikosia. Mitten durch ihren von einer venezianischen Stadtmauer umschlossenen historischen Kern verläuft die sogenannte Greenline, eine insgesamt 180 km lange Pufferzone, die das EU-Mitglied Zypern von der Türkischen Republik Nordzypern trennt, jenen Teil der Insel also, der seit 1974 von der Türkei besetzt wird, was Nikosia mit seinen insgesamt 280.000 Einwohnern zur letzten geteilten Hauptstadt der Welt macht – und auch der Grund dafür sein dürfte, weshalb sie weitaus weniger touristisch ist als der Rest der Insel. Dabei ist es für Urlauber nirgendwo so ungefährlich und leicht wie hier, die Grenze zwischen Norden und Süden zu überqueren: Von der Ledra-Einkaufsstraße geht es durch einen kurzen Gang mitten durch die Pufferzone. Das Durchschleusen in den türkischen Teil dauert keine fünf Minuten. Umso überraschender ist, dass man sich auf der anderen Seite in einer völlig anderen Welt wiederfindet: Die Einkommen sind niedriger, die Arbeitslosigkeit höher, es gibt mit der türkischen Lira eine andere Währung, die sich in einem Dauertief zum Dollar befindet. Und während im Süden Zyperns griechischsprachige Christen die Mehrheit der Bevölkerung bilden, sind es im Norden türkischsprachige Muslime.

Das Nationalgetränk

Einen Ort, den man im von der Türkei okkupierten Teil der Stadt unbedingt besuchen sollte, ist Büyük Han, eine Karawanserei aus dem 16. Jahrhundert, also eine Art Herberge, die zugleich als Warenlager und Handelsplatz diente. Heute befindet sich darin eine Vielzahl süßer Läden und Gastronomien.

Zurück im Süden leitet uns der Hunger schnurstracks ins »Beba«, ein modernes Restaurant mit ausgezeichnetem Service. Durch Glück konnten wir einen Tisch im baumüberschatteten Hinterhof ergattern. In dieser idyllischen Lage bestellen wir den zyprischen Klassiker schlechthin: Súwla, einen gut marmorierten Schweinenacken über dem Holzkohlengrill am Spieß zubereitet. Für die Absacker ziehen wir weiter in die etwas abseits gelegene, kultig-kitschige »Bar Souvenir«, wo schon das von den Briten eingeführte Nationalgetränk Zyperns auf uns wartet: der Brandy Sour. Natürlich eisgekühlt. Jámas!

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Sonntag

Am Sonntag wird solange ausgeschlafen, bis uns die anschwellende Hitze allmählich munter macht. Temperaturen über 40 Grad sind in den Sommermonaten keine Seltenheit auf Zypern. Seine 326 Sonnentage im Jahr machen die Insel zwar zu einem wahren Urlaubsparadies, jedoch zu einem Albtraum für die Wasserversorgung. Apropos Wasser: Natürlich kommen auch Badeurlauber und Wassersportler in Zypern auf ihre Kosten. Das gilt insbesondere für die Südküste der Insel, die die Einheimischen liebevoll ihre »Badewanne« nennen. Ein förmliches Naturwunder erwartet uns am Governor’s Beach zwischen Limassol und Larnaka. Wind und Wasser haben an den Klippen spektakuläre Felsformationen hinterlassen und das weiße Gestein bildet einen reizvollen Kontrast zum dunklen Sand.

Und auch Larnaka selbst, die zu den 20 ältesten Städten der Welt gehört, ist ein buchstäbliches Idyll. Zwar befindet sich dort mit dem Larnaca International Airport das zentrale Drehkreuz für die Mehrheit der Zypern-Reisenden, trotzdem lässt die Küstenstadt wenig an Beschaulichkeit vermissen.

Das Herzstück


Die palmengesäumte Strandpromenade Phinikoudes ist das Herzstück Larnakas. Gleich dahinter erstreckt sich die restaurierte Altstadt Laiki Geitonia mit schattigen Gässchen, urigen Tavernen und schnuckligen Kunsthandwerksläden. Wahrzeichen dieses Viertels ist die bereits im 9. Jahrhundert errichtete Lazarus-Kirche. Der Legende nach soll besagter Lazarus, nachdem Jesus ihn von den Toten auferweckt hatte, das Christentum nach Lárnaka – oder besser gesagt Kition, wie die Stadt damals noch hieß – gebracht haben. Wer einen Abstecher in die Vergangenheit unternehmen will, um erwähntes Ur-Larnaka kennenzulernen, unternimmt am besten einen Abstecher zur archäologische Ausgrabungsstätte von Kition.

Uns zieht es jedoch hinaus zu einer Attraktion der kulinarischer Art, ohne deren Verkostung jede Zypern-Reise eine Schande wäre: die Rede ist von dem traditionellen Bauernkäse Challúmi. Zwar findet der sich unter seiner englischen Bezeichnung »Halloumi« inzwischen auch hierzulande in jedem gut sortierten Supermarkt – zu dem, was einem hier auf der Insel geboten wird, ist das aber kein Vergleich. Auf Loulla Eefthimious Ziegenfarm, unweit von Choirokoitia, erfahren wir aus erster Hand, wie der Kultkäse traditionell hergestellt wird und verzehren ihn so frisch wie nie zuvor im Leben – einfach auf einer Seite mit Salz und Minze bestreut. Dazu reicht die Haus­herrin ­Gurken- und Tomatenscheiben – ebenso schlicht wie köstlich!

Für die Herstellung von Halloumi werden Sahne und frische Milch erwärmt. Separat werden Wasser, Lab und Salz vermischt.­
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Für die Herstellung von Halloumi werden Sahne und frische Milch erwärmt. Separat werden Wasser, Lab und Salz vermischt.­

Tipps & Adressen

Restaurants Limassol

Meze Taverna (1)
Familiengeführtes Restaurant in der Altstadt mit umfangreicher Speisekarte und uriger Atmosphäre. Wie der Name schon sagt, hat man sich hier auf das Nationalgericht der Insel spezialisiert: Méze.

