Kristina Blahnik: Die Frau, die Manolos Zukunft entwirft
Kristina Blahnik ist die Nichte von Manolo Blahnik – dem wohl berühmtesten Schuhpoeten der Welt, der die Stiletto-Couture seit »Sex and the City« neu definierte. Jetzt führt die toughe Managerin als CEO das Unternehmen und setzt dabei auf eine Balance aus Tradition und Weiterentwicklung.
Nicht erst seit der Kultserie »Sex and the City« (unvergessen: die royalblauen Satin-Heels mit Kristallschnalle von Carrie Bradshaw) sind sie ein Synonym für edle Schuhe, gleichsam für Schmuckstücke an den Füßen: Manolo Blahniks Kreationen. Jahrzehntelang war Gründer Manolo Blahnik das Aushängeschild der Luxusheels und das Gesicht des Unternehmens. Doch seit 2013 ist es eine Frau, die die Geschicke des Imperiums als CEO bestimmt: Kristina Blahnik, Manolos Nichte. Immer an ihrer Seite ist der mittlerweile 83-jährige Onkel Manolo. Mit ihm trifft sie sich regelmäßig zum Familiendinner, um über Berufliches zu sprechen. Und über das, was die beiden ebenso eng verbindet: Ihre Liebe zu Hunden und zum Renovieren alter Häuser. Kein Wunder, dass Kristina auch für Architektur brennt. Die heute rund 50-Jährige (ihr genaues Alter ist nicht bekannt) studierte in Cambridge Architektur und gründete ein eigenes Architektur-Büro.
Perfektion
Bestickte »Pancrabonu Slingback-Sandalen« sind Teil der alktuellen Kollektion von Manolo Blahnik.
manoloblahnik.com
Die Geschichte neu erzählen
2009 stieg sie schließlich ins Familienbusiness ein, das sie wenige Jahre später übernahm. »Ich dachte mir, wir müssten unsere Geschichte neu erzählen. Ich sah das Potenzial, etwas zu ändern, und wollte das nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie tun, um zu helfen. Und dann wollte ich einfach schauen, was mit mir passiert. Ursprünglich sollten es nur sechs Monate sein. Seitdem habe ich nie zurückgeschaut«, erinnert sich Kristina in einem aktuellen Interview in einem deutschen Fashion-Magazin.
Manolo ist nach wie vor der kreative Visionär des Unternehmens – er ist Creative Director und sitzt im Vorstand. Wie sehr sich bei ihm Kunst und Handwerk vereinen, zeigt sich in der aktuellen Winterkollektion. Sie wurde von den Landschaften der Serengeti ebenso inspiriert wie von künstlerischen Impulsen, zum Beispiel den Abschüssen des amerikanischen Fotografen Irving Penn. Erd- und Kupfertöne treffen dabei auf Patchwork-Optik – und Pantoletten werden mit dekorativen Plissee-Details verziert.
Kristina führt das Unternehmen durch Expansion und Digitalisierung – und bewahrt die Seele der Marke. »Ich fühle mich privilegiert, diese Gelegenheit erhalten zu haben«, sagt sie in Harper’s Bazaar India. »Das Erbe meiner Mutter und meines Onkels, das sie in den letzten 55 Jahren aufgebaut haben, zu bewahren und dafür zu sorgen, dass es in seiner reinsten Form erhalten bleibt, wobei die Weiterentwicklung Teil dieser Reise ist, ist mir wirklich wichtig.«
Perfektion
Auch die Pumps »Harnicus« aus Spitze mit Leder sind Teil der aktuellen Kollektion.
manoloblahnik.com
Ein Name, der Legende ist
Blahnik leitet einen Familienbetrieb, dessen Entwürfe in Museen gezeigt werden und der Legendenstatus hat. Was ihr dabei wichtig ist, wie sie immer wieder betont: Keine Verwalterin der Vergangenheit zu sein. Sie möchte in die Zukunft blicken, neue Kreationen schaffen und dabei nach wie vor auf Qualität, Zeitlosigkeit und Handwerk setzen.
In ihrer heutigen Rolle richtet Kristina Blahnik den Fokus konsequent auf handwerkliche Präzision, Qualität und künstlerische Tiefe. Sie selbst beschreibt in einem Gespräch mit Glamour UK die Produkte der Marke nicht als Mode, sondern als Kunstobjekte: »Es soll ein Kunstwerk sein, eine Skulptur, deshalb bin ich der Meinung, dass wir keine Mode sind. Wir würden uns niemals als Modemarke bezeichnen.« Schnelle Trends? Wurden und werden von der Brand stets verweigert – ein bewusster Gegenentwurf zu einer Branche, die sich immer schneller dreht.
Unabhängigkeit, die für Kreativität sorgt
Was Kristinas Führung auch auszeichnet: In einer Zeit, in der viele kleine Modehäuser in globalen Konzernen aufgehen, bleibt Manolo Blahnik nach wie vor unabhängig – ein Statement von seltener Konsequenz. »Unsere private und berufliche Nähe basiert auch auf unserer Freiheit. Weil wir weiterhin in Privatbesitz sind und keine Anforderungen erfüllen müssen, die nicht auf unseren eigenen Entscheidungen basieren. Es gibt uns die Möglichkeit, in unseren Gesprächen und unserem Denken so kreativ und offen zu sein, wie wir können«, so Blahnik weiter.
Die Marke ist nicht nur ein Logo, sondern ein Familienbild, wie sie sagt: eine Geschichte, die sie behutsam weiterträgt. Für die Zukunft setzt die Beauty auf kontrolliertes Wachstum, digitale Transparenz und die Vermittlung der handwerklichen Prozesse, die die DNA ihres Hauses ausmachen. Projekte wie das virtuelle Archiv »The Craft« öffnen den Blick in Werkstätten, Materialien und Techniken. Kristina Blahnik steht exemplarisch für eine neue Generation weiblicher Führungskräfte im Luxussegment: strategisch, werteorientiert, handwerksverliebt. Ihr Blick ist nicht auf den schnellen Applaus gerichtet, sondern auf ein Erbe, das bleiben soll. Eine Haltung, die in der schnelllebigen Modewelt der Gegenwart relevanter erscheint denn je.