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Nederlands Fotomuseum – restored warehouse interior © Photo Studio Hans Wilschut

Hotspot Rotterdam: Das »Nederlands Fotomuseum« im renovierten Santos-Gebäude

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Mehr Raum, mehr Öffentlichkeit, mehr Zukunft: Am 7. Februar 2026 eröffnet das »Nederlands Fotomuseum« im frisch renovierten »Santos«-Gebäude – ein architektonisches Juwel, das Geschichte und Gegenwart der Fotografie eindrucksvoll vereint.

Ein Haus für über 6,5 Millionen Bilder

© Frits J. Rotgans/Nederlands Fotomuseum

Seit seiner Gründung im Jahr 2003 bewahrt das Nationale Fotomuseum der Niederlande das fotografische Erbe des Landes. Inzwischen umfasst die Sammlung über 6,5 Millionen Aufnahmen. Damit zählt es zu den bedeutendsten Fotoarchiven weltweit. Das Spektrum reicht von frühen Daguerreotypien – Aufnahmen aus dem 19. Jahrhundert, die zu den ersten Fotografien überhaupt gehören – bis hin zu zeitgenössischen digitalen Arbeiten.

Vali Myers Parijs 1951 © Ed van der Elsken (1925-1990)
Cas Oorthuys, Vondelingenweg, 1957- 1958 Nederlands Fotomuseum © Cas Oorthuys/Nederlands Fotomuseum
Portret Kroonprins Yogyakarta Indonesie 1883-1890 Kassian Cephas © Kassian Cephas/Nederlands Fotomuseum
Portret Afro Surinaams Meisje Europese Kinderen Paramaribo 1906 Augusta Curiel © Augusta Curiel/Nederlands Fotomuseum

Herausragend sind ganze Archive von Fotogrößen wie beispielsweise Ed van der Elsken oder Cas Oorthuys. Ergänzt wird das Panorama durch seltene Aufnahmen aus den ehemaligen Kolonien – etwa die Hofporträts von Kassian Céphas in Yogyakarta oder Arbeiten von Augusta Curiel aus Suriname.

»Gallery of Honour«: das Herz der niederländischen Fotografie

Saskia (Aged 8), 1995 From Mind of their Own, 1995 © Erwin Olaf (1959-2023)
Tupac Shakur, 1993 © Dana Lixenberg (1964)
D.N.A. 2007 Viviane Sassen © Viviane Sassen/Nederlands Fotomuseum

Ein besonderes Highlight ist die kuratierte »Gallery of Honour of Dutch Photography«. Sie ist ein Streifzug durch die Geschichte der Fotografie in den Niederlanden von 1839 bis in die Gegenwart. In diesen Räumen werden 99 ikonische Werke gezeigt, die sowohl künstlerisch als auch gesellschaftlich prägend waren – darunter Werke von Erwin Olaf, Dana Lixenberg und Viviane Sassen.

Die Eröffnungsausstellungen

Delfshaven, 1910 © Wouter Cool Stadsarchief Rotterdam

Passend zum Neubeginn stellt sich auch Rotterdam selbst ins Rampenlicht: Die Ausstellung »Rotterdam in Focus: The City in Photographs 1843 – Now« zeigt über 300 Fotografien aus fast zwei Jahrhunderten Stadtgeschichte. Von dokumentarischen Momentaufnahmen bis zu poetischen Stadtporträts – Werke von Hans Aarsman, Eva Besnyö, Otto Snoek, Helena van der Kraan, Iwan Baan und vielen anderen zeigen, wie sich die Stadt immer wieder neu inszeniert. Kuratiert wurde die Schau von Frits Gierstberg und Joop de Jong und ist bis zum 24. Mai 2026 zu sehen.

Suzette Bousema, Future Relics 40, 2025 © Suzette Bousema
State Of Flux Detail, 2022 Marijn Kuijper © Marijn Kuijper/Nederlands Fotomuseum

In der zweiten Eröffnungsausstellung »Awakening in Blue: An Ode to Cyanotype« widmet sich das Fotomuseum einer der poetischsten Techniken der Fotografiegeschichte: der Cyanotypie. Das charakteristische Tiefblau, entstanden durch Sonnenlicht und Eisenverbindungen, trifft hier auf zeitgenössische Perspektiven. Fünfzehn internationale Künstler:innen greifen das analoge Verfahren auf und verweben es mit neuen Medien, performativen Elementen und Materialien – mal zart, mal radikal.

Für das konzeptuelle Setting sorgte MAISON the FAUX. Das niederländische Kollektiv, bekannt für seine Arbeiten an der Schnittstelle von Mode, Raum und Performance, hat der Schau eine ebenso körperliche wie atmosphärisch dichte Gestaltung verliehen. Die Ausstellung ist bis zum 7. Juni 2026 zu sehen.

Das neue »Santos«-Gebäude

Santos warehouse, Rotterdam Designed by Architects J.P. Stok & J.J. Kanters © Graafland, 1917
Nederlands Fotomuseum – atrium and central stairwell © Photo Studio Hans Wilschut
Nederlands Fotomuseum © Photo Studio Hans Wilschut
Nederlands Fotomuseum – semi- transparent ‘crown’ façade © Photo Studio Hans Wilschut

Das neue Zuhause ist ein architektonisches Juwel: Der »Santos«-Speicher, errichtet zwischen 1901 und 1902 von den Rotterdamer Architekten J.P. Stok Wzn und J.J. Kanters, gilt als architektonisches Meisterwerk der frühen Lagerhausmoderne.

Einst als Kaffeelager für Importe aus der brasilianischen Stadt Santos konzipiert, wurde das denkmalgeschützte Gebäude behutsam revitalisiert – mit zwei aufgestockten Etagen und einer semitransparenten Krone, die einen zeitgemäßen Kontrapunkt zur historischen Substanz setzt.

Neben großzügigen Ausstellungsflächen bietet das neue Haus aber auch einen Blick hinter die Kulissen: Glaswände erlauben Blicke in die Restaurierungsateliers, in denen Negative, Alben, Kameras und Abzüge katalogisiert, digitalisiert und restauriert werden. Wissen wird hier nicht nur bewahrt, es wird geteilt.

Die Neugestaltung stammt vom Hamburger Büro RENNER HAINKE WIRTH ZIRN ARCHITEKTEN in Zusammenarbeit mit WDJARCHITECTEN aus Rotterdam. Realisiert wurde das Projekt von Burgy Bouwbedrijf.

Decoratief Amsterdam Damrak Stationsplein 1906 Bernard F. Eilers © Bernard F. Eilers/Nederlands Fotomuseum

Zwischen fotografischem Erbe und experimentellen Neuzugängen eröffnet das »Nederlands Fotomuseum« im »Santos«-Gebäude ein neues Kapitel. Wer durch die lichtgedämpften Räume flaniert, in der Bibliothek blättert oder beim Kaffee auf der Dachterrasse das Hafenquartier zwischen Katendrecht und Afrikaanderwijk schweifen lässt, spürt: Hier geht es nicht nur um Bilder – hier geht es um Erinnerungen, Identität und Zukunft.

Sebastian Krebitz
Sebastian Krebitz
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