New Faces: Heterogenes Kollektiv
Das Designkollektiv DING, kurz für »Design in Gesellschaft«: 13 Designer:innen, arbeitet zu unterschiedlichen Schwerpunkten.
Viele davon sind Absolvent:innen der Industriedesign-Klassen der Universität für angewandte Kunst in Wien.
Sie bespielen seit knapp zwei Jahren eine alte Werkstatt mit charmantem Innenhof im 20. Wiener Gemeindebezirk. Der Ort ist aus dem Bedürfnis nach einer zeitgemäßen Form von kollektivem Arbeiten entstanden. Von Social Design bis Speculative Design, von Design-Research über Interior bzw. den Entwurf nachhaltiger Möbel bis hin zur urbanen Fischzucht reizt das Kollektiv den Begriff Design in seiner Breite aus. Sie kooperieren mit Museen und Firmen, arbeiten allein oder in Allianzen, digital und analog und in allen vorstellbaren Materialien und Dimensionen. Diese Heterogenität, was Themen, Materialien, Ansätze und Konzepte betrifft, kombinieren sie mit ihrem eigenen Verständnis von kollektivem Arbeiten. Damit liefern sie ein zukunftsweisendes Gegenmodell, zum mittlerweile in die Jahre gekommenen Begriff des Autorendesigns. Das Konzept, sowohl als Kollektiv als auch in den jeweils eigenen Brands aufzutreten, ermöglicht den Designer:innen einen breiteren Zugang zu Projekten und in weiterer Folge auch zur Industrie. Statt 13 One-Man-Shows zu sein, gibt es ein »Wir«, das anders skalieren, auftreten und Angebote machen kann. Sie können rasch und unkompliziert Allianzen mit den anderen Mitgliedern eingehen und deren Ressourcen und Kompetenzen in die eigene Arbeit mit einbeziehen. Das Kollektiv macht DING also kompatibel mit professionellen und auch indus-triellen Strukturen. Und das macht DING zu einem relevanten Partner, wenn es um die Entwicklung zukunftsweisender Ideen geht, die aus der Mitte der jungen Generation hervorgehen.
Sichtbar wird die Qualität der Ideen zum Beispiel im Projekt »Shaping residue« von Christoph Wimmer-Ruelland. Er arbeitet mit dem, was bereits da ist, und verwendet industrielle Rückstände der Metallindustrie als »neue« Materialien im Bereich des Möbel-designs. Indem er vorschlägt, den Industrieabfall von vornherein als Bauteile für andere Produkte zu betrachten, stellt er die aktuellen Produktionsabläufe auf den Kopf. Er macht die Collage zum Thema seiner Entwürfe und zu einer denkbaren Lösung für das Abfallproblem, das uns in Design und Architektur noch vor viele Herausforderungen stellen und einen neuen Umgang mit Fehlern, Gebrauchsspuren und deren Ästhetik einfordern wird. »Aristid«, Franz Ehns Entwurf für ein Musikinstrument, das es Komponisten ermöglicht, Musik zu schreiben, die nicht auf starren Skalen basiert, sondern spielbare harmonische Frequenzen erzeugt, die auf den Wachstumsmustern von Pflanzen basieren, ist ein weiteres Beispiel, das die Komplexität der Themen, die das Kollektiv abbildet, beschreibt. An der Beschäftigung mit dem -Interface und mit Elektronik sprengt auch Ehn das typische Bild eines jungen Designstudios, das sich oftmals auf die Gestaltung von niederkomplexen Gebrauchs- und Einrichtung-gegenständen beschränkt und das Potenzial hinter neuen Technologien und Verfahren oftmals nicht ausschöpft. DING schafft ein Umfeld, in dem die Designer:innen sich -gegenseitig inspirieren und voneinander lernen. Ein Aspekt, der uns auch während des Studiums -extrem wichtig ist und für den beim Übergang in die eigene -Praxis nicht immer genug Zeit bleibt. Dabei sind es genau dieser Austausch und der Umgang mit den Peers, die für gute Ideen und neue Zugänge an den Grenzen des Bestehenden sorgen. Im gemeinsamen Studio im 20. Bezirk gibt es rund um den grünen -Innenhof herum Werkstätten (Holz-, Metall-, Lackierwerkstatt), zwei Büros sowie einen großen Gemeinschaftsraum mit Rapid Prototyping Lab und eine lange Halle für Ausstellungen, die auch dafür genutzt wird, z. B. für Ausstellungen während der Vienna Design Week (UNDING eröffnet am 22. 9. 2023) oder
einen Weihnachtsmarkt. Bei meinem ersten Besuch gab es im Hof einen riesigen Wassertank mit Fischen und Salatbeete, ein Selbstversorgerversuch, der meines Wissens nach aber den vielen Besucher:innen zum Opfer gefallen ist.
Stefan Diez ist Industriedesigner in München. Sein Studio DIEZ OFFICE arbeitet in den Bereichen Möbel, Beleuchtung, architektonische Elemente und Accessoires und vereint technisches Fachwissen, kreatives Experimentieren und ein rigoroses Engagement für Nachhaltigkeit. Er hat zahlreiche preisgekrönte Produkte entwickelt und arbeitet mit -international renommierten Herstellern wie HAY, Vibia, Magis, Herman Miller, e15, Midgard, Thonet, Rosenthal etc. Seit 2018 ist er Professor für Industriedesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien.