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© Getty Images/Antoine Flament

Herbstmode: The Glow must go on

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Trend Alert

Hereinspaziert, Manege frei fürdie neue Wintermode. Es wird spektakulär. Farben wie ein Feuerwerk! Artistische Silhouetten! Und das Karussell der Modemacher:innen dreht Pirouetten.

Sag mir schnell: Wie heißt der neue Kreativ-Direktor von Chanel? Der von Gucci? Dior? Balenciaga? Versace? Jil Sander? Bottega Veneta? Selten zuvor ist das Designer:innen-Karussell so durchgewirbelt worden wie in dieser Saison. September 2025 (mit der Mode-Preview für Frühjahr/Sommer 2026) war der größte und richtungsweisendste Mode-Monat seit vielen Jahren. All die neuen Namen! Matthieu Blazy, Demna, Jonathan Anderson, Pierpaolo Piccioli, Michael Rider, Dario Vitale, Simone Bellotti, Louise Trotter  ... sind Ihnen denn alle bekannt? Wenn ja, sind Sie – wahrscheinlich – eine glückliche und leidenschaftliche Fashionista. Und damit – leider – eine aussterbende Spezies. Denn Mode ist aus der Mode gekommen. Konsum ist out!

Die Branche befindet sich im perfekten Sturm. Konsument:innen sind zurückhaltend wegen Krieg und Krise. Die Preise gehen seit Jahren durch die Decke, sodass das Wort »verrückt« buchstäblich stimmt. On top: In den – oft nicht sehr inspirierenden – Geschäften lauern oder lungern verzweifelte Verkäufer:innen, auch online stockt es. Und doch hat jede Frau, gerade jetzt im Spätjahr, Lust auf etwas Neues. Und es gibt News. Schon für diesen Herbst. Neue Farben, von Gewürz-Töne bis Juwelen-Farben. Neue Silhouetten von Eighties-oversized bis scharf tailliert. Der Teddy Coat hat Konkurrenz bekommen und in Sachen Taschen gibt’s ein großes Revival. In Paris geriet die viel erwartete Premieren-Kollektion von Matthieu Blazy für Chanel zu einem gigantischen Triumph. Es war nicht nur für das Haus Chanel ein Meilenstein. Sondern für die gesamte Luxus-Branche.Die Show war eine Lektion in Sachen Kreation, Innovation, Werktreue – und vor allem: All Ages! Kein schrilles Gen Z-Spektakel, sondern wirklich schicke Angebote für jedes Alter und jede Gelegenheit.Und falls Sie die neuen Designer:innen NICHT kennen sollten: Sie sind nicht alleine! Sie erhielten unterschiedlichste Bewertungen und die Zeit wird zeigen, wer sich durchsetzt. Willkommen im Club der Normalo-Konsument:innen, denen der neueste Designer:innen-Name weniger wichtig ist als nachhaltiger Stil. Die vielleicht nicht -immer das Neueste, aber stets das Beste wollen. Und genau das zeigen wir Ihnen auf den nächsten Seiten!

Tasche Macht Image

Die »Mini-Kelly« von Hermès ist die derzeit angesagteste Tasche des Planeten. In Weiß oder Schwarz ist sie quasi unmöglich zu ergattern. Sogar die Warteliste ist überfüllt. Neu kostet die »Mini-Kelly« 7.500 Euro, aber bringt im Wiederverkauf direkt 25.000 Euro – der aktuelle Schwarzmarktpreis in München. Was für eine Wertsteigerung! Es lohnt sich in Taschen zu investieren!  Schon wegen des Images. Taschen sprechen – ohne Worte! Die ebenfalls nur über Connections (und viele E-Mails) erhältliche »Smile« von Celine ist heiß begehrt. Wer sie trägt? Honorable Fashion-Pros, early Adopter, coole Frauen mit Weitblick. Auch die »Jackie« von Gucci kann sich sehen lassen. Ich bin der klassische Typ, schätze zeitloses Design und gehe definitiv nicht zur Arbeit, denn die »Jackie« ist das Gegenteil einer Business-Tasche. Die »Paddington« von Chloé feiert gerade ein Revival und ist, wie die »Smile« übrigens auch, ursprünglich entworfen von Phoebe Philo – eine Art Clubausweis goldener Töchter und ambitionierter Berufseinsteigerinnen. Und apropos Beruf: die Autorin dieser Zeilen erkor soeben die Prada »Buckle« als neue Laptop-Tasche, in die ihr Macbook Pro (auf dem diese Zeilen entstehen) ideal hinein passt.

