Parfum Layering: So geht's richtig
Mit Parfum-Layering wird man zur Parfumeurin und kreiert Duftwolken, die so individuell sind wie ein Fingerabdruck. Ein Experte erklärt, wie die Technik funktioniert und welche Duftfamilien harmonieren.
Der erste Eindruck, den wir hinterlassen, ist oft unsichtbar: Ein Duft bleibt haften, lange nachdem wir einen Raum verlassen haben, weckt Erinnerungen und erzählt etwas über uns, noch bevor wir ein Wort gesagt haben. Lange galt die Regel: Jeder Mensch braucht einen Signature-Duft. Doch dieses Prinzip gerät zunehmend ins Wanken. Immer mehr Menschen greifen nicht mehr zu einem einzigen Parfum, sondern kombinieren je nach Lust und Laune mehrere Düfte miteinander: Eine Technik, die als »Parfum-Layering« bekannt ist. Wie diese Kunst funktioniert, welche Duftfamilien harmonieren und wie viele Noten eine Komposition verträgt, bevor sie überladen wirkt, erklärt Mathieu Arsac, Marketing Director der Shiseido Gruppe Schweiz & Österreich, im Interview mit falstaff HappyLife.
Mathieu Arsac
Mathieu Arsac ist Marketing Director der Shiseido Gruppe Schweiz und Österreich und verfügt über langjährige Erfahrung in der Beauty- und Luxusbranche. Seine Karriere begann bei L’Oréal, wo er verschiedene Marketing- und Managementpositionen in Frankreich und der Schweiz innehatte. Im Jahr 2015 wechselte er zu Shiseido und verantwortet seither das Marketing für das gesamte Markenportfolio der Gruppe – von Skincare und Make-up bis hin zu Düften. Er besitzt einen Master in Marketing der renommierten ESSEC Business School und vertiefte seine Expertise im Luxusmarketing am IMD Business School.
Foto beigestelltWas genau versteht man unter Parfüm-Layering?
Mathieu Arsac: Das Überlagern von Düften, auch »Layering« genannt, besteht darin, mehrere Düfte miteinander zu kombinieren, um eine einzigartige Duft-Signatur zu schaffen. Diese Praxis hat ihre Wurzeln insbesondere im Nahen Osten, wo die Kunst, Duftöle, Oud, Moschus und Essenzen zu kombinieren, seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Duftkultur ist. Und diese Region hat einen großen Einfluss auf die neuesten zeitgenössischen Dufttrends ausgeübt, unter anderem bei den Themen Oud, Weihrauch, Kraft und Haltbarkeit. Das Layering ist die logische Fortsetzung dieser Bewegung, auch wenn der Begriff selbst aus der Welt der Pflegerituale entlehnt ist.
Welche Vorteile bietet Layering gegenüber dem Tragen eines einzelnen Duftes?
Mathieu Arsac: Der Hauptvorteil liegt in der individuellen Gestaltung: Jeder kann seinen ganz eigenen Duft kreieren. Dies entspricht dem Bedürfnis des Verbrauchers nach Individualität, der sich gerne als etwas ganz Einzigartiges empfindet. Allerdings kann das Layering tatsächlich die Haltbarkeit des Parfüms beeinflussen. Bestimmte Basisnoten wie Holz, Moschus oder Amber können die Duftwahrnehmung verlängern und der Komposition mehr Tiefe verleihen.
Wie hilft die Duftpyramide aus Kopf-, Herz- und Basisnote dabei, passende Duftkombinationen zu finden?
Mathieu Arsac: Die Duftpyramide hilft dabei, die Entwicklung von Parfüms auf der Haut nachzuvollziehen. Um eine Harmonie zu schaffen, ist es oft sinnvoll, Düfte zu kombinieren, die bestimmte Facetten gemeinsam haben oder deren Basisnoten sich ergänzen. Die Duftkompositionen bauen in der Regel eher auf der Herznote und der Basisnote auf, da diese länger anhalten.
In welcher Reihenfolge sollte man Düfte auftragen – schwerere zuerst oder leichtere zuerst?
