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Kolumne: Longevity für Geniesser

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Kolumne

Kaum eine Illustrierte, die nicht über Longevity berichtet. Auch im Internet tummeln sich massenhaft Influencer:innen und Biohacker:innen, die sich Langlebigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben. Einer von ihnen genießt sogar weltweit Kultstatus. Zu Recht?

Bryan Johnson hat es im IT-Bereich zum Multimillionär gebracht. Sein Geld gibt er inzwischen hauptsächlich dafür aus, sich selbst zu verjüngen und die ganze Welt daran teilnehmen zu lassen. Aus seinem ­Rejuvenation-Programm macht er dabei eine Hochleistungsdisziplin. Begleitet von einem Team von Ärzt:innen, Ernährungsberater:innen und Personal-Fitnesstrainer:innen widmet er sich 24 Stunden am Tag seiner Selbstverjüngung.

Konkret bedeutet das: Er nimmt maximal zwei (vegane) Mahlzeiten am Tag zu sich. Die eine um sieben Uhr, die zweite um elf Uhr vormittags. Dafür gilt es, über den Rest des Tages verteilt, rund 120 Nahrungssupplemente zu schlucken. Ansonsten steht vor allem Sport auf dem Programm. Schluss ist um 20:30 Uhr – dann wird das Licht ausgemacht, denn ausreichend Schlaf ist schließlich wichtig.

Nicht alle betreiben das so extrem. Aber die Tendenz ist bei vielen Longevity-Protagonist:innen klar erkennbar: Lebensverlängerung ist ein Askese-Programm. Essen soll man dabei möglichst wenig. Nach 17 Uhr am besten gar nichts mehr. Fleisch ist vom Speiseteller völlig verbannt, Süßigkeiten sowieso. Für den Alkohol gilt: Jeder Tropfen ist ein Tropfen zu viel. Ob man dadurch wirklich länger lebt, ist noch nicht erwiesen. Vielleicht kommt es einem auch nur länger vor. Und wenn man damit tatsächlich 100 Jahre alt werden sollte, stellt sich natürlich nachdrücklich die Frage: Wie feiert man dann seinen Geburtstag?

Glücklicherweise gibt es auch eine Gegenfraktion. Die ist der Meinung: Zu einem erfolgreichen Altern gehören auch Genuss und Lebensfreude. Schaut man sich viele Zentenarien – so der Fachbegriff für die gesunden 100-Jährigen – an, so stellt man schnell fest, dass diese nicht unbedingt ein Leben nach dem Bryan Johnson-Protokoll führen. In der Anti-Aging-Forschung bekannt sind etwa die sogenannten »Blue Zones«. Das sind Regionen auf der Erde, in denen Menschen heute bereits deutlich länger leben als der weltweite Durchschnitt. Okinawa in Japan gehört etwa dazu, auch Sardinien in Italien oder Nicoya in Mittelamerika. Die Lebensstile der Menschen dort unterscheiden sich durchaus. Aber eines verbindet sie: die Lust am Leben. Man lebt nicht üppig, aber wenn es etwas zum Feiern gibt, dann tut man das auch. Festschmaus und Alkoholkonsum inklusive. Man pflegt die Geselligkeit, statt einzeln und verbissen sein Langlebigkeitsprotokoll abzuarbeiten. Auf die Lebenserwartung scheint sich das durchaus positiv auszuwirken. Fassen wir zusammen: Langlebigkeit und Lebensfreude sind kein Widerspruch. Der Weg zu einem längeren Leben bei guter Gesundheit ist nicht unbedingt der schmale Pfad der Askese. Es ist ein breiter Boulevard der Möglichkeiten. Und das ist auch gut so.

Erschienen in
Falstaff Happy Life Magazin 2/2025

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Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk
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