Wie Düfte unsere Stimmung beeinflussen
Ein Duft kann uns in eine andere Stimmung versetzen oder eine Erinnerung wachrufen, die längst vergessen schien. Warum wirken Gerüche so unmittelbar auf unsere Gefühle und wie lässt sich das gezielt nutzen?
Kaum ein Sinn wirkt so direkt auf unsere Emotionen wie der Geruchssinn. Duftreize werden über das Riechhirn ungefiltert ins limbische System weitergeleitet: jenen Bereich des Gehirns, der für Gefühle und Erinnerungen zuständig ist. Andere Sinneseindrücke wie Sehen oder Hören durchlaufen zunächst den Thalamus, bevor sie emotionale Reaktionen auslösen. Das erklärt, warum ein Duft binnen Sekunden eine Stimmung verändern oder eine Erinnerung wachrufen kann.
Wie sich dieses Wissen gezielt für das eigene Wohlbefinden nutzen lässt, weiß Kathrin Heller, Gründerin von PEACE IN THE WILD aus erster Hand. Im Interview mit falstaff HappyLife erklärt sie, welche Düfte beruhigend oder aktivierend wirken und wie sich die Duftwahl je nach Tages- und Jahreszeit verändert.
Kathrin Heller
Kathrin Heller ist Gründerin von PEACE IN THE WILD, einer Marke für Raumparfums auf Basis ätherischer Öle. Inspiriert durch ihre Ausbildung in Aromatherapie entwickelte sie ein Konzept, bei dem Ausgangspunkt jeder Duftentwicklung die beabsichtigte Wirkung auf Geist und Körper ist. Auf Basis traditioneller aromatherapeutischer Rezepturen wählt Heller gemeinsam mit der Natur-Parfümeurin Catherine Petyt ätherische Öle und natürliche Inhaltsstoffe aus, die in einem Labor in Südfrankreich auf Reinheit und Wirkstoffgehalt geprüft werden.
© Laura Trumppfalstaff HappyLife: Was passiert im Gehirn, wenn ein Duft emotional berührt und warum wirken Düfte oft so unmittelbar?
Kathrin Heller: Von allen Sinnen ist der Geruchssinn einzigartig. Anders als Sehen oder Hören ist er direkt mit den Hirnregionen verbunden, die Emotionen, Erinnerungen und unser autonomes Nervensystem steuern. Deshalb reagieren wir auf einen Duft oft, bevor wir ihn überhaupt bewusst wahrnehmen oder einordnen – innerhalb von Sekunden kann er eine Emotion oder Stimmung auslösen.
Vielleicht kennen wir alle diesen Moment: Plötzlich riecht es nach einem Sommerregen, nach Pinien oder nach der Sonnencreme aus der Kindheit und mit einem Mal ist nicht nur die Erinnerung da, sondern auch das Gefühl dazu. Genau darin liegt die Besonderheit von Düften. Sie verändern nicht nur die Atmosphäre eines Raumes, sondern oft auch unsere innere. Für mich macht genau das die Kraft der Aromatherapie aus. Düfte sprechen unsere emotionale Ebene unmittelbar an. Noch bevor wir sie bewusst wahrnehmen oder benennen können, haben sie oft bereits unsere Stimmung beeinflusst.
Welche Rolle spielt Aromatherapie inzwischen im Wellnessbereich, und wie hat sich die wissenschaftliche Anerkennung dieses Feldes entwickelt?
Kathrin Heller: Aromatherapie ist heute fester Bestandteil eines ganzheitlichen Wellbeing-Verständnisses. Lange haben wir Räume vor allem visuell gestaltet. Heute erkennen wir immer mehr, dass auch Licht, Klang, Materialien und Duft entscheidend dazu beitragen, wie wir uns an einem Ort fühlen. Es geht deshalb längst nicht mehr nur darum, einen Raum angenehm duften zu lassen, sondern darum, eine Atmosphäre zu schaffen, die unser Wohlbefinden auf subtile Weise unterstützt.
Genau dieser Gedanke steht auch hinter PEACE IN THE WILD. Ich möchte Düfte entwickeln, die mehr sind als ein schönes olfaktorisches Erlebnis – Kompositionen, die zu kleinen Ritualen werden und uns dabei unterstützen, zur Ruhe zu kommen, neue Energie zu schöpfen oder den Fokus wiederzufinden. Parallel dazu wächst auch die wissenschaftliche Evidenz. Immer mehr Studien beschäftigen sich mit der Wirkung ätherischer Öle auf Stress, Schlaf oder Angst. Aromatherapie ersetzt keine medizinische Behandlung, kann sie aber auf sensorische Weise unterstützen.
