Kreuzfahrt-Expertin Gaby Jordan: »Statt Autos sammeln wir lieber Erlebnisse«
Gaby Jordan hat sich auf Boutique-Reisen und Kreuzfahrten spezialisiert. Im Interview mit Falstaff verrät sie, an welche Orte es sich im Jahr 2026 zu reisen lohnt, welche die No-Go-Ziele sind und auf welche Kreuzfahrtschiffe sie sich freut.
Falstaff Travel: Der Trend geht klar zum Sammeln gemeinsamer Erfahrungen statt materieller Dinge. Auch beim Thema Reisen rücken unvergessliche Erinnerungen in den Vordergrund. Wie ist das bei Ihnen?
Gaby Jordan: Auch wenn man sechs Autos in der beheizten Garage stehen hat, kann man doch immer nur eines fahren, oder? Erlebnisse und gemeinsame Zeit werden immer wertvoller – das nehme ich auch bei meinen Kundinnen und Kunden wahr. Materielle Dinge verlieren an Bedeutung, Erinnerungen bleiben: Ob auf der Segelyacht durch die türkisfarbene Karibik, beim Glamping in Afrika, wenn die Big Five aus dem Gras treten, oder beim Eintauchen in die bunte Unterwasserwelt.
Sie haben sich auf Kreuzfahrten spezialisiert. Welche Reisen und Routen empfehlen Sie?
Kreuzfahrten, Yachten, Boutique-Schiffe und vor allen Dingen auch Expeditionen stehen bei mir im Mittelpunkt. Die spannendsten Routen sind jene, die an Land schwer zu bereisen wären: Südsee, Französisch-Polynesien, Fidschi, aber auch Mekong und Amazonas. Oft empfehle ich eine Kombination aus Landprogramm plus Kreuzfahrt. So hat man Komfort und kommt dennoch tief ins Land hinein. Man kann von Kapstadt aus bis Indien fahren oder nach Sri Lanka. Dann bereist man Traumziele wie Mauritius, Madagaskar, Seychellen und Malediven auf der Route.
Sansibar ist wie Mallorca.
Welche Orte sollte man meiden?
Barcelona ist vom Schiffsaufkommen her eine Vollkatastrophe, genauso Santorini oder Dubrovnik. Da stehen im Sommer oft bis zu acht Schiffe gleichzeitig im Hafen. Oder auf der Fernstrecke: Bali oder Sansibar. Mich hat der Schlag getroffen: Sansibar ist das zweite Mallorca. Wenn man das Gefühl hat, die Bewohner selbst haben den Tourismus satt, dann ist das für mich persönlich kein Urlaub mehr.
Die Kreuzfahrt boomt und viele Kreuzfahrtschiffe haben im neuen Jahr ihre Jungfernfahrt. Auf welche Schiffe freuen Sie sich?
Die ganz großen Schiffe interessieren mich nicht. Wasserrutsche, Schlittschuhbahn, Kartbahn, Zippline – das ist nicht meins (lacht). Mein Highlight des nächsten Jahres ist die »Prestige« von »Regent«: Ein tolles Konzept. Und die »Four Seasons Orient Express« oder – wieder neu am Markt – die »Crystal Cruises«. Die bringen erst 2028 einen kompletten Neubau und da bin ich schon richtig drauf gespannt.
Sie reisen meist als Veranstalterin mit der Gruppe mit – was waren Ihre bedeutendsten Erlebnisse?
In Namibia sind wir beispielsweise mit dem Helikopter über die Sossusvlei Dünen geflogen und dann auf dem Berg oben gelandet: Dort gab es ein Champagner-Frühstück. Zuletzt waren wir von Australien nach Bali unterwegs, auf einer Expeditionskreuzfahrt. Wir haben dort mit indigenen Völkern getanzt. Unvergesslich auch das Gorilla-Trekking in Uganda oder die Sichtung von Königspinguinen in Südgeorgien. An diese Erlebnisse werde ich mich noch in 30 Jahren erinnern.
Bhutan bedeutet für mich reisen in Slow Motion.
Gibt es überhaupt noch echte Geheimtipps?
Absolut – aber es sind meist Ziele, die reguliert sind: Bhutan etwa, nur mit Guide möglich und streng limitiert. Das ist für mich ein Urlaub in Slow Motion. Da kommt man innerhalb von kürzester Zeit runter. Oder Südgeorgien, wo jährlich nur rund 40.000 Menschen hinreisen. Luxus-Inseln wie North Island auf den Seychellen oder Patagonien und Feuerland sind besondere Orte, weit weg vom Massentourismus. Auch die Inseln Pemba und Mnemba Island in Tansania sind kleine Schätze – mit schmucken Boutique-Hotels.
Welche Reisetrends sehen Sie für das kommende Jahr?
Fernreisen bleiben sehr gefragt, besonders Südafrika, Sri Lanka, Vietnam. Expeditionen gewinnen weiter an Bedeutung, weil sie einzigartige Naturerlebnisse bieten. Und Qualität setzt sich immer mehr durch: Lieber seltener reisen, dafür bewusster und mit echten Wow-Momenten.