Mathieu Arsac: In der Regel ist es ratsam, zuerst das intensivste oder reichhaltigste Parfüm aufzutragen und anschließend die leichteren Düfte hinzuzufügen. So lässt sich die Komposition auf einer soliden Basis aufbauen, ohne dass die zarten Noten sofort überlagert werden. Denken Sie auch daran, Ihre Haut mit einer geruchsneutralen Pflege einzucremen – das verlängert den Duft und sorgt für ein besseres Ergebnis.
Welche Duftfamilien harmonieren aus Ihrer Erfahrung besonders gut miteinander, und welche Kombinationen sollte man eher vermeiden?
Mathieu Arsac: Die natürlichsten Duftkombinationen sind oft blumig-holzig, zitrusartig-moschusartig oder ambra-vanillig. Umgekehrt sollte man bei der Kombination sehr kräftiger oder sehr komplexer Düfte Vorsicht walten lassen, beispielsweise bei zwei reichhaltigen Orientdüften oder zwei stark würzigen Kreationen, da diese eher einen verwirrenden als einen harmonischen Eindruck hinterlassen könnten.
Wie viele Düfte lassen sich gleichzeitig layern, bevor die Komposition überladen wirkt?
Mathieu Arsac: Für ein ausgewogenes Ergebnis reichen in der Regel zwei Duftnoten aus. Drei können funktionieren, wenn sie sich ergänzen und gut dosiert sind. Bei mehr als drei steigt das Risiko, dass die Komposition an Klarheit verliert und das Dufterlebnis überladen wirkt.
Beim »Parfum-Layering« reichen zwei bis drei Parfums aus, sonst wirkt es schnell überladen.
Muss man Düfte direkt übereinander auftragen, oder funktioniert Layering auch über verschiedene Pulspunkte verteilt?
Mathieu Arsac: Beide Vorgehensweisen sind möglich. Werden die Düfte an derselben Stelle aufgetragen, verschmelzen sie stärker miteinander. Werden sie hingegen auf verschiedene Pulspunkte verteilt, behalten sie eine deutlichere Eigenheit bei und erzeugen gleichzeitig eine sich entwickelnde Duftwolke. Diese zweite Methode ist oft leichter zu beherrschen.
Gibt es Düfte, die speziell für das Layering entwickelt wurden, und was unterscheidet sie von klassischen Eau de Parfums?
Mathieu Arsac: Ja. Einige Marken entwickeln sogenannte »layering-friendly«-Düfte, die mit klareren Strukturen und leicht kombinierbaren Akkorden konzipiert sind. Im Gegensatz zu manchen sehr komplexen und charakteristischen Eau de Parfums fungieren sie als olfaktorische Bausteine, mit denen sich ein individuelleres Parfüm komponieren lässt. Dies gilt beispielsweise für »For Her Pure Musc«, dessen Moschus-Herz, die Signatur von Narciso Rodriguez, durch ein exquisites Blumenbouquet aus Jasmin und Orangenblüte unterstrichen und durch Cashmeran erwärmt wird. Jede dieser Noten wurde sorgfältig abgestimmt, um jedes andere Parfüm der »For Her«-Kollektion zu ergänzen. Probieren Sie es aus, haben Sie Spaß dabei und kreieren Sie Ihren ganz persönlichen Duft.
Betörend. Das Eau de Parfum »for her Pure Musc« von Narciso Rodriguez enthält das charakteristische Moschusherz in seiner reinsten Form.
50 ml € 80,- auf douglas.at
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Erfrischend. Der »Blanche« Body Mist von Byredo hüllt in eine zarte Wolke aus Aldehyden, Rose, Pfingstrose und Sandelholz – ideal zum Layern.
100 ml um € 75,- auf byredo.com
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Sommergefühle. Das Eau de Parfum »Atlantico« von 19-69 Nineteen Sixty Nine duftet aquatisch, zitrisch und »Grün« und belebt dadurch schwerere Düfte.
100 ml um € 180,- auf woodberg.de
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Ein Hauch süß. Das»Vanilla Milk« Parfum von Ellis Brooklyn wurde konzipiert mit zwei Arten von Vanilleextrakten, Blütenduft, Kakaoschale, Amyris und einem Milchakkord.
10 ml um € 52,- auf douglas.at
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