Celine

© Celine

Hermès

© Hermés / Feng Li

Hermès

© Hermés / Feng Li

Celine

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Brunello Cucinelli

© Brunello Cucinelli

Schuh-bi-Du

In Mailand spreche ich mit Schuh-Designerin Arianna Casadei von Casadei über den Absatz ihrer Absätze. Tatsächlich sind hohe Hacken sexy, aber selten. »Die Frauen haben sich in den Corona-Jahren die Stilettos abgewöhnt«, sagt die Unternehmerin – deshalb gibt’s überall: Kitten Heels. Kleine, maximal 5 cm hohe Absätze in Form eines Kätzchens. Ein schicker Kompromiss aus bequem und feminin. Es ist nicht zu vermeiden, aber an dieser Stelle müssen wir (nochmals) über die Investition in Schuhe sprechen. Designer-Pumps und -Stiefel sind alles andere als eine Mezzie, bei Stiefel ist es keine Ausnahme, dass die 1000-Euro-Grenze überschritten wird. Warum gehen wir nicht alle zu Zara oder H&M, da gibt es ähnliche Modelle für ein Zehntel. Aber gerade bei Schuhen, in denen wir den ganzen Tag durchstehen, ist die Qualität wichtig. Der richtige Leisten, hochwertiges Leder, genäht und nicht geklebt. Dazu kommt: Originalität zählt. Die Dior-Kopie beim Billigheimer ist ein Billigheimer und exakt so fühlt man sich damit auch. Wie ein Billigheimer. Gut, dass Schuhmode sich nur allmählich ändert, damit kauft man weniger, trägt sie länger und spart damit Geld.

Die Trends

Wenn es um Stiefel geht, ist die Auswahl gigantisch. Reiterstiefel zum Beispiel - sie werden zu femininen Röcken als unerwarteter Kontrast gestylt. Die Design-Nuancen sind marginal – die Preisunterschiede gewaltig. Overknees (mit und ohne Absätze) funktionieren mit Hosen und Kleidern. Sie sind fantastisch für erwachsene Frauen, die ihre Beine im Mini zeigen wollen – aber ohne Haut! Loafer hingegen sind die Winner im Winter, kein:e Designer:in kommt daran vorbei. Ikonisch sind jene von YSL mit der eingelesenen Moc Toe Zehenpartie. Auch Plateau-Sohlen feiern ein Comeback. In der rustikalenVersion von Prada oder die Glam-Sandalette von Jimmy Choo, Dior oder Aquazzura.

Aquazzurra

© Aquazzurra

Aquazzurra

© Aquazzurra

Sergio Rossi

© Sergio Rossi

Le Silla

Foto beigestellt

Modeschmuck . . .

. . . ist auf jedem Laufsteg unterwegs. Was wäre das gefeierte Celine-Debüt im Frühjahr ohne die Charms, Seidentücher, Kreolen, Ringe, Gürtel, Ketten, Caps gewesen? Ja, es ist eine regelrechte Power-Accessorisierung ausgebrochen, auch Taschen, Schuhe und Gürtel  haben jetzt eigene Anhängerchen. Das sieht süß und jugendlich aus und ist ein Trend, der in jeder Preislage erhältlich ist. Die Autorin dieser Zeilen hat nach Jahren puristischer Zurückhaltung die Magie von großen, massiven und dekorativen goldenen Ohrringen entdeckt. Sie bringen das Gesicht zum strahlen – auch wenn es sich um Modeschmuck handelt!

Die Sonnenbrille

Aufsetzen, zack, ein neuer Look. Sonnenbrillen sind das schnellste Fashion-Statement und ändern in Sekundenschnelle die komplette Optik. Und sie sind ein guter Einstieg in die Welt der Luxus-Designer:innen. Eine Sonnenbrille von Bottega Veneta, Gucci oder Celine kann ich mir immer noch gerade so leisten. Es gibt wenige Hersteller: Kering Eyewear, Luxottica, Marcolin, Safilo ... aber unendlich viele Styles. Derzeit ikonisch: Pilotenbrillen, Modelle mit gelben Gläsern, Cateye.

