Die Sache mit dem Zweitlokal zu ih-
rem hochdekorierten »Taubenkobel« sind Barbara Eselböck und Alain Weissgerber schon 2012 angegangen – in Gestalt der »Greisslerei« nebenan. Nun also ein paar Kilometer vom Stammhaus in Schützen am Gebirge entfernt das Drittlokal – die Lage zwischen zwei Gotteshäusern macht die Namensfindung einfach. »Kirchenwirt« heißt nun jenes Lokal, das ein Vierteljahrhundert als »Rusterhof« bekannt war. Weder am Schild noch auf der Homepage findet sich eine Spur zur Trademark der Betreiber, die somit wohl bewusst Zuschreibungen wie »Nobelwirt« oder Ähnliches vermeiden wollen. Wobei sich angesichts der Qualität der Darbietungen ein nicht ganz ortsübliches Preisniveau nicht vermeiden ließ. In der Küche steht ein alter Bekannter Weissgerbers aus der gemeinsamen »Steirereck«-Ära, zuletzt werkte Karl Heinz Ruttmann in München. Hier stehen Sachen auf der Karte, die sich anderswo kaum jemand antut. Kalbskutteln gedünstet mit Morcheln – aufregend gut, kocht so niemand. Die Tafelspitz-Sulz punktet nicht mit Schönheit, dafür aber mit aromatischer Dichte und geschnippelten Radieschen plus Salat als Frische-Element. Diese sauren Kalbsnierndln gehen überhaupt als idealtypische Zubereitung durch, dazu buttercremiges Erdäpfelpüree. Ein nicht mit Übergröße, sondern mit Bergkäse und Beinschinken edel ausgestattetes Cordon bleu ist auch zu haben. In der Weinkarte spiegelt sich die Naturweinliebe der Eigner, von den alteingesessenen Häusern des Burgenlandes sind auch Klassiker vertreten. Wenn es für die wundersam verwinkelten Stuben zu warm wird, könnte diese Terrasse zur begehrtesten des Bundeslandes werden. Und – gezählte elf Störche schauen beim Essen zu.