Costa Brava: Wo Urlaub etwas eigenes wurde
In den 60er-Jahren entdeckten Deutsche, Briten und Holländer die rund 200 Kilometer lange wilde Küste als Reiseziel: Der erste Urlaub ohne Eltern, die erste große Freiheit, Sangria aus Eimern – und plötzlich war die Costa Brava Partymeile. Doch die Region hat weit mehr zu bieten.
Dass auch für Spanien das Zeitalter des Tourismus in den 1960er-Jahren begann, wissen Fans des gallischen Helden Asterix: Im 1969 erschienenen Comicband »Asterix in Spanien« treffen er und sein beleibter Gefährte Obelix auf Kolonnen von Galliern und Goten, die mit ihren von Ochsen gezogenen Wohnwägen in Richtung Süden und in die Ferien unterwegs sind. Damit nehmen die Autoren die französischen und deutschen Touristen aufs Korn, die das Land südlich der Pyrenäen in diesen Jahren als Urlaubsdestination entdeckt hatten und jeden Sommer in Heerscharen anreisten.
Besonders angetan hatte es den Touristen ab den 60er-Jahren die Costa Brava, also jener Abschnitt der Mittelmeerküste in der nordostspanischen Region Katalonien, der südlich der Grenze zu Frankreich beginnt und sich bis vor die Metropole Barcelona zieht. Ihn hatte die damalige faschistische Regierung Spaniens als ideales Entwicklungsgebiet erkannt, als Feriendestination ausgebaut und vermarktet – und damit den damals beginnenden Massentourismus ins Land geholt.
Kulturelle Route
Mittlerweile wird gezielt daran gearbeitet, das kulturelle Erbe und die landschaftliche Vielfalt der Region in den Fokus zu rücken. Ein Ausflug nach Girona zählt zu den kulturellen Höhepunkten dieser Gegend – mit der prachtvoll restaurierten Altstadt, der imposanten Kathedrale, den Überresten der antiken und mittelalterlichen Stadtmauer sowie dem gut erhaltenen jüdischen Viertel. Besonders eindrucksvoll sind die Badeanlagen aus dem 12. Jahrhundert, die nach dem Vorbild arabischer Hammams erbaut wurden und deshalb bis heute »Arabische Bäder« genannt werden.
Und dann ist da noch das sogenannte Dalísche Dreieck, benannt nach dem Meister des Surrealismus, Salvador Dalí. Drei Orte an der Costa Brava widmen sich dem Leben und Werk ihres berühmtesten Sohnes und machen seine exzentrische Welt auf eindrucksvolle Weise erlebbar – nämlich Figueres, der Geburtsort des Malers, Portlligat, nahe dem Fischerort Cadaqués, wo schon Dalís Eltern ein Ferienhaus besaßen, und schließlich Púbol, wo er ein altes Schloss kaufte, es seiner Frau Gala schenkte und für sie umgestaltete. In Portlligat verbrachte Dalí die meisten Sommer seines Lebens und empfing Freunde und berühmte Künstler seiner Zeit, unter ihnen Federico García Lorca, André Breton und Luis Buñuel.
Malerei und Molekularküche
Heute spiegelt sich der surrealistische Geist der Region sogar in der Küche wider. Begonnen hat alles mit dem legendären Restaurant »El Bulli« im Ort Roses. Spätestens seit Wirt und Küchenchef Ferran Adrià ab dem Jahr 1993 die internationale Küchenwelt mit gewagten Experimenten erstaunte, gelten Spanien im Allgemeinen und die Costa Brava im Speziellen als Hochburgen der guten und vor allem der kreativen Küche.
Zwar hat das »El Bulli« mittlerweile geschlossen, und es spricht heute kaum noch jemand von der einst dort erfundenen sogenannten Molekularküche, doch finden sich in dem Küstengebiet nach wie vor einige der besten Restaurants des Landes – allen voran das »El Celler de Can Roca« der drei Roca-Brüder Joan (Küchenchef), Josep (Sommelier) und Jordi (Chef-Patissier).
Mit ihrem flamboyanten Stil führen die Brüder nicht nur das Erbe des »El Bulli« fort, sondern auch den surrealistischen Geist der Region. Das zeigen die Rocas in Signature-Gerichten wie etwa der Bola de Colores – dabei handelt es sich um eine Sphäre aus Zuckerwatte, die gefüllt ist mit kunterbunten gefrorenen Geschmacksexplosionen, etwa aus Fenchel, Basilikum, roten Früchten, Litschi, karamellisiertem grünem Apfel, Zitrusfrüchten, Passionsfrucht, Kokos, Schwarzer Johannisbeere, Aprikose und Minze. Serviert wird sie auf Vanillecreme und aromatisiert mit Rosenblättern – ganz im Geiste Dalís, der einst sagte: »Ich esse, also träume ich.«
Kleinode an der Costa Brava
Cadaqués
Versteckt zwischen schroffen Felsen und smaragdgrünem Wasser liegt dieses Fischerdorf, das Künstlerherzen höherschlagen lässt – weiß getünchte Häuser, verwinkelte Gassen und ein Licht, das schon Salvador Dalí verzauberte. Heute lädt das einstige Wohnhaus des Surrealisten zum Staunen und Träumen ein.
Empúries
Zwischen Pinien und Dünen liegen hier die Überreste einer griechisch-römischen Stadt. Mit Mittelmeerblick wandelt man durch antike Mosaike und Tempelreste.
Besalú
Eine mittelalterliche Bilderbuchkulisse, als wäre sie einer Zeitreise entsprungen: Die mächtige Steinbrücke, romanische Kirchen und gepflasterte Gassen machen Besalú zu einem der stimmungsvollsten Orte der Region. Besonders beeindruckend: das gut erhaltene jüdische Viertel mit dem Ritualbad in einer mittelalterlichen Synagoge.