Hat-Trick

Hüte sind sicher die neuen Runway-Prinzen, aber auch auf Insta und TikTok omnipräsent. Ein Hut schenkt maximale Aufmerksamkeit. Von Fedora bis Pillbox ist die Auswahl groß – und wirkmächtig. Ein Top-Investment!

Chloé

© Chloé

Mantel Update

Teddy Coat oder gibt’s da was Neues? Na klar, wie wir hier sehen.

Soll ich noch einen Teddy Coat kaufen? Die Ära der Teddy Coats geht nach 15 fantastischen Jahren langsam zu Ende und die Frage ist: What's next? Der Mantel ist die teuerste Investition im Kleiderschrank. Andererseits: im Mantel kommt man – buchstäblich – an. Er ist die erste Visitenkarte.

Bomberjacke von Chloé. Der coole Newcomer. O-Form, Ripp-Bündchen, zu Hosen und Röcken einsetzbar.

© Chloé

Puffer Coat von Moncler. Achtung, Missverständnis: ein »Steppmantel« ist jung, cool, sportlich, ein (echter) »Daunenmantel« dazu noch praktisch und warm. Gleiche Optik, ­andere Füllung.

© Moncler

Bikerjacke von Saint Laurent. Noch ein Revival. In typischer 90er-Jahre Perfecto Optik aus derbem Leder.

© Getty Images/ Antoine Flament

Trenchcoat von Balenciaga. Revival des Militär-Klassikers. Es ist DER Mantel du jour, oft voluminös, wadenlang, aus Gabardine oder Kord.

© Getty Images/PPenske Media

Blazermantel von Max Mara. Aus festem Cashmere oder gewalkter Wolle, immer zweireihig, ­wadenlang und maskulin.

© Getty Images/ ANDREAS SOLARO

Camel Coat von Ralph Lauren. Bademantel-Silhouette aus butterweichem Doubleface in den Kalo­rien-Farben Nougat, Sahne, Karamell.

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Blusen Wunder

Die Bluse, der brave Business-Klassiker, wird zum Fashion-It-Piece.

Weiße Blusen, Streifenblusen, Seidenblusen, Chiffonblusen, Baumwollblusen, Flanellblusen, Karoblusen ... die Liste ist so lang wie die Silhouetten unterschiedlich. Von schmal bis entspannt, von Stehkragen bis Schluppe. Nicht nur Spezialist:innen wie Seiden-sticker:innen liefern Blusen, sondern auch die großen Designer:innen. Brunello Cucinelli hatte eine komplette Blusen-Kapsel! Ganz klar: Die Bluse ist der Gewinner der neuen Saison. Aber: Nicht im Business-Kontext unter dem Blazer einsetzen. Sondern als Solitär für abends, Wochenenden und für stilvolle Anlässe.

Brunello Cucinelli

© Brunello Cucinelli

Brunello Cucinelli

© Brunello Cucinelli

Ralph Lauren

© Getty Images/ Dia Dipusil

Ralph Lauren

Fotos: Getty Images/ANGELA WEISS

Pump Up the Volume

Powerschultern, extralange Hosen, Volumen-Mäntel – Oversize ist die Silhouette der Saison.

Endlich was Neues! Die Branche hat lange darauf gewartet, jetzt tut sich was. Die Silhouette wächst. Und wächst. Und wächst. Mäntel, Jacken, Tops, alles kommt in coolem Oversize-Modus daher. Hosen sind so lang, dass sie auf dem Boden schleifen. Blazer haben breite Powerschultern wie in den 80ern. Mäntel sind weit wie ein Zelt. Elegant ist das vielleicht nicht, aber der Hot Shit, mit dem man – dosiert verabreicht – seine konventionelle Garderobe supermodisch auftun kann. Viel Spaß dabei!

Saint Laurent

© Getty Images/ Antoine Flament

Saint Laurent

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Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 2/2024

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Annette Weber
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