Luxembourg Art Week: Alex Reding im LIVING Talk
Alex Reding, Gründer und Direktor der Luxembourg Art Week, erklärt, wie rapide sich das kleine Land mitten in Europa verändert hat und was das für die Kulturszene bedeutet.
LIVING Sie haben 2015 die Luxembourg Art Week gegründet. Was war die Motivation dafür?
Alex Reding Ich führe seit 2001 hier die Galerie Nosbaum Reding und habe schon bald danach einen starken gesellschaftlichen Wandel in Luxemburg beobachtet, der vor allem mit dem wirtschaftlichen Aufschwung zu tun hat. Es haben sich viele neue hoch qualifizierte Arbeitskräfte hier angesiedelt, vor allem aus dem internationalen Bankgeschäft. Also habe ich überlegt, wie man diese -Menschen in die Kulturszene einbinden kann. Ein großes Event war dafür genau die richtige Form, und die Art Week versteht sich explizit nicht als Messe, denn wenn es nur um den Kunstmarkt ginge, hätten wir nicht alle Player an Bord holen können. Als Art Week konnten wir ein wachsendes Netzwerk aufbauen. Bei der ersten Ausgabe waren 20 Galerien -ver-treten, inzwischen sind es um die 80, und wir zählen rund 20.000 Besucher:innen. Darauf können wir schon stolz sein.
Luxemburg profitiert nicht nur durch seine -Rolle als Bankenstandort, sondern auch durch seine zentrale Lage in Europa. Wie beeinflusst das die Kulturszene?
Im Umkreis von 300 Kilometern leben 100 Millionen Menschen, das ist schon sehr viel. Mit Paris, Brüssel, Amsterdam und Köln haben wir wichtige europäische Kulturmetropolen in Reichweite. Was unser Publikum bei der Art Week angeht, sprechen wir allerdings gezielt einzelne Institutionen und deren Umfeld an, von Brüssel bis Bonn. Wichtig ist uns auch, die lokale Szene und ihre Institutionen ins Spiel zu bringen. Luxemburg ist zwar zentral, aber vielen noch unbekannt, und es gibt nicht wenige, die uns neugierig besuchen. Das ist eine ideale Gelegenheit, um die Kultur hier zu promoten.
Wie hat sich diese Kulturszene selbst in den letzten Jahren verändert?
Die Bevölkerung hat sich seit meiner Kindheit auf 700.000 Einwohner:innen verdoppelt, das gibt es in keinem anderen europäischen Land. Unter der arbeitenden Bevölkerung ist der Anteil von Luxemburger:innen heute nur 27 Prozent, das heißt, es geht hier sehr -international zu, und auch in der Kulturszene ist viel passiert. Die Kunstwelt ist eigentlich erst vor 25 Jahren aufgewacht, mit Institutionen wie dem Casino, dem Mudam und dem renovierten Nationalmuseum.
Wie hoch ist der Anteil Einheimischer bei den Künstler:innen?
Nicht sehr hoch, denn die Mieten hier sind extrem teuer, und es fehlt auch eine Kunsthochschule. Die besten luxemburgischen Künstler:innen wohnen im Ausland, aber es gibt natürlich Kontakte zu ihnen, und die Regierung bemüht sich auch, mittels Förderungen leistbare Ateliers hier zur Verfügung zu stellen. Den nichtkommerziellen Art Spaces stellen wir auch bei der Art Week eine Präsenz zur Verfügung.
Vom 22. bis 24. November wird die zehnte -Ausgabe der Luxembourg Art Week statt-finden. Was dürfen wir erwarten?
Wir gehen diesmal noch stärker in die Stadt und in den öffentlichen Raum hinein, wir bespielen leer stehende Geschäftslokale und Vitrinen mit Kunstkollektiven aus Luxemburg und dem Umland. Auf der Veranstaltung selbst werden wir wie immer den Event-charakter betonen und jeden Tag etwas Neues und Spannendes bieten.
Zur Person
Alex Reding studierte Kunst in Paris und Düsseldorf und gründete 2001 mit Valerie Nosbaum in Luxemburg die Galerie Nosbaum Reding, die inzwischen auch eine Zweigstelle in Brüssel hat. 2015 gründete er die erste internationale Kunst-messe des Landes, die Luxembourg Art Week. luxembourgartweek.lu