Keramik mit Seele: Wie handgefertigtes Steinzeug den Esstisch veredelt
Manufaktur statt Massenware: Handgefertigte Teller und Schüsseln aus Steinzeug setzen als Unikate individuelle Akzente – und verwandeln einfache Tafeln in pittoreske Tischlandschaften.
Handgefertigte Keramikerzeugnisse sein Eigen zu nennen, gehört mittlerweile fast schon zum guten Ton – sei es nun die Lieblingstasse mit ihrer körnig-natürlichen Textur oder die kleine Kollektion farbiger Teller aus Steinzeug, die man in einer kleinen Boutique entdeckt hat. Erzeugnisse regionaler Manufakturen in saisonalen Trendfarben versprechen diesen Herbst einzigartige Tischlandschaften. Kleine Marken aus Deutschland und Österreich wie Heigert & Möbs, Indre Ceramics oder Framboiselle stellen ihre Designs händisch her – und versprechen so Qualität und Nachhaltigkeit.
Den richtigen Ton finden
Geschirr aus Steinzeug hat in den letzten Jahren einen kleinen Aufschwung erlebt. So sammeln sich in kleinen Boutiquen limitierte Geschirrkollektionen lokaler Keramikerinnen. In der Spitzengastronomie wird Haute Cuisine auf ebenso exklusivem Gedeck arrangiert. Und auf Social Media werden unter den Hashtags »HandmadeCeramics« oder »Tablescape« Tafelszenen kreiert, in denen ästhetische Teller und Schüsseln die Hauptrolle spielen.
Gerade auf herbstlichen Tischen kommt das robuste Steinzeug besonders gut zur Geltung – denn fertig gebrannt zeigt sich der Ton, je nach Mineralanteil, nicht nur robust und alltagstauglich, sondern auch in wunderbar saisonalen Rot- und Brauntönen. Zumeist werden diese noch mit einer Farbglasur überzogen oder ergänzt; so etwa bei Heigert & Möbs. Das Keramikstudio aus München, gegründet 1991 von Cornelia Möbs und Barbara Heigert, fertigt hochwertiges Geschirr aus Tonware und Porzellan. »Jedes Design benötigt zunächst ein Konzept. Unsere Steinzeugkollektion hat eine farbige Glasur in Edelweiß, Blau- und Grüntönen mit mandelbraunem Rand«, erzählt Cornelia Möbs. »Die Exemplare variieren in der Schattierung und Intensität, sind einzigartig und lebendig.«
Hinter jedem Stück stecken Stunden an Arbeit, so die Keramikerin. Jedes Exemplar wird sorgsam per Hand geknetet und geschlagen, gedreht, getrocknet, geglättet, gebrannt und glasiert. »Den Ton muss man mindestens 20 Mal schlagen, bis die darin eingeschlossene Luft herausgearbeitet und das Material gleichmäßig ist«, erklärt Cornelia Möbs. Die Produktion eines einzelnen Tellers aus Tonzeug benötigt etwa zwei bis drei Wochen. Die Schönheit der Designs verbirgt sich dabei nicht in extravaganten Formen, sondern, ganz im Sinne des Wabi-Sabi, in kleinen Unvollkommenheiten. Alle Stücke werden individuell geformt und weichen minimal voneinander ab – von Proportion bis hin zu Fließspuren. Manufakturen ermöglichen es den Kund:innen zudem, ihre Bestellungen zu personalisieren oder Sonderanfertigungen zu ordern. Handgefertigte Stücke sind daher als Unikate immer ein Ausdruck der Identität. Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: So bezieht etwa Heigert & Möbs das Grundmaterial aus dem Westerwald – und Indre Ceramics aus Frankfurt setzt auf lebensmittelechte Glasuren sowie energiesparende Gasöfen.
Tafel in herbstlichen Tönen
Der Jahreszeitenwandel zeigt sich dieses Jahr nicht nur in der Natur, sondern auch auf der Tafel. Im Fokus stehen die Trendfarben Salbei und Mocha Mousse sowie klassische Herbstfarben wie Terrakotta, Ocker oder Siena. Das Geschirr – etwa von Heigert & Möbs, in der Kombination aus Salbeigrün und naturbelassenem Ton, oder von Framboiselle aus Berlin, die schicke Farbverläufe in Seegrün kreiert – wird durch Layering zur opulenten Inszenierung, wobei verschiedene Tellergrößen, Schalen und Platten in abgestuften Farben miteinander kombiniert werden. Dazu ergänzt man Accessoires aus Naturmaterialien, etwa Leinenservietten und Besteck aus Messing. Dekorative Elemente wie Blätter, kleine Zweige und ausgesuchte Steine verwandeln die Tafel schließlich vollends in einen kulinarischen Wald. Etwas Kerzenlicht sorgt dabei für die richtige Stimmung – und macht zu Beginn der dunklen Jahreszeit Appetit auf mehr.