© Shutterstock
Cybercrime in Hotels nimmt dramatisch zu: Tausende Passdaten in Italien gestohlen
Es ist der neueste in einer langen Liste von Cybercrime-Fällen in der Hotellerie: Hacker haben beim Check-in-Prozess unbemerkt Tausende Passdaten in italienischen Hotels entwendet. Die Statistik zeigt: Die Cyberkriminalität nimmt zu, die Bedrohungen sind real und massiv.
von redaktion
18. August 2025
Es ist ein Worst-Case-Szenario: Cyberkriminelle haben Tausende Passdaten aus italienischen Hotels gestohlen, um sie im Darknet zu verkaufen. Die Gruppe »Mydocs« fokussiert sich dabei insbesondere auf 4-Sterne-Häuser. Wie die Kriminellen dabei vorgehen: Während des Check-ins fangen sie hochauflösende Scans von Reisepässen und Personalausweisen ab. Die illegalen Aktivitäten begannen im Juni, kürzlich tauchten über 70.000 gestohlenen Dokumente aus verschiedenen Hotels auf einschlägigen Online-Plattformen auf. Der Preis: 800 bis 10.000 Euro pro Stück, je nach Umfang und Qualität der Daten. Der Schaden: nicht genau zu beziffern, aber jedenfalls enorm.
Die erschreckende Statistik
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ransomware-Angriffe auf die Hotelbranche sind laut IBM Security X-Force um 150 Prozent gestiegen. Noch alarmierender sind die Erkenntnisse der Beratungsfirma KPMG, die zwischen 2022 und 2023 einen Anstieg von Cyberattacken um 201 Prozent verzeichnete. Diese Entwicklung ist kein Zufall. Hotels sind für Cyberkriminelle zu dem geworden, was Banken einst für klassische Räuber waren: lukrative Ziele mit wertvollen Schätzen, die sich verhältnismäßig leicht erbeuten lassen.
Das gilt auch hierzulande: „Wer glaubt, sich in Österreich auf der Insel der Seligen zu befinden, hat leider gefehlt“, so Werner Kraus, CCO von Magenta Telekom. »10 Prozent der heimischen Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe wurden bereits mit Lösegeldforderungen konfrontiert. Davon haben – über alle Branchen hinweg – 3 Prozent auch bezahlt.« Das ganze Interview mit noch mehr Zahlen und relevanten Branchen-Insights lesen Sie hier >
Dazu kommt: Das Risiko einer Attacke ist deutlich gestiegen, das Bewusstsein dafür nicht. Dabei sind Hotels eine wahre Goldgrube für Cyberkriminelle: Mit einem digitalen Einbruch erbeutet man gleichzeitig Kreditkartendaten, Passkopien und Aufenthaltspläne vermögender Gäste sowie detaillierte Informationen über deren Gewohnheiten.
Digitale Transformation öffnet Einfallstore
Diese sensiblen Informationen lassen sich im Dark Web gewinnbringend verkaufen oder als Druckmittel bei Erpressungen einsetzen. Hinzu kommt die rasante digitale Transformation in der Hotellerie: Online-Buchungssysteme haben die klassischen Reservierungsbücher ersetzt, berührungsloses Zahlen ist Standard geworden, und Smart-Room-Technologien verwandeln Hotelzimmer in vernetzte Erlebnisräume. Aber: Jedes WLAN-fähige Gerät, jede neue Schnittstelle, jeder digitale Service schafft neben Bequemlichkeit auch potenzielle Einfallstore für Angreifer. »Sogar das Abhören von Gästen über IP-Telefonanlagen ist möglich«, so IT-Sicherheit-Experte Clemens Foisner.
Besonders verhängnisvoll wird diese Entwicklung durch oft unzureichende Sicherheitsmaßnahmen. Während Großkonzerne Millionen in IT-Sicherheit investieren, verfügen kleinere Beherbergungsbetriebe meist nicht über die Ressourcen für umfassende Cybersicherheitsstrategien. Veraltete Webseiten, die seit Jahren nicht aktualisiert wurden, unzureichend gesicherte WLAN-Netze, die jedem Gast offenstehen, und IoT-Geräte ohne robuste Sicherheitsmaßnahmen werden zu kritischen Faktoren.
Die Folgen eines erfolgreichen Angriffs gehen weit über technische Probleme hinaus. Neben direkten Kosten – Lösegeldzahlungen bewegen sich heute oft im fünf- bis sechsstelligen Bereich – entstehen erhebliche Verluste durch Betriebsunterbrechungen. Noch schwerwiegender sind oft die Reputationsschäden: Kompromittierte Gästedaten führen zu nachhaltigem Vertrauensverlust.
TEXT: Andreas Juva
Mehr aus unserer Coverstory zu IT-Sicherheit in der Hotellerie
- Cybercrime in Hotels nimmt dramatisch zu: Das ist die erschreckende Statistik
- Wie Cyberkriminelle Hotels angreifen – und was Sie dagegen tun können
Lesenswert
Der »Young Talents Day« bietet eine Rallye durch zehn Wiener Top-Hotels, fünf Challenges pro Route und ein Abend mit Sternekoch Silvio Nickol.
© Daniel Taladrid
60 Lehrlinge beim »Young Talents Day«: Die Wiener Top-Hotels investieren in Nachwuchs
Der »Young Talents Day« von »tophotels.wien« bringt 60 Lehrlinge zusammen und zeigt, wie die Wiener Spitzenhotellerie aktiv in ihren Nachwuchs investiert.
Hohe Ansprüche: Sauerteig, lange Teigführungen, handwerkliche Optik. Auch bei Großbäckern zählen wichtige Qualitätsmerkmale.
