Das moderne Ankleidezimmer als Gestaltungselement
Boutique-Atmosphäre als tägliches Erlebnis im eigenen Zuhause ist die Idee moderner Ankleidezimmer. LIVING zeigt, wie Aufbewahrungssysteme als flexible Infrastruktur funktionieren, den Raum stilvoll strukturieren und dabei auch den Glamour-Faktor erhöhen.
Der Abschied von rein funktionalen Kleiderstangen fällt leicht, wenn die Alternative stilvolle Walk-in-Closets sind. Ambientebeleuchtung und zonierte Strukturen verwandeln Schrankwände in Räume für persönliche Momente – vom ersten Blick in den Spiegel bis zum letzten geschlossenen Knopf. Ganz nach dem Vorbild von Andrea Sachs in »Der Teufel trägt Prada«, wo das Ankleidezimmer zum Schauplatz modischer Metamorphosen wird.
Bühne und Boutique
Im kollektiven Gedächtnis von Fashion und Film besitzt der Dressing Room als Ort der Verwandlung seit jeher eine besondere Symbolkraft. Immer wieder inszenier(t)en Stars – von Marlene Dietrich bis Madonna – das Ankleiden als Teil ihres Glamours. Bis heute wirken Backstage-Aufnahmen als wirkungsvolle Übergangszonen zwischen Privatheit und Blitzlicht. Und bei Serien-figuren wie Blair Waldorf in »Gossip Girl« oder Carrie Bradshaw in »Sex and the City« avancieren farblich kuratierte Kleiderschränke selbst zur popkulturellen Geste.
Dass die Sehnsucht nach solchen Kulissen längst reale Wohnwelten prägt, überrascht kaum. Eigenständige Wohnkonzepte erschaffen mit den richtigen Elementen fast eine private Boutique. Dazu braucht es neben sinnvoller Flächennutzung vor allem die korrekte Belüftung sowie Smart Lighting mit integrierten LEDs, Bewegungsmeldern und variablen Farbtemperaturen. Robuste Oberflächen, natürliches Holz mit taktiler Tiefe und Metallakzente sorgen für gezielte Kontraste und verleihen dem Raum den finalen Charakter.
Eleganz und klare Linien
Italienische Hersteller wie Rimadesio, Poliform und Molteni&C konzipieren und professionalisieren das Ankleidezimmer seit Jahren als modulares System. Ihre Programme sind keine isolierten Möbelstücke, sondern Teil umfassender Raumlösungen, die sich an unterschiedliche Wohnflächen und Lebensstile anpassen lassen. So wurde das Modell »Gliss Master« von Molteni&C sowohl als klassischer begehbarer Schrank, als Ecklösung und als offenes System ohne Türen entworfen. Kombinationen spielen zudem mit Offenheit und visueller Ruhe. Erweiterungen wie ein integrierter Vanity-Bereich mit hinterleuchtetem Spiegel und die 2025 von Studio Klass vorgestellte Variante »Meridian« – ein Glastüren-Design mit dekorativen Unterteilungen – ergänzen die Möglichkeiten stetig.
Individualität ist gefragt. Das Schranksystem »Gliss Master« von Vincent Van Duysen ist das Aushängeschild von Molteni&C. Studio Klass liefert einen klar
dekorativen Ansatz für gläserne Schranktüren.
Poliform verfolgt mit seinen »Night Systems« einen vergleichbaren Ansatz. Manuela Catelli erklärt die Charakteristika: »In zeitgenössischen Grundrissen liegt der Bereich häufig zwischen Schlafzimmer und Bad und wird damit zur Erweiterung des Wohnraums. Aber erst durch eine maßgeschneiderte Gestaltung – Proportionen, Modularität, gezielte Lichtakzente – verbindet er Ästhetik und Funktionalität.« Dass Funktion und Atmosphäre heute unerlässlich sind, kann auch Team7-Geschäftsführer Stefan Emprechtinger bestätigen: »Zeitlose Eleganz, klare Linien und die natürliche Wärme von Holz schaffen einen Raum, in dem Ordnung selbstverständlich wirkt.«
Minimalistische Formensprache und komplexe Technik vereint wiederum »Hedon«, entworfen von Giuseppe Bavuso für Rimadesio. »Das System ermöglicht ein hohes Maß an dimensionaler und materieller Individualisierung mit über 300 Oberflächenausführungen«, erklärt der Architekt und Designer. Durch diese klare Modulgrammatik ergebe sich ein anpassbares Gerüst, ohne an Kohärenz zu verlieren.
Technischer Minimalismus. »Hedon« zeichnet sich durch seine Modularität aus. In diesem abgestimmten System interagiert jedes Material mit den anderen. Der begehbare Kleiderschrank wird zum eigenständigen Raum, wo Proportionen, Profilstärke sowie vertikale und horizontale Linien eine räumliche Ordnung schaffen.
© RimadesioLIVING Wie integriert sich der Ankleideraum heute in den Wohnbereich?
GIUSEPPE BAVUSO Der Stauraum wurde traditionell mit Ordnung und Beständigkeit verbunden. Doch mein ideales Zuhause ist als dynamischer Organismus angelegt, in dem verschiedene Funktionen oft im selben Raum koexistieren. Das System »Hedon« ist genau dafür konzipiert – es lässt sich individuell weiterentwickeln.
Was macht »Hedon« aus gestalterischer Sicht besonders?
Da die zeitgenössische Wohnarchitektur, wie gesagt, immer fließender wird, interagieren auch die Räume miteinander. Bei »Hedon« haben wir daran gearbeitet, nicht nur ein Möbelstück zu entwerfen, sondern ein Gestaltungselement. In diesem Zusammenhang kann Staufläche als Filter, Sichtschutz, Einbauwand oder Verbindungsstück fungieren.
Gibt es Grenzen?
Die Grenzen des Designs werden nicht durch Modularität oder Oberflächen bestimmt, sondern vom Anspruch, Proportion, Harmonie und räumliche Funktionalität zu bewahren.
Welche aktuellen Trends beobachten Sie?
Wahre Designinnovation besteht darin, nicht Technologie zur Schau zu stellen, sondern sie nahtlos zu integrieren und dabei ästhetische Klarheit und räumliche Flexibilität zu bewahren.