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Das »Schwammstadt-Prinzip«: 5 Projekte gegen Überhitzung und Starkregen

Architektur
Hitze
Wasser
Nachhaltigkeit

Zwischen Wien, Graz, Linz und Amstetten zeigen diese fünf Projekte, wie sich Regenwasser im Stadtraum speichern, Hitze abfedern und Städte widerstandsfähiger gegen Starkregen machen lassen.

Das Prinzip »Schwammstadt«

»Schwammstadt« klingt zunächst nach Fachbegriff, beschreibt aber ein Prinzip, das für die Zukunft unserer Städte zentral wird: Regenwasser soll nicht möglichst schnell abgeleitet, sondern dort, wo es fällt, gespeichert und nutzbar gemacht werden. Unter Straßen, Plätzen und Gehwegen entstehen dafür speicherfähige Schichten, die Wasser aufnehmen, Wurzeln versorgen und den Stadtraum bei Hitze entlasten.

© 3:0 Landschaftsarchitektur

So verbindet das Konzept zwei drängende Herausforderungen zugleich: Kühlung in Trockenphasen und Entlastung der Infrastruktur bei Starkregen. Gerade in dicht bebauten Städten, in denen versiegelte Flächen, aufgeheizte Straßenzüge und fehlende Versickerungsmöglichkeiten zunehmend zum Problem werden, gewinnt diese Logik an Bedeutung. Denn wo Wasser im System bleibt, profitieren nicht nur Bäume und Begrünung, sondern auch Aufenthaltsqualität, Mikroklima und letztlich die Widerstandsfähigkeit des gesamten Stadtraums.

1. Wien, Seestadt Aspern: Schwammstadt im Quartiersmaßstab

Wie konsequent das Prinzip gedacht werden kann, zeigt die Seestadt. Im Quartier »Am Seebogen«, der den erster flächendeckender Ausbauschritt der »Schwammstadt« bezeichnet, wird Regenwasser nicht bloß abgeleitet, sondern gezielt im System gehalten. Besonders anschaulich wird das in den Regengärten rund um den Elinor-Ostrom-Park und den Hannah-Arendt-Park, wo Wasser gesammelt und langsam versickert. Interessant ist hier vor allem der Maßstab: Das Thema erscheint nicht als technische Einzelmaßnahme, sondern als Teil einer größeren Idee von klimafitter Stadtentwicklung.

2. Graz, Leonhardgürtel: ein Straßenumbau mit Langzeitwirkung

Dass die »Schwammstadt« nicht nur auf der grünen Wiese funktioniert, sondern auch im Bestandsraum, zeigt Graz. Am Leonhardgürtel ist der erste Abschnitt einer beispielhaften klimaaktiven Straßengestaltung fertiggestellt. Versickerungsfähige Baumscheiben und Einlaufschächte leiten Regen- und Schmelzwasser nun direkt zu den Bäumen. Die Wirkung entfaltet sich dabei doppelt: bessere Bedingungen für Wurzeln und Wachstum auf der einen Seite, Entlastung von Kanal und Kläranlage bei Starkregen auf der anderen. Darin liegt die Qualität solcher Projekte — sie verbessern nicht nur das Stadtbild, sondern auch die städtische Infrastruktur im Hintergrund.

3. Linz, Martin-Luther-Platz: Klimaanpassung mitten in der Innenstadt

In Linz wird das Thema 2026 an prominenter Stelle sichtbar. Mit dem geplanten Baustart am 7. April werden Martin-Luther-Platz und Johann-Konrad-Vogel-Straße neu gedacht: mit Entsiegelung, neuen Bäumen, Trinkbrunnen und Baumstandorten nach dem Schwammstadt-Prinzip. Am Platz selbst entsteht eine versickerungsfähige Schotterfläche mit neun Gleditschien, dazu kommen zwölf Pflanzbeete mit Ulmen. Die Fertigstellung ist laut Stadt bis Ende Oktober vorgesehen. Für den urbanen Alltag ist das besonders interessant, weil hier Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität bewusst zusammengeführt werden

4. Amstetten, Hauptplatz und Rathausstraße: große Wirkung im Zentrum

Auch Amstetten zeigt, wie stark das Prinzip in kleineren Städten wirken kann. Mit der Neugestaltung von Hauptplatz und Rathausstraße entstand laut Stadt die größte Schwammstadt Niederösterreichs. Rund 90 Bäume, von denen 74 neu gepflanzt wurden, spenden zukünftig Schatten und bringen angenehmere Temperaturen. Gerade dieses Beispiel macht deutlich, dass das Schwammstadt-Prinzip weit mehr ist als ein Spezialthema für Metropolen. Wo Regenwasser direkt den Bäumen zugutekommt und der Untergrund als Speicher mitarbeitet, verändert sich nicht nur die technische Performance eines Platzes, sondern auch seine Aufenthaltsqualität enorm.

5. Wien, Anitta-Müller-Cohen-Platz: vom Vorplatz zur klimafitten Stadtoase

Auch am Haus der Wiener Wirtschaft zeigt sich, wie präzise das Schwammstadt-Prinzip in einen stark versiegelten Stadtraum übersetzt werden kann. Der von 3:0 Landschaftsarchitektur entwickelte Vorplatz am Anitta-Müller-Cohen-Platz wurde 2021 im Wettbewerb ausgezeichnet und 2022 fertiggestellt; rund 550 Quadratmeter Betonsteinpflaster wichen dabei Pflanzinseln und wasserdurchlässigen Oberflächen. Neue Baumgruppen, 23 Sitzplätze, ein Trinkbrunnen und ein im Pflanzbeet integriertes Nebeldüsenfeld verbinden hier Kühlung, Aufenthaltsqualität und Regenwassermanagement.

Warum diese Projekte wichtig sind

Die fünf Beispiele zeigen, dass die »Schwammstadt« in Österreich längst keine abstrakte Zukunftsidee mehr ist. Das Prinzip findet im neuen Stadtquartier ebenso Anwendung wie in Bestandsstraßen, Innenstadtplätzen und kleineren Zentren. Gerade deshalb ist es so relevant: Weil es Überhitzung, Wassermanagement und Aufenthaltsqualität nicht getrennt denkt, sondern als gemeinsame Aufgabe des Stadtraums.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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