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Wie Sommerhitze sich auf Körper und Seele auswirkt

Gesundheit
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Sommerhitze belastet nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche, und das stärker, als die meisten ahnen. Was genau passiert, wenn das Thermometer klettert.

Schlechte Laune, Schlafprobleme, innere Unruhe: Was viele als lästige Sommerbegleiterscheinung abtun, ist längst Gegenstand ernsthafter Forschung. Ab etwa 30 Grad Celsius gerät der menschliche Organismus auch im Ruhezustand unter Druck. Das Herz schlägt schneller, die Blutgefäße weiten sich, der Körper schwitzt, um Wärme abzugeben: Ein physiologischer Kraftakt, der Energie kostet und das Herz-Kreislauf-System belastet.

Sportwissenschaftler Prof. Dr. Justin Lawley von der Universität Innsbruck, der sich in seiner Forschung intensiv mit den Auswirkungen von Hitze auf physiologische Funktionen beschäftigt, erklärt: Durch die Hitze sammelt sich Blut in den Venen der Gliedmaßen, gleichzeitig geht durch das Schwitzen Flüssigkeit verloren. Das reduziert das Blutvolumen im zentralen Kreislauf und belastet das Herz zusätzlich. Auch die Durchblutung des Gehirns kann sinken, was Schwindel oder sogar Ohnmacht begünstigt. Laut Lawley nehmen während und nach Hitzewellen Krankenhauseinweisungen und Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweislich zu.

Ausreichend Wasser zu trinken ist bei Hitze essentiell.

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Wenn die Nacht keine Erholung bringt

Besonders tückisch sind die sogenannten Tropennächte, also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius fällt. Früher waren das in Großstädten vereinzelte Ausnahmen, heute zählt man in manchen Regionen regelmäßig 20 bis 30 solcher Nächte pro Sommer. Dem Körper fehlt dadurch die Phase, in der er sich regenerieren kann. Laut Lawley sinkt in warmen Nächten der Anteil an Tiefschlaf und REM-Schlaf messbar, die Zahl der Aufwachphasen steigt, Stresshormone wie Cortisol nehmen zu, und der normale nächtliche Abfall der Körperkerntemperatur bleibt aus. Wer Nacht für Nacht schlecht schläft, merkt das tagsüber an nachlassender Konzentration, Gedächtnisproblemen und erhöhter emotionaler Reizbarkeit – so das Fazit des Innsbrucker Forschers.

Guter Schlaf ist für die Gesundheit unentbehrlich, anhaltende Hitze verschlechtert ihn deutlich.

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Die Psyche unter Druck: Von Gereiztheit bis Depression

Was sich körperlich zeigt, hinterlässt auch seelische Spuren. Umweltmediziner Hans-Peter Hutter vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien erklärt, dass anhaltende Hitze ein Gefühl von Hilflosigkeit erzeugt, und genau dieses Gefühl, den belastenden Zustand nicht verändern zu können, setzt der Psyche besonders zu. In solchen Situationen werde das Stresshormon Cortisol vermehrt ausgeschüttet, was über längere Zeit sowohl körperliche als auch psychische Folgen habe: mehr Angststörungen und Depressionen, aber auch steigender Alkohol- und Substanzkonsum. Bei bereits Erkrankten können sich bestehende Symptome deutlich verschlechtern.

Auch aggressives Verhalten nimmt bei Hitze nachweislich zu. Dr. Andrea Benecke, Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), bringt es auf den Punkt: »Extreme Hitze ist nicht nur eine körperliche Belastung, sondern auch ein ernstzunehmendes Risiko für die psychische Gesundheit. Sie verstärkt Stress, Schlafstörungen und psychische Vorerkrankungen.« Was Benecke beschreibt, belegt die Wissenschaft mit Zahlen: Eine Studie der Boston University School of Public Health, die Daten von über zwei Millionen Krankenversicherten in den USA aus den Jahren 2010 bis 2019 auswertete, zeigt, dass an extrem heißen Tagen das Risiko für Notaufnahmen wegen psychischer Erkrankungen in allen Altersgruppen steigt – von Angst- und Substanzstörungen bis hin zu Stimmungs- und psychotischen Erkrankungen. Die Studie erschien 2022 im renommierten Fachjournal JAMA Psychiatry.

Wer besonders gefährdet ist und was hilft

Besonders betroffen sind laut Hutter ältere und geschwächte Menschen, aber auch jüngere mit mangelnder körperlicher Fitness. Die Aussicht, der Hitze nicht entkommen zu können, führe zu ernsthaften seelischen Problemen – bis hin zu Panikattacken. »Menschen mit psychischen Erkrankungen sind besonders anfällig für gesundheitliche Hitzefolgen«, erklärt Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Präsidentin der DGPPN. »Gerade für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen ist es häufig schwierig, sich selbstständig und effektiv vor Hitze zu schützen – psychische Erkrankungen gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren für hitzebedingte Todesfälle.«

Was schützt? Zunächst das Naheliegende: ausreichend trinken, leichte Kost, die Wohnung tagsüber abdunkeln und morgens sowie abends lüften. Sport sollte auf die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegt werden. Für die Psyche gilt außerdem: Anzuerkennen, dass der Körper bei Hitze mehr leistet als sonst, ist bereits ein wichtiger Schritt. Sich gereizt oder erschöpft zu fühlen ist keine Schwäche, sondern eine normale Reaktion. Hohe Erwartungen an sich selbst sollte man in Hitzephasen bewusst zurückschrauben. Und wer keine kühle Wohnung hat, findet in Bibliotheken, Museen oder anderen öffentlichen Einrichtungen zumindest stundenweise Abkühlung für Körper und Geist.


Jessica Haberl
Koch
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