Gibt es Duftfamilien oder einzelne ätherische Öle, die nachweislich beruhigend wirken?
Kathrin Heller: Ja, Lavendel gehört zu den am besten erforschten ätherischen Ölen und wird seit vielen Jahren im Zusammenhang mit Entspannung und Schlaf untersucht. Auch für Bergamotte und Neroli gibt es überzeugende Hinweise auf eine stressreduzierende und angstlösende Wirkung. Vetiver wiederum wird in der Aromatherapie seit Langem geschätzt, wenn es um Erdung und innere Stabilität geht.
Aus meiner Erfahrung entsteht die nachhaltigste Wirkung jedoch selten durch ein einzelnes Öl, sondern durch eine sorgfältig komponierte Duftmischung. Das ist ein wenig wie in der Musik: Erst das Zusammenspiel verschiedener Noten und Inhaltsstoffe schafft Tiefe, Harmonie und eine emotionale Resonanz.
Welche Duftrichtungen wirken eher aktivierend oder stimmungsaufhellend?
Kathrin Heller: Zitrusdüfte wie Bergamotte, Grapefruit, Zitrone oder Mandarine vermitteln vielen Menschen sofort ein Gefühl von Frische und Optimismus. Sie bringen Licht in den Raum und können helfen, neue Energie zu schöpfen. Für Momente, in denen Konzentration gefragt ist, greife ich besonders gerne zu Rosmarin oder Pfefferminze. Beide unterstützen dabei, den Geist zu fokussieren und wieder mehr Klarheit zu finden.
Wie unterscheidet sich die Wirkung von naturreinen ätherischen Ölen im Vergleich zu synthetischen Duftstoffen?
Kathrin Heller: Synthetische Duftstoffe und naturreine ätherische Öle verfolgen unterschiedliche Ansätze. Synthetische Duftstoffe ermöglichen faszinierende Parfumkreationen und sind aus der modernen Parfümerie nicht wegzudenken. Naturreine ätherische Öle hingegen sind hochkomplexe Pflanzenextrakte. In der Aromatherapie interessiert uns deshalb nicht nur ihr Duft, sondern auch die botanische Herkunft der Pflanze und die Eigenschaften ihrer natürlichen Inhaltsstoffe.
Was mich daran besonders fasziniert, ist ihre Fähigkeit, uns mit der Natur zu verbinden. Viele dieser Düfte sind uns vertraut: der Duft eines Waldes, von Zitrusfrüchten, Kräutern oder Blüten. Sie wecken Erinnerungen und schaffen oft ein Gefühl von Ruhe und Verbundenheit. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum wir uns nach einem Spaziergang im Wald oder durch einen blühenden Garten oft ruhiger und ausgeglichener fühlen.
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Foto beigestelltGibt es Unterschiede in der Duftwirkung je nach Tageszeit, Jahreszeit oder Umgebungstemperatur?
Kathrin Heller: Unsere Duftwahrnehmung verändert sich mit den Jahreszeiten und den Bedürfnissen, die sie mit sich bringen. Im Sommer empfinden viele Menschen zitrische, grüne oder maritime Duftprofile als besonders angenehm, weil sie Frische und Leichtigkeit vermitteln. Im Winter sehnen wir uns eher nach Wärme und Geborgenheit – dann wirken holzige, balsamische oder weichere Kompositionen oft besonders stimmig.
Auch im Laufe des Tages verändert sich unser Empfinden. Morgens bevorzuge ich zum Beispiel klare, aktivierende Düfte, am Abend eher ruhige, warme Noten. Genau wie wir unsere Kleidung dem Wetter oder einem Anlass anpassen, können wir auch Düfte bewusst nach Tageszeit, Jahreszeit oder Stimmung auswählen.
Für wen oder in welchen Situationen empfehlen Sie den gezielten Einsatz von Düften zur Stimmungsregulation im Alltag?
Kathrin Heller: Ich glaube, Düfte können für jeden Menschen eine Bereicherung sein. Nicht, weil jeder Aromatherapie braucht, sondern weil ein bewusster Moment des Innehaltens im Alltag oft einen Unterschied machen kann. Ich spreche deshalb lieber von sensorischen Ritualen. Ein Duft am Morgen, zwei bewusste Atemzüge vor einem wichtigen Gespräch oder eine beruhigende Duftkomposition am Abend können zu einem vertrauten Anker im Alltag werden. Mit der Zeit beginnt unser Gehirn, diese Düfte mit bestimmten Gefühlen wie Ruhe, Fokus oder Geborgenheit zu verbinden. Das Schöne daran: Es braucht dafür weder viel Zeit noch komplizierte Routinen. Oft genügen schon wenige bewusste Atemzüge.
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