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© Rafaela Pröll

Kitchenstory mit Angelika Rosam: Die Heilkraft des Ghee

Gesundheit
Kolumne

Ist das beste aller Fette zum Braten geeignet oder verschlechtert es den Geschmack? Wie das ayurvedische Wundermittel Ghee beim Sonntagslunch für Aufregung sorgen kann . . .

Haben Sie schon einmal etwas von Ghee gehört? Professionell formuliert ist es der Begriff für Butterschmalz und gehört in der indischen und pakistanischen Küche seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Speisefetten. Es handelt sich nämlich dabei um jenes Fett, welches aus Butter durch verschiedene Verfahren gewonnen wird und im Unterschied zu Butter so gut wie kein Milcheiweiß und nur noch sehr wenig Wasser enthält. So der Experten-Talk. Im täglichen Gebrauch kann Ghee aber sogar zu innerfamiliären Krisen führen.

Ghee als Heilmittel oder Unruhestifter?

Kurz erklärt: Eigentlich bin ich so gar nicht das, was man sich unter einer Köchin vorstellt, denn für mich ist die Küche primär ein Betrachtungsobjekt – schön soll sie sein, ästhetisch und, ja, auch praktisch. Der Look meiner Küche ist designtechnisch der letzte Schrei und mit allen notwendigen und nicht notwendigen Accessoires bestückt. Naht das Wochenende und die Familie zerrt am Nervenkostüm im Zubereiten um frische Speisen, bemühe ich meinen kulinarischen Kreativreichtum. Voraussetzung: Gesund muss es sein! Denn schließlich schmeißt sich Frau gern für die Brutpflege ins Zeug. Persönlich verabscheue ich zudem Gluten, kann Tiefgekühltes nicht leiden und hab zum Leidwesen der Familie noch nie Mortadella gekauft. Der Vorwurf, mich hier in Übertreibung zu baden, bleibt freilich vom Fortpflanz nicht aus, dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass das, was wir essen, Einfluss auf Körper und Geist, Stimmungslage und das ganzheitliche Wohlbefinden hat. So steht nach bestem »Tu deinem Darm etwas Gutes und koche mit Ghee«-Gewissen das ayurvedische Wundermittel auch in meinem Kühlschrank. Und: Ghee entlastet die Leber und Galle, ist reich an Vitamin A, D und E, wirkt sich positiv auf Gehirn und Nerven aus, ist entzündungshemmend und fördert die Intelligenz. Eben. Also ran an das Elixier, das nur Gutes tut!

Ende gut, alles Ghee

Doch die Krise naht. Der Gourmet-Ehemann hat gar kein Verständnis für das vorteilhafte Produkt. »Ein Steak ist nur dann ein Steak«, konstatiert er deutlich, »wenn in reinem Fett gebraten, da die geschmackliche Note sonst ausbleibt.« Unterstützend aus dem Off straft mich die Brut ebenso deutlich mit verbalen Ohrfeigen, den herrlichen Sonntagslunch mit Ghee empfindlich gefährdend. Echt jetzt? Wie unfair, denke ich, gerade dieses geheime Beauty-Schmalz, das weiche Haut strahlen lässt, eignet sich nach eigener Erfahrung ­perfekt zum Braten und tut dem Geschmack mitnichten einen ­Abbruch. Beleidigt werfe ich die undankbare Sippe aus der Küche und halte konsterniert inne, doch mein Wille zum sonntäglichen Nahrungsglück bleibt – natürlich nicht ohne Ghee. Das beste ­aller Fette brutzelt also kurz darauf in der Pfanne. Und die mageren, herrlichen Stücke Fleisch gleich mit. Zufrieden serviere ich die perfekt gebratenen Steaks, die Familie entzückt ob des Dufts, der angenehm in der Nase kitzelt. Und was war das? Der Ungerechtigkeitsparcours, mein gesundes Ghee zu verdammen, lichtet sich: Steak samt Beilagen werden in Sekundenschnelle ­genussvoll verputzt. »Siehst du«, schmettert es mir um die Ohren, »mit Ghee wären die Steaks nie so gelungen . . .« ­Entzückend. Ich konnte nicht umhin, amüsiert die Wahrheit rund um die veritable Ghee-Power raus­zuposaunen. Und die verdutzten Gesichter waren es mir letztendlich auch wert.

(c) Unsplash

Erschienen in
Falstaff Happy Life Magazin 1/2024

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Angelika Rosam
Angelika Rosam
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