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Diese Auswirkungen hat Eisenmangel auf den Körper

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Müdigkeit, Haarausfall, Konzentrationsstörungen: Eisenmangel betrifft mehr Menschen, als man denkt. Ein Eisenmangel-Experte beleuchtet, warum die Diagnose so oft zu spät kommt und welche Symptome man ernst nehmen sollte.

Chronische Erschöpfung, brüchige Nägel, schlechte Laune: Viele schieben solche Beschwerden auf Stress oder den Alltag. Dabei steckt in vielen Fällen ein Eisenmangel dahinter, der unbehandelt bleibt, weil er nicht erkannt oder unterschätzt wird. Warum die Diagnose oft zu spät gestellt wird, welche Symptome auf einen Mangel hindeuten und was Sport und Ernährung damit zu tun haben, erklärt Dr. Christian Schuberth, einer der führenden Eisenmangel-Experten Österreichs, im Gespräch mit falstaff HappyLife.

Dr. Christian Schuberth

Dr. med. univ. Christian Schuberth ist Facharzt für Allgemeinmedizin und gilt als einer der führenden Eisenmangel-Experten und Eiseninfusions-Spezialisten in Österreich. Der gebürtige Niederösterreicher leitet das Eisenzentrum Schuberth in Wien und beschäftigt sich seit über 20 Jahren intensiv mit dem Thema Eisenmangel. Als ausgebildeter Allgemeinmediziner und FX-Mayr-Arzt verfolgt er einen ganzheitlichen Ansatz und kombiniert schulmedizinische mit komplementären Methoden. Schuberth ist zudem Autor des Ratgebers »Eisenmangel – Erkennen, therapieren, kontrollieren«

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Falstaff HappyLife: Dr. Schuberth, wie verbreitet ist Eisenmangel in Österreich wirklich, und warum wird er so oft nicht erkannt?

Dr. Christian Schuberth: Im Schnitt leiden 30 % der Bevölkerung unter Eisenmangel. Diese Häufigkeit ist jedoch stark abhängig von Geschlecht und Altersgruppe. Die am häufigsten betroffene Gruppe sind Frauen im menstruierenden Alter, also circa zwischen 14 und 50 Jahren. Vor allem dann, wenn sie unter starken Blutungen leiden und noch zusätzliche Risikofaktoren für Eisenmangel wie zum Beispiel schlechte Ernährung, viel Sport oder Magen-Darm-Problematik aufweisen. Im höheren Alter kommen weitere Risikogruppen dazu, die Frauen und Männer gleichermaßen betreffen. Es handelt sich vor allem um Menschen, die gewisse Medikamente nehmen müssen, die entweder die Eisenaufnahme verschlechtern oder den stillen Blutverlust erhöhen.

Welche Rolle spielt Eisen im Körper, und was passiert, wenn es fehlt?

Dr. Schuberth: Die wichtigste und vielleicht bekannteste Funktion erfüllt Eisen beim Sauerstofftransport. Eisen ist ein zentrales Spurenelement in der Mitte der Hämgruppe, aus der das Hämoglobin aufgebaut ist. In jedem roten Blutkörperchen befinden sich Millionen solcher Hämoglobinmoleküle, die nur bei Anwesenheit von ausreichend Eisen Sauerstoff in der Lunge binden können und diesen im Gewebe, also am Ort der Energieproduktion, wieder abgeben. Ist zu wenig Eisen im Körper vorhanden, fällt der Hämoglobinwert unter einen bestimmten Normwert und man spricht von einer klassischen Eisenmangelanämie.