© Sonja Priller
Die Kraft der Kruste: Brot wird in der Gastronomie zum Qualitätsversprechen
Der Brot-Gang macht Image! Vom Frühstückskorb bis zum Signature-Burger ist gutes Gebäck wichtiger denn je. Wie Bäcker und Gastronomen gemeinsam an Qualität und Geschmack arbeiten.
Praxisnahe Impulse für mehr Effizienz, bessere Abläufe und starke Hotelbetriebe.
© Foto beigestellt
Leading Hospitality Circle am »LOXONE« Campus
Wie können Hotels ihre Teams entlasten, Prozesse vereinfachen und gleichzeitig mehr Raum für persönliche Gastfreundschaft schaffen? Genau darum geht es beim Leading Hospitality Circle am 9. September 2026 am »LOXONE« Campus in Kollerschlag.
Positives Signal für die Zukunft: 74 Prozent der befragten Hotel-Lehrlinge möchten grundsätzlich in der Branche bleiben.
© shutterstock.com/Drazen Zigic
»Wenn es nur überall so wäre«: Hohe Arbeitszufriedenheit bei Hotel-Lehrlingen
Neue Studie der ÖHV zeigt: Hotel-Lehrlinge sind zufriedener als der durchschnittliche Angestellte in Österreich. Trotzdem gibt es auch klaren Handlungsbedarf.
Das sind die Vertreter der zehn Mitgliedsbetriebe der neuen Hotel-Allianz »Superior Hotels Mühlviertel«.
© TVB Muehlviertel
Neue Hotel-Kooperation in Österreich: »Superior Hotels Mühlviertel« vereinen ihre Kräfte
Zehn Vier-Sterne- und Vier-Sterne-Superior-Hotels schließen sich zur neuen Allianz zusammen. Das Ziel ist dabei, die Region gemeinsam zu vermarkten, neue Märkte zu erschließen und die Interessen der Mühlviertler Hotellerie geschlossen zu vertreten.
Mit neuem Küchenchef und zeitgemäßem Verhaltenskodex startet das »Interalpen-Hotel Tyrol« in die Saison 2026.
© © Interalpen-Hotel Tyrol
Neuer Küchenchef, klare Haltung
Mit dem Saisonstart im Mai hat das »Interalpen-Hotel Tyrol« klare Zeichen für höchste Qualität, Verantwortung und einen respektvollen Umgang im Arbeitsalltag gesetzt.
Meist gelesen
Laut »EcoAustria« könnte der Prozentpunkt langfristig bis zu 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen.
© shutterstock.com/groviapoto
Beschlossene Sache: Die Lohnnebenkosten sinken ab 2028 um einen Prozentpunkt – reicht das?
Österreich zählt bei den Lohnnebenkosten zu den teuersten Standorten Europas. Der Nationalrat hat nun eine Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 festgesetzt. Das ist ein Signal, das die Wirtschaft lange gefordert hat.
Ein Hotel, bei dem die Servicearbeiten ausschließlich von Robotern gemacht werden? Auf der »West Artificial Island« in China wird das bald Realität (Symbolbild).
© shutterstock.com/Jihun Sim
Roboter statt Rezeption: In China entsteht erstes vollautomatisiertes Hotel
»Pudu Robotics« und »Shenzhen CTID« planen das weltweit erste vollständig robotergestützte Hotel, ein Testbetrieb ist noch für Ende 2026 geplant. Die Frage, in welchem Maß Roboter auch in europäischen Betrieben Einzug halten, wird immer relevanter.
Ohne Tageslicht, dafür in zentraler Lage: In Stockholm entstehen 135 unterirdische Zimmer.
© Scandic Hotels Group
»Scandic« plant neues Hotel-Konzept – unter der Erde
Direkt unter einer der belebtesten Einkaufsstraßen der schwedischen Hauptstadt: Vier Stockwerke unter der Erde entstehen 135 Zimmer ohne Fenster. Das Konzept der Hotelgruppe »Scandic« trifft einen wachsenden Gästetrend.
Haus mit langer Geschichte: Das »Grand Hotel Europa« soll 2029 als »NH Collection«-Haus zurückkehren.
© aurena.at
Traditionshaus in Innsbruck vor Wiedereröffnung: »NH Collection« zieht ins »Grand Hotel Europa« ein
Nach Jahren des Leerstands steht für das bekannte Fünf-Sterne-Hotel der Neustart bevor. »Minor Hotels« will das historische Haus umfassend revitalisieren und 2029 als erstes »NH Collection«-Hotel Tirols wiedereröffnen.
Der Österreichischen Nationalbibliothek nachempfunden: das künftige Wiener »Crowne Plaza«.
© IHG
Neues Hotelprojekt: »IHG« eröffnet erstes »Crowne Plaza« in Wien
Mit dem ersten »Crowne Plaza« in der Bundeshauptstadt bringt die »IHG«-Gruppe eine international etablierte Businesshotel-Marke in den heimischen Markt zurück – mit klarem Fokus auf Geschäftsreisenden und dem wachsenden Bleisure-Trend.
Wiener Lifestyle-Hotellerie: Anica Remetić übernimmt »Das Triest« in Wien.
© RHG
»Radisson« Neubesetzungen: Zwei General Managerinnen für Österreich
Die »Radisson Hotel Group« verstärkt ihre Führungsriege in Österreich mit Anica Remetić und Anna Sima. Beide bringen umfassende Erfahrung in der Hotellerie und im Hotelmanagement mit.
Der Newsletter für echte Profis
Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!