Agiou Andreou 209, 3036 Limassol
T: +357 25 367 333, mezetaverna.com

Kofini Tavern (2)
Traditionshaus an der Küste von Limassol, dessen Gäste von den dortigen »Kanelónia« schwärmen. Aber Achtung, dahinter steckt kein italinienisches Nudelgericht, sondern traditionelle-zyprische Eierkuchen, die mit Challúmi überbacken werden.

Leoforos Amathountos 78, 3036 Limassol
T: +357 25 310332

Restaurants in Nikosia

kuzuba (1)
Lieblingslokal der Einheimischen, das mit seiner griechisch-zypriotischen Küche auf Regionalität und Saisonalität setzt. Am besten die Gerichte teilen, um so viel wie möglich zu probieren.

Kyriakou Matsi 54, 1060 Nicosia
T: +357 99865444, kuzuba.com.cy

Beba (2)
Modernes, erst 2018 eröffnetes Grillrestaurant mit großen Panoramafenstern und minimalistischer Einrichtung. Die Gerichte sind teilweise überraschend ambitioniert. Unbedingt probieren: den gegrillten Oktopus.

Pindarou 2a, 1060 Nicosia
T: +357 22252626

Pyxida (3)
Exzellentes Fisch-Restaurant. Hier kommt der Fang des Tages etwa als Thunfisch-Carpaccio, Barsch oder gegrillter Oktopus so frisch wie nirgendwo sonst in der Stadt auf den Tisch.

Menandrou 5, 1066 Nicosia
T: +357 22 445636, pyxidafishtavern.com

Bars in Nikosia

Bar Souvenir (1)
Versteckte Bar mit Retro-Vibes, Live-Musik, köstlichen Snacks und erfrischenden Cocktails. Die Terrasse lädt zum Verweilen ein – bis tief in die Nacht.

Makariou Avenue 43-1075, 1065 Nicosia
T: +357 99 758578, barsouvenir.com

Granazi (2)
Diese gemütliche Bar besticht durch ihr rustikales und gleichzeitig modernes Design. Ausgeklügelte Cocktails treffen auf zypriotische Gerichte.

Leoforos, Agion Omologiton 14, 1080 Nicosia
T: +357 22 681660, granazi.eu

Larnaka

Brunch

Edems Yard (1)
Der viel gepriesene Brunch-Spot wird seinem Hype gerecht: großzügige Portionen zu einem erschwinglichen Preis. Nur für spontane Besucher.

Evanthias pieridou larnaca CY, 4021 Larnaka
T: +357 99 823845, edems-yard.com

Restaurants 

Milizis (1)
Traditionell zypriotische Küche mit Gerichten aus dem Holzofen und sorgfältig ausgewählten Meze in einer Taverna mit herrlichem Blick direkt am Meer.

6026 Larnaka
T: +357 24 655867, militzis.com

To Kafe tis Chrysanthis (2)
Das familiengeführte Café im Zentrum besticht durch sein fantastisches Frühstück, die hausgemachten Kuchen und sein ausgeklügeltes Design.

Ifaistou 1, 6026 Larnaka
T:+ 357 24256262, tokafetischrysanthis.com

Stou Roussia (3)
Eine feste Größe auf der kulinarischen Landkarte der Insel. Die Taverna ist auf Grill- und traditionelle Speisen spezialisiert – und das zu einem
guten Preis.

26, Nicolaou laniti str, 6022 Larnaka
T:+357 96 509590

Hotels

Amara Hotel Zypern (1)
Dieses 5-Sterne-Refugium wurde als lebendige Panoramakamera konzipiert. Das Infinity-Becken, von Sterneköchen geführte Restaurants und der luxuriöse Spa sprechen hier für sich.

95 Amathus Avenue, 4533 Limassol
T: +357 2544 2222, amarahotel.com/de

The Four Seasons Hotel Limassol (2)
Das 5-Sterne-Hotel besticht durch seinen exklusiven Strandzugang, mehrere Pools und 3 preisgekrönte Restaurants sowie das exklusive Four Seasons Spa.

67-69 Amathountos Avenue, 4532 Limassol
T: +357 25 858 000, fourseasons.com

Parklane, a Luxury Collection Resort & Spa (3)
Dieses Luxusresort muss man theoretisch nicht verlassen. Mehrere Pools, ein umfangreiches Spa- und Fitnessprogramm, Tennisplätze und direkten Strandzugang runden den Aufenthalt ab.

11 Giannou Kranidioti Street, 4534 Limassol
T: +357 25862000, marriott.com

The Agora Hotel – Pano Lefkara (4)
Die dänischen Besitzer kreierten aus dem einstigen Markt ein exklusives Erwachsenen-Hotel im Skandi-Stil. Es besticht durch seine intime Größe mit nur 18 Zimmern. Gäste können am Salzwasser-Innenhofpool entspannen.

Timiou Stavrou 25, 7700 Pano Lefkara
theagorahotel.com

MAP Hotel, Nikosia (5)
Zeitgenössisches Statement-Hotel mitten in der historischen Altstadt. Die Inneneinrichtung ist gewagt: monochrome Akzente, mit Anklängen an Bauhaus und Art Déco. Das hauseigene Restaurant bietet innovative pan-mediterrane Küche.

15, Stasinou Avenue, 1060, Nicosia
T: +357 22 444999, maphotel.com.cy


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Erschienen in
Falstaff Nr. 03/2024

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Sebastian Späth
Sebastian Späth
Chefredakteur Deutschland