Helsinki: »Katajanokan Laituri« zeigt die Zukunft urbaner Holzarchitektur
In Helsinki zeigt »Katajanokan Laituri«, wie ein massiver Holzbau Büro, Hotel, Gastronomie und öffentliche Räume am Hafen zu einem neuen Stück Stadt am Meer macht.
Helsinki arbeitet weiter an seiner Beziehung zum Wasser. Auf der Halbinsel Katajanokka, wo früher industrielle Hafenflächen das Stadtbild prägten, setzt »Katajanokan Laituri« ein neues Zeichen. Der von Anttinen Oiva Architects entworfene Bau verbindet Holzarchitektur, Hotelnutzung, Büroflächen und öffentlich zugängliche Bereiche zu einem Projekt, das als Stück Stadt am Meer gedacht ist.
Dass Finnland 2026 bereits zum neunten Mal in Folge als glücklichstes Land der Welt ausgezeichnet wurde, passt zu diesem Verständnis von Lebensqualität: Sie entsteht auch über Stadträume, die Natur, Alltag und Öffentlichkeit zusammendenken. Der Name verweist direkt auf die Lage des Hauses. »Katajanokan Laituri« bedeutet sinngemäß »Kai von Katajanokka«. Katajanokka ist die Halbinsel am Hafen von Helsinki, auf der das Gebäude liegt, während »laituri« im Finnischen Kai, Pier oder Anleger bedeutet.
Das Haus wurde als erster Neubau an diesem Abschnitt der ehemaligen Katajanokka-Waterfront realisiert und soll den Wandel des Areals zu einem offenen urbanen Raum einleiten. Die Lage ist sensibel. Auf der einen Seite steht Helsinkis maritime Stadtsilhouette, auf der anderen die gewachsene Struktur der Halbinsel. »Katajanokan Laituri« reagiert darauf mit einer gefalteten, bewegten Fassade, die den Baukörper optisch gliedert und seine Größe an die Umgebung anschließt.
Holzbau im großen Maßstab
Im Kern ist »Katajanokan Laituri« ein massiver Holzbau mit rund 23.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Vier oberirdische Geschosse, ein Untergeschoss für Technik und Parken sowie eine öffentlich zugängliche begrünte Dachterrasse bilden die Grundstruktur. Genutzt wird das Gebäude unter anderem als neuer Hauptsitz des nordischen Forstunternehmens Stora Enso. Die andere Hälfte belegt das Solo Sokos Hotel Pier 4. Im Erdgeschoss öffnen sich Foyer, Restaurant, Café und Konferenzflächen zur Stadt. Die Konstruktion zeigt, wie weit Holzbau heute über das klassische Wohnhaus hinausgeht. Der Rahmen besteht aus rund 7.600 Kubikmetern Fichte und etwa 2.500 Holzelementen. Für die Stützen und Fassadenstruktur wurde LVL verwendet, die aussteifenden Innenwände, Treppenhäuser, Liftschächte sowie Dach- und Deckenelemente bestehen aus CLT. So entsteht ein Gebäude, das industrielle Vorfertigung mit architektonischer Präzision verbindet.
Eine Fassade zwischen Schutz und Stadtbild
Besonders prägend ist die doppelte Fassadenstruktur. Eine äußere Schicht aus Glas, Aluminium und Granit schützt die sichtbaren Holzelemente vor dem maritimen Klima. Gleichzeitig verändert diese Hülle die Wirkung des Gebäudes je nach Licht, Wetter und Jahreszeit. Der hellgraue Granit knüpft an das urbane Umfeld an und taucht nicht nur außen, sondern auch im Inneren und in den angrenzenden Freiflächen auf. Im Inneren bleibt das Holz bewusst sichtbar. Fichtenstrukturen, Details aus Fichte und Esche sowie natürliche Materialien prägen die Räume. Der Entwurf setzt auf Langlebigkeit, Anpassungsfähigkeit und Materialien, die mit der Zeit an Charakter gewinnen. Für ein Gebäude, das Hotel, Büro und öffentliche Funktionen vereint, ist diese Flexibilität entscheidend.
Natur auf dem Dach
Auch die Außenräume folgen einem klaren landschaftlichen Konzept. Im Innenhof befindet sich ein Birkenhain, auf dem Dach erinnern begrünte Flächen an die Wiesen der finnischen Schärenlandschaft. Die öffentlich zugängliche Dachterrasse erweitert das Gebäude nach oben und macht aus dem Holzbau nicht nur einen Arbeits- und Aufenthaltsort, sondern auch einen neuen Aussichtspunkt am Wasser. Das Projekt reagiert zudem auf die Nähe zum Meer. Im Zuge des Baus wurden umfangreiche Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt. Als erster neu entwickelter Block an dieser Waterfront gibt »Katajanokan Laituri« damit auch eine Richtung für die künftige Umgestaltung des Ufers vor. Langfristig soll der Bereich vom Marktplatz bis zur Spitze von Katajanokka als durchgehender öffentlicher Stadtraum gestärkt werden.
»Katajanokan Laituri« zeigt, wie nachhaltige Architektur im größeren Maßstab aussehen kann, ohne sich auf technische Kennzahlen zu reduzieren. Der Bau arbeitet mit erneuerbaren Materialien, industrieller Vorfertigung und einer deutlichen Verbindung zur Umgebung. Gleichzeitig öffnet er ein bisher industriell geprägtes Areal für neue Nutzungen. So entsteht in Helsinki ein Gebäude, das mehrere aktuelle Fragen der Architektur berührt. Wie kann ein Holzbau groß genug für Büro und Hotel werden. Wie lassen sich Hafenflächen neu in die Stadt einbinden. Und wie kann ein Neubau zwischen Klimabewusstsein, öffentlichem Raum und architektonischer Präsenz vermitteln. »Katajanokan Laituri« gibt darauf keine einfache Antwort, aber ein überzeugendes Beispiel.
Projekt: »Katajanokan Laituri«
Ort: Helsinki, Finnland
Architektur: Anttinen Oiva Architects
Fläche: rund 23.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche
Nutzung: Büro, Hotel, Gastronomie, Konferenzflächen, öffentliche Dachterrasse
Hauptnutzer: Stora Enso Oyj und Solo Sokos Hotel Pier 4
Landschaftsarchitektur: Nomaji Landscape Architects
Interior Design Hotel: Franz
Fotocredit: Kalle Kouhia und Tuomas Uusheimo
Source: v2com