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Kolumne: Zwei Spa-Erlebnisse in Wien

Kolumne
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Zwei Erlebnisse, die nicht unterschiedlicher hätten sein können, aber ein gemeinsames Ergebnis: Ich weiß nun, was ein Spa können muss.

Meine beste Eigenschaft ist wahrscheinlich auch meine schlechteste: Ich probiere gern alles aus. Als Journalistin ist das durchaus vorteilhaft, als Mensch muss ich sagen: Mein erwachsenes Ich verzeiht mir so manch eine Jugendsünde selbst heute noch nicht. Das soll hier aber nicht Thema sein, sondern nur der Aufwärmmodus für das, was nun folgt: Letztens rief mich eine Kollegin an und lud mich auf das wahrscheinlich schlechteste Spa-Treatment meines Lebens ein. So hat sie es natürlich nicht ausgedrückt. Sie versprach mir eine besondere Erfahrung. Neugierig und bereit für neue Erfahrungen sagte ich sofort zu, ohne groß nachzufragen, was mich erwartet. Immerhin versprach sie Großartiges.

Heute bin ich mir nicht sicher, ob sie nicht aus einem Schildkrötenpanzer statt Haut und Gefühlen besteht, anders kann ich mir das lieblose Prozedere, das sie als Traumbehandlung verkaufte, nicht erklären. Ich fühlte mich – und ich entschuldige mich grosso modo bei all jenen, die sich jetzt auf den Schlips getreten fühlen – in einen sowjetischen Gulag versetzt. Ohne viel Aufhebens wurde auf einer kalten Pritsche an mir herumgeknetet, fehlendes Gespür für mich oder meine kleinen (und großen) Wehwehchen inklusive. Die Stunde ­fühlte sich nach Jahren an und endete mit einem Verweis auf eine dreckige Eckdusche, in der ich mir – was auch immer es war – runterwaschen sollte. Hier, endlich, verweigerte ich.

Ein:e gute:r Therapeut:in geht auf die Bedürfnisse der Gäste ein und bringt sich selbst voll ein. Dann kann Magisches entstehen.

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Frustriert zog ich von dannen und ging dementsprechend skeptisch in das nächste Treatment, um völlig anderes zu erleben. Auch hier wusste ich nicht, was mich erwartet (man wird nicht schlauer), und die Erfahrung hätte nicht gegenteiliger sein können als die vorherige. Die Sinne wurden beflügelt, der Geist geklärt und mein Körper in neue Sphären versetzt. Jetzt weiß ich: Ein perfektes Spa-Treatment muss sinnlich sein.

Nur was ist sinnlich? Das schließt keine sexuelle Komponente ein (nicht in diesem Kontext), sondern beschreibt eine intensive Wahrnehmung durch alle Sinne. Viele unterschiedliche Eindrücke, die man ganz bewusst, fast rituell ­erlebt und so völlig im Moment verweilen darf. Gepaart mit heilenden Händen, die intuitiv verstehen, wo es zwickt.

Dieser Ort der Glückseligkeit liegt mitten in Wien, in einem russischen Banja namens Taiga, einen Steinwurf von unserem Büro entfernt. Hier steigt man dunkle Stiegen hinab, um in einen Kokon der Wohligkeit zu ­fallen. Natürliche Materialien und Vogelgezwitscher. Blätterlaub und Salz, heißer Dampf und kaltes Wasser. Sanddornsaft und Preiselbeeren in Honig. Mein Saunameister, Bilderbuch-Ivan, führte mich durch ein dreistündiges Ritual, welches von ­Anfang bis Ende liebevoll durchdacht war. Am Schluss gab es sogar eine Umarmung. Ich komme bald wieder.

Tipp: Taiga Spa, Wien

taiga-spa.at

© Anna Patritsiya

Erschienen in
Falstaff Happy Life Magazin 2/2025

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Melanie Gleinser-Moritzer
Autor
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