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© Noe & Associates and Courtesy The Boundary

»Meet me at the clock«: Zum Rundgang im neuen »Waldorf Astoria New York«

New York
Hotel
Luxus

Acht Jahre lang war das wohl berühmteste Hotel der Welt geschlossen. Seit Herbst 2025 empfängt das »Waldorf Astoria New York« wieder Gäste – und verbindet Art-Déco-Geschichte mit zeitgemäßem Luxus.

»Meet me at the clock«, steht auf dem kleinen Notizzettel, der gleichzeitig eine Einladung zu einem Rundgang durch das wohl berühmteste Hotel der Welt ist. Aufregend, denkt man sich, war oder ist dieser Satz der Auftakt so mancher guten Geschichten. Gleichzeitig kann man sich ein halb genuscheltes »wo auch sonst« nicht verkneifen. Schließlich sprechen wir hier nicht von irgendeiner Uhr, sondern der Uhr, die seit jeher das Herzstück des »Waldorf Astoria New York« bildet. Gefertigt wurde die knapp drei Meter hohe Standuhr 1893 für die Weltausstellung in Chicago. In Auftrag gab sie niemand geringeres als Queen Victoria, die sich damit in eine Riege von großen Namen einordnet, die das Hotel im Laufe seiner Geschichte prägten.

© Noe & Associates and Courtesy The Boundary

Die Uhr thront im Zentrum des Hotels, in der sogenannten Peacock Alley, die ihren Namen auch heute noch alle Ehre macht. Gäste flanieren hier auf und ab, präsentieren sich wie die »Pfauen« früherer Zeiten – und bestaunen gleichzeitig die frisch renovierten Hallen, die acht Jahre lang der Öffentlichkeit verborgen blieben.

Art-déco-Koloss und Statussymbol zugleich

Von 2017 bis 2025 war das Haus geschlossen. In dieser Zeit flossen fast zwei Milliarden Dollar in seine Wiedergeburt. Das Architekturbüro Skidmore, Owings & Merrill leitete die Renovierung, Pierre-Yves Rochon gestaltete die Innenräume, Jean-Louis Deniot die Residenzen. Das Resultat ist ein Haus, das Geschichte, Tradition und Eleganz in eine Zeit übersetzt, die der Vergangenheit zugleich so fern und doch so nah ist.

Die Geschichte des »Waldorf Astoria« reicht bis ins Jahr 1893 zurück, als William Waldorf Astor an der Fifth Avenue das erste »Waldorf Hotel« eröffnete. Vier Jahre später folgte das »Astoria« seines Cousins John Jacob Astor IV. Die beiden erbitterten Rivalen schlossen 1897 Frieden und verbanden ihre Häuser über die Peacock Alley, den knapp 100 Meter langen Gang, in dem sich die New Yorker Gesellschaft präsentierte. 1929 musste das ursprüngliche Gebäude dem Empire State Building weichen. Zwei Jahre später, 1931, eröffnete das neue »Waldorf Astoria« an der Park Avenue als größtes und luxuriösestes Hotel der Welt – Art-déco-Koloss und Statussymbol zugleich. Um die Größe zu verdeutlichen: Ein ganzer Block New Yorks gehört dem Haus.

»The Greatest of Them All«

Hier residierten US-Präsidenten wie Herbert Hoover, Harry S. Truman, Dwight D. Eisenhower; Künstler und Musiker wie Marilyn Monroe, Cole Porter, Frank Sinatra; Schauspielerinnen wie Katharine Hepburn und Elizabeth Taylor; Royals wie Grace Kelly und Rainier III. von Monaco. Staatsbankette, internationale Konferenzen, Gala-Veranstaltungen und Premieren prägten die Aura des Hauses, das Conrad Hilton später »The Greatest of Them All« nannte.

Schon der Name allein, die goldenen Buchstaben über dem Haupteingang an der Park Avenue, erzeugen Ehrfurcht. Betritt man das Haus, fühlt man sich eher wie in einem Palast als in einem Hotel. Marmorböden, schwarze Nero-Portoro-Säulen, aufwändige Deckenfresken, lichtdurchflutete Räume, cremefarbene und nachtblaue Sessel laden zum Verweilen ein. Direkt neben der Uhr steht der Steinway-Flügel, einst Eigentum von Cole Porter. Noch heute spielen Pianisten auf ihm beispielsweise während des Afternoon Teas. Jeff Bell, preisgekrönter Mixologe, hat die Cocktailkarte gestaltet: Klassiker wie der »Waldorf Martini« oder »50th St. Martini« treffen auf präzise Handwerkskunst, die die Cocktailkultur New Yorks neu interpretiert.

Ein Rockkonzert im Hotel?

Eine Etage höher entfaltet sich der Event- und Meetingbereich mit rund 4.000 m². Hier finden sich der Grand Ballroom, Astor Salon, Basildon Room, Silver Corridor oder der Jade Room samt großzügiger Ausstellungsfläche. Auch in diesen Räumen wurde sorgfältig restauriert: Fresken, Mosaike, Kristallleuchter und Travertintreppen erstrahlen wieder in vollem Glanz; 148.000 Mosaikteilchen wurden dafür im ganzen Haus händisch restauriert – kein Wunder, dass die Renovierung acht Jahre dauerte.

