Der Duft der Macchia: Trendreiseziel Sardinien
Italiens zweitgrösste Insel verbindet spektakuläre Natur mit tiefer kultureller Verwurzelung – und einer Küche, die ihre ländlichen Wurzeln ebenso pflegt wie ihre kulinarische Eigenständigkeit.
Weisse Kiesel, glasklares Wasser in leuchtendem Türkis und all das gerahmt von einer Bucht mit schroffen, steilen Felsformationen: Cala Goloritzé an der Ostküste Sardiniens ist eines von vielen Beispielen, dass man für Traumferien am Meer keinesfalls stundenlang in die Ferne fliegen muss! Kein Wunder also, dass es viele an diese unglaublichen Paradiesstrände von Italiens zweitgrösster Insel zieht: zu La Pelosa, Is Arutas oder die Strände an der berühmten Costa Smeralda. Hunderte soll es geben. Dass Sardinien ausserdem über 300 Sonnentage im Jahr hat, schadet sicher nicht.
Und doch würde es der Insel nicht gerecht werden, einfach nur ein, zwei Wochen auf der Strandliege oder beim Wassersport zu verbringen. Sardinien hat darüber hinaus schliesslich noch viel, viel mehr zu bieten. Kulturschätze zum Beispiel. Und eine reiche Geschichte, ganz gleich, ob man sich in den historischen Vierteln der Hauptstadt Cagliari umschaut oder auf den Spuren der Nuraghen-Kultur mit ihren prähistorischen Steintürmen unterwegs ist. Mit etwas Glück erlebt man auch eine kulturelle Besonderheit Sardiniens: Canto a Tenore, die traditionelle vierstimmige Gesangsform, die eine der ältesten in ganz Europa ist.
Natur- und Outdoorfans hingegen zieht es ins Innere der Insel. Dort findet man nicht nur die ursprünglichsten Dörfer, sondern wandert auch durchs Gebirge, zu Höhlen und Grotten, durch Wälder und Macchia, diesen Buschwald, in dem es nach mediterranen Kräutern duftet. Im Kalksteingebirge Supramonte verbirgt sich zudem die atemberaubende Schlucht Gola Gorropu, eine der tiefsten Europas.
Wie tief Sardinien in Tradition und Brauchtum verwurzelt ist, zeigt die oft einfache, bodenständige Traditionsküche der Insel. So authentisch wie schmackhaft, ist sie geprägt von einer starken Verbindung zu Land und Meer; einiges geht zurück auf die alte Hirtenkultur. Das Brot Pane Carasau gehört genauso dazu wie der Schafskäse Pecorino Sardo und, nicht zu vergessen, das Porceddu! Das am Spiess über dem Feuer grillierte Spanferkel findet man unter anderem ganz köstlich im Restaurant «Su Gologone» (Bib Gourmand).
Und dazu ein Vino? Vielleicht ein Glas des rubinroten Cannonau? Oder zwei? Die Weintradition ist schliesslich untrennbar verbunden mit der sardischen Seele. Aber Achtung: Gegessen wird auf Sardinien vorzugsweise spät. Wenn man sich nicht gerade in Touristenzentren bewegt, öffnen Lokale vielerorts erst ab 20 Uhr. Wer dabei Restaurants mit einem Michelin-Stern sucht, wird gleich vier Mal fündig, etwa im «Fradis Minoris» mit einem stark lokalen Tasting-Menu.