Häppchen, Tradition und Avantgarde: Bilbao
Bilbao begeistert doppelt: mit Pintxos, die man am liebsten alle probieren möchte, und mit einer Stadt, die sich dank ikonischer Architektur und zeitgenössischer Kunst neu erfunden hat.
Am liebsten würde man sie alle verspeisen! Während man in Bilbao von Bar zu Bar, von der «El Globo» zum «Gure Toki» zieht, ist nicht nur die Auswahl an Pintxos gross. Alle Varianten der raffinierten, baskischen Tapas-Version am Spiess sehen auch einfach zu köstlich aus: mal klassischer, mal kreativer, mit Ibérico-Schinken oder Jakobsmuschel, grillierter Foie gras oder Kabeljau. Also noch einen. Und noch einen. Und dazu ein Glas des typischen Weissweins Txakoli.
Der Genuss der berühmten Snacks in den Gassen der Altstadt Casco Viejo ist allerdings nur eine Seite der 350.000-Einwohner-Stadt Bilbao. Das Herz des nordspanischen Baskenlands hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mit innovativer Architektur grandios erneuert. Übernachtet man beispielsweise im «The Artist Grand Hotel of Art», das Fünf-Sterne-Komfort mit viel zeitgenössischer Kunst dekoriert, hat man direkte Ausblicke auf das wahrscheinlich aussergewöhnlichste Bauwerk: das von Frank Gehry entworfene Guggenheim Museum, das nicht nur für Kunstbegeisterte eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt ist.
Architektur & Atmosphäre
Dieses architektonische Meisterwerk mit seiner Titanverkleidung und den fliessenden Formen steht genauso für den Wandel wie die weisse, symbolträchtige Zubizuri-Brücke. Darüber hinaus stösst man auf neu erfundene Orte wie das Azkuna Zentroa. Das ehemalige Weinlager wurde von Star-Designer Philippe Starck und Thibaut Mathieu zum Zentrum für Kunst, Kultur und Freizeit umgestaltet. Nicht verpassen sollte man dort das Schwimmbecken mit dem transparenten Boden. Beim Baden kann man ins Stockwerk darunter schauen – und natürlich auch umgekehrt.
Die architektonische Moderne liefert so einen aufregenden Kontrast zu den «Siete Calles», den «Sieben Strassen» in der Altstadt mit ihren labyrinthischen, engen Gassen aus dem Mittelalter, die voller Restaurants, Läden und (Pintxo-)Bars sind. So vereint die einst industriell geprägte Hafenstadt heutzutage ein besonderes Stadtbild mit baskischer Kultur: dem Lebensgefühl und der Sprache, der reichen Geschichte und eben nicht zuletzt der besonderen Kulinarik.
Baskische Genusswelten
In baskischen Restaurants der vielseitigen Bilbao’schen Gastroszene begegnet man Traditionsgerichten wie Bacalao al Pil-Pil – also Kabeljau in Pil-Pil-Sauce –, dem Thunfisch-Kartoffel-Eintopf Marmitako und als süssem Abschluss der Cuajada aus geronnener Schafsmilch. Bei einem Streifzug über den historischen Mercado de la Ribera wird einem noch einmal die Vielseitigkeit der baskischen Küche und der Reichtum an Zutaten und Köstlichkeiten vor Augen geführt. Für das baskische Gourmetdinner kann man schliesslich im «Nerua Guggenheim» oder im «Mina» (jeweils ein Michelin-Stern) reservieren. Die Speerspitze erlebt man etwas ausserhalb Bilbaos im «Azurmendi», wo der gefeierte Chefkoch Eneko Atxa für seine innovative Interpretation der lokalen Küche mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. Einmal mehr gehen – genauso wie in der Stadt selbst – Tradition und Avantgarde eine ganz besondere Verbindung ein.