»Nonnamaxxing«: Warum italienische Großmütter so lange leben
Der Trend »Nonnamaxxing« feiert Pastateig, Häkelnadeln und Zeit mit den Liebsten als Geheimrezept für ein langes, glückliches Leben. Was hinter dem viralen Phänomen steckt und was wirklich dran ist.
»Nonna« ist das italienische Wort für Großmutter. Italienische Großmütter sind die Vorbilder des Trends. Statt Produktivität zu maximieren, geht es hier um das Gegenteil: Das »Maxxing« stammt aus der Optimierungskultur, wird hier aber ironisch umgedreht. Statt Leistung wird Lebensfreude maximiert, die Idee dahinter lautet: Lebe wie eine italienische Großmutter, geh zu Fuß, sei für andere da, sitz einfach da und schau den Leuten zu. Konkret bedeutet Nonnamaxxing im Alltag: selbst kochen statt Lieferdienst, ausgedehnte Mahlzeiten mit der Familie, tägliche Spaziergänge, Gartenarbeit, Nachmittagsschlaf und weniger Zeit am Bildschirm.
Die Verbindung zu den Blue Zones
Dass gerade Italienerinnen als Vorbild dienen, hat einen handfesten Hintergrund. Italien gehört zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung in der EU, und Teile Sardiniens zählen zu den sogenannten Blue Zones. Das sind Regionen, in denen überdurchschnittlich viele Menschen ein sehr hohes Alter erreichen. Was dort seit Generationen einfach gelebter Alltag ist, wird im Trend zur bewussten Inspiration: tägliche Bewegung, enge soziale Bindungen, frisch zubereitetes Essen. Eine Lebensweise, die offenbar seit jeher funktioniert.
Dominique Scharax
Als ganzheitliche Gesundheitscoachin, Expertin für Nervensystemregulation und Autorin vom Ratgeber »Stark war ich lange genug – Vom Funktionieren zum Fühlen« setzt sie sich für einen gesunden, achtsamen Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper ein.
© Nina RomanaWas Fachleute dazu sagen
Tatsächlich gibt es einiges, das aus wissenschaftlicher Sicht für den Trend spricht, vor allem mit Blick auf die mentale Gesundheit. Persönliche Begegnungen statt Bildschirmzeit verbessern nachweislich das Wohlbefinden. Für Dominique Scharax, Expertin für ganzheitliche Gesundheit, sind soziale Bindungen ausschlaggebend: »Echte Verbundenheit nimmt auf nahezu alle Bereiche unserer Gesundheit Einfluss. Menschen mit starken sozialen Beziehungen erleben nachweislich weniger chronischen Stress, fühlen sich sicherer, schlafen oft besser und pflegen meist auch gesündere Lebensgewohnheiten.«
Auch für die positiven Effekte vom Stricken, eine klassische Nonna-Tätigkeit, gibt es wissenschaftliche Belege: Eine internationale Umfrage unter Strickenden, veröffentlicht im British Journal of Occupational Therapy, zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Strickhäufigkeit und dem Gefühl von Ruhe und Glück.
Etwas Dolce vita
Ein traditionelles Nonna-Leben setze oft ein anderes Lebenstempo voraus. »Viele Nonnas leben in einem Rhythmus, der weniger von ständiger Optimierung und mehr von Natürlichkeit geprägt ist«, erklärt Dominique Scharax. »Sie bewegen sich regelmäßig, essen bewusst, verbringen Zeit mit Familie und haben häufig eine klare Rolle innerhalb ihrer Gemeinschaft. All das kann dazu beitragen, das Nervensystem zu regulieren und chronischen Stress zu reduzieren – ein wichtiger Schlüssel für gesundes Altern.«
Entscheidend sei, die Denkweise zu übernehmen, nicht das Leben perfekt nachzuahmen. Mit einem Vollzeitjob lässt sich das idealisierte Nonna-Leben ohnehin kaum eins zu eins übertragen. Als Anstoß für die Freizeit taugt der Trend aber durchaus: mehr Zeit mit Freund:innen, Häkeln und frischem Essen verbringen, und das Smartphone dabei einfach mal in der Tasche lassen.
Drei Schritte für mehr Nonna im Alltag
Auch Dominique Scharax findet: »Es geht nicht darum, nach Italien auszuwandern oder das Leben komplett umzukrempeln. Oft machen gerade die kleinen Dinge den größten Unterschied.« Mit Falstaff HappyLife teilt sie ihre Empfehlungen für drei Schritte, mit denen dieser Lebensstil auf den modernen, oft stressigen Alltag übertragen werden kann:
- Mehr Alltagsbewegung statt nur Sport
Spaziergänge, Treppen steigen, kurze Wege zu Fuß gehen oder regelmäßige Bewegungspausen im Arbeitsalltag. - Verbindung bewusst priorisieren
Ein gemeinsames Essen mit Freunden, ein Telefonat mit einem lieben Menschen oder feste Familienrituale können einen großen Unterschied machen. - Einfacher essen
Weniger stark verarbeitete Produkte, mehr selbst gekochte Mahlzeiten aus frischen Zutaten und Essen ohne ständige Ablenkung.