Der Grand Ballroom, mit Platz für bis zu 1.500 Gäste, verbindet historische Eleganz mit modernster Technik. Um Veranstaltungen aller Art zu ermöglichen – von Gala-Dinners bis zu Rockkonzerten – und zugleich die Gästezimmer nicht zu stören, wurde der Saal akustisch isoliert und modernste Audio- und Videosysteme oder auch eine hydraulische Bühne eingebaut. So ist der Ballroom heute nicht nur beeindruckend in seiner Erscheinung, sondern auch technisch ein Ort für Events jeder Größe.

In der Geburtsstätte des Waldorf Salats

Kulinarisch präsentiert sich das Waldorf Astoria in drei Highlights. Im berühmten Gang serviert die gleichnamige Bar »Peacock Alley« neben Drinks auch Frühstück, Lunch und Snacks. Das »Lex Yard«, eine zweistöckige Brasserie an der Ecke Lexington und 50th Street, wird von Michael Anthony geleitet. Saisonale Zutaten treffen auf präzise Techniken: Royal Osciérie Gold Caviar Sando, Herb Roasted Chicken und natürlich der Waldorf Salat zählen zu den Favoriten der Gäste. Am Haupteingang gegenüber liegt das japanisch inspirierte »Yoshoku«. Sechsgängige Degustationsmenüs erzählen hier den Bogen des Lebens: gegrillter Hummer, Toro-Tartar, Königskrabbe mit Tosazu-Gelee begleitet von Sake, Champagner, japanischen Spirituosen und charakteristischen Cocktails wie dem »Sendai«. Historische Wandmalereien und das »Wheel of Life«-Mosaik von Louis Rigal verbinden Essen, Architektur und Geschichte auf subtile Weise.

Die Zimmer und Suiten, einst über 1.400 an der Zahl, wurden auf 375 reduziert und dafür räumlich vergrößert; ab dem 16. Stock schließen private Residenzen an. Marmorbäder, handverlesene Möbel und dezent integrierte Technologie zeugen von höchster Liebe zum Detail. Der Spa, der größte Guerlain-Spa weltweit, rundet seit Herbst 2025 das Angebot ab. Auf rund 2.000 m² erwarten Gäste 16 Behandlungsräume, darunter zwei VIP-Suiten, ein Kältetherapie-Raum, ein Hammam, Infrarot-Sauna, Arctic Snow Grotte und drei Entspannungs-Lounges. Signature-Rituale wie »Spirit of Achievement« und »Like Clockwork« verbinden traditionelle Techniken mit akustischer Entspannung, während die LongeviSkin®-Technologie Gesichts- und Körperbehandlungen auf ein neues Level hebt. Ergänzt wird das Angebot durch ein 650 m² großes Fitnesscenter sowie maßgeschneiderte Wellness-Programme.

Ein Monument

Bemerkenswert und herausragend ist der Service. Die Freundlichkeit des Personals wirkt nicht angelernt, sondern gewachsen. Die Barkeeper arbeiten mit fast choreografierter Präzision, die eigens entworfenen Uniformen sind mehr als Kostüm – sie sind Teil des beeindruckenden Gesamtkonzepts.

Die Portiers, nebenberuflich auch Concierges, überraschen mit Tipps, die in keinem Reiseführer stehen und sorgen schon vor Betreten der doch für manch einen ehrfürchtigen Hallen für ein herzliches Willkommen. Das »Waldorf Astoria« verfügt zudem als einziges Hotel in New York über einen privaten Eingang für Gäste, die die Peacock Alley eher meiden möchten – ein Detail, das zur DNA des Hauses gehört, nicht zur Angeberei.

 

Was man deshalb auch nicht ausblenden kann: Wer hier residiert hat Geld. Viel Geld. Und nicht jeder Gast scheint damit umgehen zu können. Manchmal kippt der Reichtum in eine Form von Protz, die der Würde des Hauses widerspricht. Das ist nichts, wofür das Hotel etwas kann, aber es trübt bisweilen die sonst so herzliche Atmosphäre, wenn am Nebentisch der Respekt fehlt, der diesem Ort – und seinen Mitarbeitern – eigentlich gebührt.

Das »Waldorf Astoria« ist nämlich alles andere als ein weiteres Luxushotel, das spürt man. Es ist ein Monument. Und nach acht Jahren Stille wieder genau das, was es immer war: eine Adresse, an der die Uhren langsamer zu ticken scheinen – und plötzlich versteht man, warum sie das Herz des Hauses ist. Nicht nur Zeitmesser, sondern Zeugin von Geschichte, Gesellschaft und unzähligen Geschichten, die auch Jahrzehnte später noch zu spüren sind. Renovierung hin oder her – und allein dafür lohnt sich ein Besuch.


Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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