Werner Magedler, Katrin Prähauser, Stella Schaller, Allegra Frommer und Richard Wisdom © HOGAST/Franz Neumayr
Das 29. »HOGAST-Symposium« reiste in die Welt von morgen
Internationale Top-Speaker, eine Runde der Chefredakteure, 900 Hoteliers und Gastronomen und eine fulminante Gala machten das Event in Salzburg zu einem absoluten Highlight der Hospitality-Branche.
von Alexander Schöpf
18. Oktober 2024
Das diesjährige »HOGAST-Symposium« in Salzburg warf am Dienstag und Mittwoch den Blick in die Zukunft. Unter dem Motto »Weitblick – eine Reise in die Welt von morgen« informierten fünf internationale Top-Speaker und die Runde der Chefredakteure renommierter Tageszeitungen das interessierte Publikum – ingesamt rund 900 Hoteliers und Gastronomen – unterhaltsam und auf hohem Niveau.
Von Konkurrenz zu Kooperation
Stella Schaller, Mitgründerin des Think-Tanks »Reinventing Society«, betonte in ihrer Keynote, dass wir uns als Gesellschaft mitten in einem globalen Transformationsprozess befinden, der ein Umdenken erfordert. Sie ermutigte dazu, einen inneren Kompass zu entwickeln, um den Wandel aktiv zu gestalten, anstatt ihn passiv zu erleben. Anhand der Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling verdeutlichte sie, wie Altes Platz für Neues macht, und betonte die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels – von Konkurrenz zu Kooperation, von Extraktion zu Regeneration, von Entfremdung zu Verbundenheit. Dabei plädierte Schaller für systemisches Denken und die Wiederherstellung der Verbindung zu uns selbst und zur Natur: »Wir können Gärtner der Erde sein.«
Der Managementvordenker Peter Kreuz legte in seinem Vortrag dar, wie wichtig es ist, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Er plädierte für »ZFDB« – sich »Zeit für die Birne« zu nehmen, um kreative und zukunftsorientierte Ideen zu entwickeln, anstatt sich nur im hektischen Tagesgeschäft zu verlieren. Mit dem Konzept der »Not-to-do-Liste«, der Macht des Kalenders und der Kunst, bewusst Nein zu sagen, rief er dazu auf, Prioritäten klar zu setzen: »Stress hat, wer Ja sagt, aber Nein meint.« Grenzen seien der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg. Zudem ermutigte er das Publikum, jede Woche eine Kleinigkeit im Arbeitsalltag testweise anders zu machen, um sich in eine erfolgreiche Zukunft »hineinzutasten«.
Warten auf die »Proteinwende«
Christine Schäfer, Senior Researcher am »Gottlieb Duttweiler Institute«, prognostiziert in ihrer Keynote eine »Proteinwende« und betonte, dass sich unsere aktuelle Ernährungsweise langfristig nicht aufrechterhalten lässt. Sie sieht große Chancen in der Transformation des Ernährungssystems durch alternative Proteinquellen wie pflanzliche Produkte, präzisionsfermentierte Proteine und Laborfleisch. Dabei spielt der Handel eine Schlüsselrolle, um Konsumenten zu gesünderem und nachhaltigerem Konsum zu verhelfen. Für die Hospitality-Branche bedeutet dies, dass Nachhaltigkeit zum Standard wird, Fleisch an Bedeutung verliert während plant-based-Produkte an Bedeutung gewinnen sowie personalisierte Gästebedürfnisse immer wichtiger werden.
Jugendforscher Simon Schnetzer beleuchtete in seiner Keynote die Herausforderungen, welche die Generation Z in der Arbeitswelt mit sich bringt. Er betonte, dass junge Menschen nicht faul seien, sondern anders und besser arbeiten wollen. Sinnvolle Aufgaben, Spaß, Anerkennung, Geld und eine gute Balance stehen im Fokus. Die größten Hindernisse für diese Generation seien toxische Arbeitsatmosphären, schlechte Führung und mangelndes Feedback. Um die nächste Generation langfristig finden und halten zu können, braucht es unter anderem Bindung und flexible Arbeitsmodelle.
Bessere Roboter, humanere Menschen
Zukunftsforscher Tristan Horx betonte bei seinem Auftritt, dass wir uns in einem fundamentalen Epochenwandel befinden – in der Krise des Übergangs, vom alten Normal zum neuen Normal. Er konstatierte, dass entgegen der landläufigen Meinung Zukunft nie linear, sondern in ambivalenten Schleifen passiert. Megatrends wie Globalisierung haben ausgedient und stehen Gegentrends gegenüber. Individualisierung trifft auf den Wunsch nach Gemeinschaft, Urbanisierung weicht der Stadtflucht. Menschliche Beziehungen gewinnen im digitalen Zeitalter mehr an Bedeutung. »Wenn Roboter bessere Roboter werden, müssen Menschen humaner werden«, so Horx Er ist davon überzeugt, dass die Zukunft mehr Menschlichkeit erfordert.

In der Runde der Chefredakteure diskutierten die Manfred Perterer von den Salzburg Nachrichten, Gerhard Hofer von Die Presse und Rainer Schüller von Der Standard die Frage, was in Sachen Gesellschaft und Tourismus auf uns zukommt. Perterer hob hervor, dass der Tourismus enorme positive Effekte hat, wie die Bekämpfung der Landflucht und die Schaffung von Arbeitsplätzen, und plädierte für bessere politische Rahmenbedingungen, einschließlich eines eigenen Tourismusministers. Hofer verwies auf die Innovationskraft der Branche und betonte die Wichtigkeit von Nachfolgeregelungen (»Tourismus als Generationenprojekt«) sowie sinnstiftender Aufgaben für junge Arbeitnehmer. Schüller unterstrich die Resilienz der Branche und die Notwendigkeit, trotz wirtschaftlicher und klimatischer Herausforderungen optimistisch zu bleiben und transformative Prozesse anzustoßen.
Gala mit emotionalen Höhepunkten
Das gesellschaftliche Highlight des diesjährigen Symposiums war neuerlich die Gala, die mit Top-Showacts wie dem Kabarettisten Martin Frank oder dem Aerial Silk Duo sowie unter der kurzweiligen Moderation von Alfons Haider für beste Unterhaltung sorgte. Kulinarisch begeisterten die vier steirischen Spitzenköche Richard Rauch, Markus Rath, Stefan Eder und Andreas Krainer mit exquisiter Kochkunst.
Den emotionalen Höhepunkt des Abends bot die Verabschiedung des Vorstands Richard Wisdom, der nach 25 Jahren ein neues berufliches Kapitel aufschlägt, sowie die Verabschiedung des langjährigen Aufsichtsrat-Vorsitzender-Stellvertreters Wolfgang Burgschwaiger. Vorstandsvorsitzende Allegra Frommer richtete dankende Worte an die Gäste, sprach von bewegten Monaten und blickte optimistisch in die Zukunft: »Nach dem Symposium gehen wir wesentlich positiver nach Hause, als wir gekommen sind.«
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