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(c) Vertical Garden Design

Vertikale Gärten begrünen die Städte

Architektur
Garten

Sie sind weltweit auf dem Vormarsch: Vertikale Gärten begrünen Innen- und Außenräume gleichermaßen, egal, ob in Europa, Asien oder Amerika. Die lebenden Wände bieten zahlreiche Vorteile, bringen aber auch Herausforderungen mit sich.  

Titelbild: Lebende Wände: Von Dubai über Barcelona bis Stockholm – von Restaurants über Hotels bis hin zu Büros: Die Projekte von Vertical Garden Design umranken unzählige Wände und Stockwerke auf der ganzen Welt. verticalgardendesign.com

Sie nimmt die gesamte Wand ein: eine fließende Kaskade aus Grün, Bergenien, Farne und Gräser ergießen sich über die Vertikale. Davor sitzen Antoine Nerval und Chih-Wei Chang, Landschaftsarchitekten und Gründer des Vertikal-Green-Unternehmens Mingzhu Nerval. Sie beschäftigen sich seit 14 Jahren mit Gärten, die sich dem Himmel (oder der Zimmerdecke) entgegenrecken – und sind mit ihrer Passion für grüne Wände nicht allein: Überall auf der Welt, von Paris bis Shanghai, begrünen Spezialist:innen für »Living Walls« Fassaden und Wände. Was früher als einzigartiger Blickfang galt – man denke nur an die Hängenden Gärten der Semiramis, die als eines der sieben Weltwunder die antiken Zeitgenossen beeindruckten – ist heute beinahe allgegenwärtig. Ein Grund dafür ist im verstärkten Bewusstsein für das globale Klima zu finden.

Vertikaler Garten reloaded

Auch die Arbeit des Botanikers und Gartenarchitekten Patrick Blanc war entscheidend: Er erfand den vertikalen Garten, wie wir ihn heute kennen, bereits in den 1980er-Jahren – aufbauend auf jahrelanger Forschung und der Erkenntnis, dass Pflanzen ohne Erdboden gedeihen können. Mittlerweile beweisen Vertical-Wall-Spezialist:innen allerorts ihre Gartenkunstfertigkeit. So sorgen sowohl die haushohe grüne Fassade im Changi Airport als auch der Mailänder Bosco Verticale von Boeri Studio nach wie vor für ehrfürchtiges Staunen – sie stehen sinnbildlich für die urbane Begrünung der Zukunft. Die Kollaboration zwischen Architekt:innen und Landschaftsgärtner:innen ist hierbei entscheidend: »Wann immer man eine vegetative Oberfläche hat, hat man die Möglichkeit, Biodiversität und Lebensraum zu schaffen«, so David Hertz, Gründer des gleichnamigen Studios – als Pionier für Environmental Architecture arbeitet er, wie viele andere Architekturbüros auch, häufig und eng mit Green-Wall-Spezialist:innen (etwa Habitat Horticulture aus Kalifornien) zusammen.

Überflieger: 115.000 Pflanzen, 50 Arten, fünf Stockwerke hoch und 300 Meter lang: Der vertikale Garten im Changi Airport ist ein grünes Meisterwerk. tierradesign.com.sg

(c) Shutterstock

Blickfang: Pflanzenwände in Büros entspannen, verbessern die Luftqualität und dienen zugleich als grüne Kunst. greenwalls.com

(c) beigestellt

Es grünt so grün

Eine grüne Vertikale tut nachweislich gut: Studien belegen, dass der Blick auf die Vegetation Stress, Angst und Anspannung deutlich reduzieren kann. Im urbanen Raum, der oft knapp bemessen ist, dient die platzsparende Fassadenbegrünung neben ästhetischen Zwecken darüber hinaus als biodiverser Lebensraum, sie reinigt die Luft und sorgt sogar für eine ruhigere Umgebung, da laute Geräusche absorbiert werden. »Üppige Green Walls bieten Nahrung und Lebensraum für Vögel, Insekten und fördern so die gesamte städtische Artenvielfalt«, ergänzt Antoine Nerval von Mingzhu Nerval. Im Eigenheim kann die Begrünung nicht nur das Raumklima aufbessern, sondern auch platzsparend visuelle Schwerpunkte im Raum setzen. Die Palette an Gestaltungsmöglichkeiten, um Pflanzen in die senkrechte Richtung zu kultivieren, ist vielfältig. Patrick Blancs »Mur Végétal« etwa baut auf einem Hydroponik-System mit PVC-Platten als Trägerstruktur auf, Filzmaterial erleichtert hierbei die Wasser- und Nährstoffzufuhr der Pflanzen. Daneben hat sich die Befestigung spezieller Behälter oder Taschen direkt an Wänden oder Gittern etabliert. Eine der größten Herausforderungen? Die Selektion der Pflanzen: Vor allem jene, die außen wachsen, wählt man möglichst sorgfältig nach Mikroklima, Wachstumsraten und Lichtverhältnissen, aber auch Blütezeiten und Saison aus – dies alles muss übereinstimmen, um den Pflegeaufwand zu minimieren und eine lange Lebensdauer zu ermöglichen. Im Innenraum können auch nicht heimische Pflanzen gedeihen, erklärt Antoine Nerval: »Die Lichtverhältnisse müssen angepasst werden – zugleich muss man darauf achten, nicht zu viel Energie zu verschwenden.« In beiden Fällen wird zu spezieller Erde gegriffen, die besonders nährstoffreich ist. Die Kunst bestehe den Expert:innen zufolge immer darin, zahlreiche Faktoren einzuberechnen – egal, ob im Innen- oder im Außenraum. So kommt man bei der Planung und Instandhaltung einer großen grünen Vertikalen im Eigenheim nicht umhin, die Profis ans Werk und an die Wand zu lassen.

Greenhouse: LifeWall macht Outdoor--be-reiche ganzheitlich nutzbar – etwa durch kunstvolle
Begrünung über ganze Fassaden hinweg. lifewall.in

Blühende Lobby: Die Lobby des »Shangri-La Singapore« wurde 2017 mit einer imposanten grünen Wand versehen, die dem Raum eine alpine Aura verleiht. shangri-la.com

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Erschienen in
Falstaff LIVING Nr. 3/2024

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Christina Horn
Autor
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