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Die Kraft des Rituals: Wie sie unseren Alltag positiv verändern können

Soul
Ritual
Entspannung

Rituale geben unserem Alltag Struktur, Ruhe und Halt – oft ohne dass wir es bewusst merken. Ob Morgenkaffee, Abendroutine oder Familienfeste: Kleine, wiederkehrende Handlungen können uns stärken, verbinden und sogar glücklicher machen.

Wünschen wir uns das denn nicht alle? Mehr Struktur und Leichtigkeit im Alltag? Was nach viel Arbeit, Selbstdisziplin und Zauberhand klingt, ist erstaunlich leicht zu bewerkstelligen. Kleine Tools, die  spielerisch in den Alltag integrierbar sind – und viele von uns bereits leben – können uns dabei helfen. Die Rede ist von Ritualen: Sie bieten einen stabilen Anker in einer Welt, die durch ständige Veränderungen und unvorhersehbare Herausforderungen geprägt ist und zunehmend komplexer wird. Hierbei helfen sie uns, sich zu erden und zu beruhigen.

»Wir fühlen uns in ihnen aufgehoben und zu Hause. Darüber hinaus helfen sie uns, Brücken zu bauen, um in eine bessere Verbindung zu uns, zu anderen und zur Natur zu treten.« So beschreibt es Bestseller-Autorin Christine Dohler in ihrem Buch »Rituale – wie sie uns im Leben stärken«.  Und deutet gleich vorweg darauf hin, dass Rituale nicht zwingend mit Religion oder Spiritualität verknüpft sein müssen.

Was sind Rituale? Moderne Strukturgeber

Ein Ritual kann der allmorgendliche, frisch aufgebrühte Kaffee sein, den wir seit 20 Jahren trinken; oder der Gute-Nacht-Kuss für die Liebste, den wir niemals vergessen; oder aber auch das kitschige Weihnachtsschwein, dass sich komischerweise jedes Jahr wieder als Lieblingsdeko am Christbaum findet, obwohl niemand so genau weiß, warum.

Natürlich sind Rituale oft religiöse Praktiken oder zeremonielle Handlungen, aber eben nicht nur: Es sind die einfachen, alltäglichen Gewohnheiten, die wir mit Bedacht ausüben. Und die wir ständig wiederholen oder abrufen können. Es sind kleine Handlungen und große Werkzeuge, die uns helfen, unseren Alltag zu strukturieren und die uns emotional stärken können. Ein vielgeliebtes Ritual in einer stressigen Situation kann wie ein Anker funktionieren: Stabilisierend und ausbalancierend.

Und noch mehr:

  • Rituale für das Wohlbefinden: Die Wiederholung bestimmter Handlungen schafft nicht nur Ordnung im Kopf, sondern fördert auch unser emotionales Wohlbefinden. Dr. Barbara Fredrickson, eine bekannte Psychologin, beschreibt das wie folgt: »Rituale können unsere positiven Emotionen steigern und uns helfen, unseren Alltag als sinnvoller zu empfinden.« Ein Bespiel dafür ist das allabendliche Lesen vor dem Zubettgehen. Dieses Ritual fördert nicht nur die Entspannung, sondern auch die Qualität des Schlafes.
  • Rituale für die Gemeinschaft: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Das stimmt, vor allem muss man sie aber auch feiern, wie sie im Kalender stehen. Denn Feste, Feiertage und Familientreffen sind Gelegenheiten, bei denen Rituale bewusst im Mittelpunkt stehen und Beziehungen gefestigt werden (können). Wer zum Beispiel immer die ewig gleichen, viel geliebten Speisen auf den Tisch bringt, verleiht dem Essen damit eine symbolische Bedeutung, die jeder einzelne für sich individuell abrufen kann.
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Kreativkatalysator Rituale

Andy Warhol führte 20 Jahre lang ein telefonisches Tagebuch, Anne Wintour spielt jeden Frühmorgen eine Stunde Tennis und Gertrude Stein schrieb stets in ihrem geparkten Auto. All diese Jahrhundert-Kreativen wussten und wissen um die Macht alltäglicher Rituale, die eine Brücke darstellen und auch uns anderen zur Verfügung stehen (können): Sie schaffen eine Verbindung zwischen dem Gewöhnlichen und dem Bedeutendem in unserem Leben.

Warum also nicht mal ausprobieren?

Rituale: Eine Anleitung

Schreiben ist für viele ein Ventil, Dinge zu verarbeiten und Klarheit über Ziele und Herausforderungen zu gewinnen. Vielleicht auch deshalb feiert das Tagebuch-Schreiben (oder »Journaling«) ein Revival. Man muss es nicht so exzessiv betreiben wie ein Samuel Pepys, der wohl berühmteste Tagebuch-Schreiber aller Zeiten, sondern kann es mit Bedacht zu einem Ritual machen. Die Autorin Christine Dohler gibt dafür eine einfache Anleitung: Suchen Sie sich einen gemütlichen Ort, schließen Sie die Augen und machen Sie ein paar bewusste Atemzüge. Die Falstaff-Redaktion fügt hinzu: Wählen Sie besonderes Papier und eine schöne Feder. Schreiben Sie mit Sorgfalt und gönnen sich im Anschluss etwas Besonderes. Ein Stück Schokolade etwa. Nicht diese macht uns glücklich, sondern die damit verbundene Selbstliebe.


Melanie Gleinser-Moritzer
Autor
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