Neben dieser essenziellen Funktion wird Eisen aber auch als Cofaktor bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien direkt benötigt. Somit beeinflusst ein Mangel auch direkt die Kapazität der Energieproduktion negativ. Was vielen nicht bekannt ist: Eisen wird auch benötigt, um Hormone zu bilden. Damit erklärt sich auch eines der unbekannteren Symptome, nämlich leichte bis mittlere depressive Verstimmungen auf Basis eines Eisenmangels. Aber auch die typische Antriebslosigkeit ist Ursache einer verminderten Hormonproduktion. Daneben ist Eisen aber auch noch wichtiger Baustoff vieler Gewebe wie zum Beispiel Knochen, Haut, Haare und Nägel. Auch für die Aktivierung der Schilddrüsenhormone ist Eisen vonnöten, und jeder kennt die Auswirkungen einer schlecht funktionierenden Schilddrüse mit Müdigkeit, Kälteempfinden, Kreislaufbeschwerden etc.

Haarausfall ist einer der typischen Symptome von Eisenmangel.

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Welche Symptome sollten einen aufhorchen lassen?

Dr. Schuberth: Das häufigste, aber gleichzeitig auch unspezifischste Symptom ist Müdigkeit. Kommen aber noch weitere Symptome wie brüchige Nägel, Haarausfall, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, unruhige Beine oder depressive Verstimmungen hinzu, muss ein Eisenmangel jedenfalls abgeklärt werden.

Viele Menschen leben lange mit einem unentdeckten Eisenmangel. Woran liegt das?

Dr. Schuberth: Tatsächlich wird ein Eisenmangel bei vielen viel zu spät erkannt. Dafür gibt es mehrere Ursachen: unter anderem falsche Laborgrenzwerte. Solange die oft schon viel zu niedrigen Werte nicht rot im Befund aufleuchten, denkt niemand daran, etwas zu verbessern, auch wenn die Patienten die typischen Beschwerden angeben. Daneben ist es oft auch so, dass sich speziell Frauen mit ihren Beschwerden abfinden, da sie denken, es sei eben normal so, und keiner könne ihnen helfen. Diese Annahme ist besonders schnell getätigt, wenn das Leben allen Grund gibt, müde zu sein. Das sind die Patient:innen, die nach erfolgreicher Behandlung mit großer Erleichterung sagen: »Ich wusste gar nicht, dass es mir so gut gehen kann!«

Pflanzliche Eisenquellen sind vor allem Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen, Kürbiskerne, Vollkorngetreide sowie grünes Blattgemüse.

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Welche Ernährungsgewohnheiten oder Medikamente begünstigen einen Eisenmangel, ohne dass man es ahnt?

Dr. Schuberth: Danke für die Frage, denn da wird ständig ein veraltetes Klischee bedient, nämlich, dass Vegetarier an einem Eisenmangel leiden müssten! Spätestens seit der Entdeckung des »Ferritintransporters« als eigenständigen Aufnahmeweg für pflanzliches Eisen über die Zellmembranen ist diese These widerlegt. Was allerdings stimmt, ist, dass Vegetarier oft zu viel eisenarme Kohlenhydrate essen und so insgesamt zu wenig Eisen aufnehmen. Bei guter Planung und Umsetzung ist das Risiko jedoch nicht größer als bei Mischköstlern. Und es ist umweltschonender.

Kann Sport ein Risikofaktor sein?

Dr. Schuberth: Ich tue mir schwer, Sport als Risikofaktor zu bezeichnen, weil ich ihn für unser Wohlbefinden für essenziell halte. Aber ja, Sport erhöht den Eisenbedarf. Dies gilt übrigens für andere Nährstoffe genauso. Ob man ausreichend versorgt ist, sollte man als SportlerIn jedenfalls mit einem Labortest überprüfen!

Was raten Sie Menschen, die sich dauerhaft erschöpft fühlen, aber bei bisherigen Blutuntersuchungen immer „unauffällig" waren?

Dr. Schuberth: Wer angeblich normale Eisenwerte hat und trotzdem chronisch unter typischen Symptomen leidet, sollte sich an einen Spezialisten wenden und um eine Zweitmeinung ersuchen. Zumeist kann diesen Patienten doch geholfen werden!


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