»Kunst, die Eindruck macht«: Das Auktionshaus Dorotheum
Wer sich dem Kunstsammeln widmet, muss sein Gebot nicht automatisch für Öl auf Leinwand abgeben – denn auch Editionen haben einiges zu bieten. Was das Sammeln dieser so spannend macht, erklären die Expert:innen des renommierten Auktionshauses Dorotheum.
Die ersten Schritte in der Welt des Kunstsammelns führen viele oft zunächst zum Naheliegenden: der Malerei. Dass allerdings gerade Editionen – in Auflage hergestellte und zumeist nummerierte Druckgrafiken oder Kunstobjekte, sogenannte Multiples – ein äußerst spannendes Sammelgebiet darstellen, ist vielen anfangs oft gar nicht bewusst. Kenner:innen wissen allerdings längst um die Begehrlichkeit solcher Werke, die mit eigenständigen Qualitätskriterien und Regeln aufwarten. Elisabeth Wallner und Raphael Achterberg, Expert:innen für moderne und zeitgenössische Druckgrafik im Dorotheum, verraten im Gespräch mit Falstaff LIVING, was Editionen für Sammler:innen so spannend macht.
LIVING: Warum eignen sich gerade Editionen für den Aufbau einer Sammlung?
Elisabeth Wallner: Der große Reiz liegt in ihrer Bandbreite, darin, dass man sich auf so vieles spezialisieren kann, etwa auf Epochen, bestimmte Techniken oder Künstlergruppen. Man hat immer die Chance, auch Werke großer Namen wie Keith Haring und Andy Warhol in einem Preisbereich zu finden, den man sich leisten kann. Da es Auflagen gibt, hat man außerdem Referenzwerte für Preise.
Kunst in Auflage
Die Gattung der Druckgrafik überzeugt vor allem mit Vielseitigkeit – wie relevant sie auch auf kunsthistorischer Ebene ist, zeigt etwa Keith Harings »International Youth Year«.
© DOROTHEUMWie lässt sich der Wert einer Edition denn bestimmen?
Raphael Achterberg: Es zählen künstlerische Qualität, Seltenheit, kunsthistorische Stellung, das Ungewöhnliche – es ist ein Mythos, dass ein Werk, bloß weil es mehrere Exemplare gibt, weniger wert ist. Als Beispiel: Wir haben kürzlich einen Holzschnitt von Wassily Kandinsky zum Rufpreis von 120 Euro auktioniert – eine posthume Edition aus einer Zeitschrift. Zugleich haben wir im aktuellen Katalog einen selbst gedruckten, frühen Kandinsky-Holzschnitt zum Startpreis von 36.000 Euro. Der hat aber auch eine ganz andere Präsenz. Dennoch: In beiden Fällen besitzt man einen Kandinsky.
Elisabeth Wallner: Ein weiterer Mythos ist, dass niedrige Nummern, Hors-d’Commerce-, Druck- oder Künstlerexemplare mehr wert seien. Zwischen den Exemplaren mit der Nummer 1 und beispielsweise Nummer 100 gibt es in der Regel keinen qualitativen Unterschied.
Raphael Achterberg: Aber: Es gibt nichts, das immer gültig ist! Es kann sein, dass der Künstler spätere Exemplare plötzlich anders bearbeitet – oder überhaupt nur ganz kleine Auflagen mit differierender Farbgebung druckt. Auch Fehldrucke können sehr begehrt sein. Das alles hat Einfluss auf den Wert.
Welchen Rat geben Sie angehenden Sammler:innen?
Raphael Achterberg: Zunächst: nicht überhastet etwas kaufen, sondern sich wirklich eingehend mit Druckgrafiken oder Multiples beschäftigen. Etwa, indem man in Ausstellungen geht oder sich das Angebot der Auktionshäuser ansieht – ohne den Anspruch, sofort etwas zu kaufen.
Elisabeth Wallner: Man muss kein Spezialist werden, aber es lohnt sich, sich zunächst auf etwas Bestimmtes, ein Thema oder eine Technik, zu konzentrieren und sich einzulesen. Ich rate davon ab, rein auf Preissteigerung zu sammeln. Man sollte herausfinden, was einem persönlich gefällt – und Freude macht.
»Editions«
Online-Auktion | Dorotheum Wien
10. Juni 2026, 16 Uhr